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Trainer Steuer will Stasi-Vorwürfe entkräften

25. Jan 2007 13:54, ergänzt 16:08
Ingo Steuer (l.) und sein Paar.
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Das Eiskunstlauf-Paar Szolkowy/Sawtschenko ist in Warschau Europameister geworden. Doch einer kann sich nicht so richtig freuen: Trainer Steuer bemüht sich abseits des Eises um die Aufklärung seiner Vergangenheit.

Der Goldrausch währte für Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy nach einer fabelhaften Kür in der Nähe des Weltrekordes und dem ersten deutschen Titel seit zwölf Jahren bei Europameisterschaften viel zu kurz. «Sie waren fantastisch und haben gezeigt, dass sie auf dem richtigen Weg zu noch höheren Zielen sind», sagte ein heiserer und sichtlich mitgenommener Trainer Ingo Steuer in Warschau, «aber das richtige Gefühl zum Feiern kommt nicht auf. Da ist etwas im Hintergrund, was geklärt werden muss.» Der Chemnitzer Eiskunstlauf-Coach hat erstmals seit Bekanntwerden seiner Stasi- Vergangenheit vor einem Jahr seine harte Linie aufgeben und eine schriftliche Stellungnahme zu seiner umfangreichen Akte verfasst.

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  • Das fünfseitige Schreiben, das der Deutschen Eislauf-Union (DEU) vorliegt, soll ein erster Schritt sein, um aus der verzwickten Lage herauszukommen, die die neuen Europameister am meisten mitgenommen hat. «Ich hoffe endlich auf klare Verhältnisse, denn wir wollen mit Ingo weiterarbeiten», forderte der 27-jährige Szolkowy. Steuer möchte schnellstmöglich eine Klärung an einem «Runden Tisch», um die schweren Vorwürfe zu seiner Vergangenheit als «IM-Torsten» zu entkräften. «Es geht ja eigentlich darum, dass man sich mal gemeinsam an einen Tisch setzt und dieses Problem gemeinsam anpackt, damit es für alle beteiligten Seiten eine gute Lösung gibt», sagte Steuer im MDR-Hörfunk. Einen Termin für das Gespräch gebe es aber noch nicht.

    Steuer hatte als 18-Jähriger eine Verpflichtungserklärung beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) unterzeichnet und später unter dem Decknamen IM Torsten unter anderem auch über die zweifache Olympiasiegerin Katarina Witt berichtet.

    Fördergelder stehen auf dem Spiel

    Nun muss die DEU die 150 Seiten dicke Akte durcharbeiten, die am Dienstag von der Birthler-Behörde eingegangen ist. «Das ist ein Wahnsinn bei den vielen handschriftlichen Aufzeichnungen», sagte DEU-Vizepräsident Uwe Harnos am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Deshalb habe er zunächst eine Fristverlängerung beim Oberlandesgericht München beantragt, wo ein Gerichtsverfahren zu Steuers Zukunft anhängig ist. Einen Alleingang und ein Einlenken kann sich der klamme Verband gar nicht leisten. Alle Fördergelder stehen auf dem Spiel, wenn Bundesinnenministerium und Deutscher Olympischer Sportbund gegen eine Einigung wären. «Es müssen alle Beteiligten in ein Boot geholt werden», sagte Harnos.

    Mit Blick auf eine möglicherweise baldige Lösung wollte der streitbare Steuer denn auch gar nichts von Genugtuung angesichts des sportlichen Erfolgs wissen. «Darum geht es überhaupt nicht. Wir haben immer versucht, die Probleme außerhalb der Bande zu lassen. Aber es war sehr schwer für Aljona und Robin», versicherte der 40-Jährige, der neben der Betreuung auch für Choreografie und Management zuständig ist. Heraus kam eine außergewöhnliche Meisterleistung, die angesichts der ständigen Störungen durch Gerichtsprozesse und der Unsicherheit des finanziellen Überlebens umso beachtlicher ist. «Das war eine Symbiose aus Sport, Artistik und Kunst, die Maßstäbe setzt», schwärmte DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf.

    Alles von vorn

    Und die gerade erst 23 Jahre alt gewordene Sawtschenko nutzte ihren ersten großen Triumph zu einer Kampfansage an die chinesischen Grand-Prix-Sieger Xue Shen/Hongbo Zhao, an deren Weltrekord von 206,54 Punkten sie mit 199,39 Zählern ganz dicht herankam. «Ja, wovor sollen wir denn Angst haben? Die Chinesen sind keine Maschinen, sie machen auch Fehler», lautete die kesse Aussage vor der Weltmeisterschaft im März in Tokio. Doch Steuer bremst sein Duo und sieht den großen Titel noch nicht in diesem Jahr: «Die Chinesen haben uns zehn Jahre Wettkampf-Erfahrung voraus». Er selbst hat die letzten deutschen Erfolge mit Mandy Wötzel (Weltmeister 1997/Europameister 1995) gefeiert und so manchen Trick im Wettkampf parat.

    So sah es beim Warmlaufen im Torwar-Eispalast noch so aus, als sei Aljona Sawtschenko viel zu nervös - nichts gelang ihr. «Ich habe danach zu beiden gesagt, Schuhe ausziehen, dann noch einmal alles von vorn starten und auf Angriff laufen», erzählte Steuer von dem kleinen Psychotrick vor der entscheidenden Vorstellung, die den ehemaligen Weltmeistern Maria Petrowa/Alexej Tichonow aus Russland (179,61) und den Lokalmatadoren Dorota Zagorska/Mariusz Siudek (170,91) nicht den Hauch einer Chance ließ. (dpa/nz)

     
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