14.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Matt vollendet furiose Aufholjagd mit Sieg
Mit einer noch nicht da gewesenen Aufholjagd hat der Österreicher Mario Matt die alpine Weltcup- Super-Kombination gewonnen. Bei den Damen schied Maria Riesch im Slalom aus.
Die deutschen Skirennfahrer haben drei Wochen vor den Weltmeisterschaften das dringend benötigte Erfolgserlebnis verpasst und lassen eine Enttäuschung zum Saisonhöhepunkt befürchten. Während der Ebinger Stephan Keppler beim spektakulären Abfahrtssieg des US-Skistars Bode Miller auf dem Lauberhorn in Wengen als 26. noch ein achtbares Resultat erreichte, enttäuschte die Damen-Riege des Deutschen Skiverbandes (DSV) beim Weltcup-Wochenende in Zauchensee (Österreich) auf der ganzen Linie.
Berthold: Das war frustierend«Das war heute frustrierend, ein katastrophales Ergebnis. Es tut mir Leid für die Fans», redete Damen-Cheftrainer Mathias Berthold nach der «Nullnummer» in der Super-Kombination Klartext. Einzig Maria Riesch sammelte als 26. in der Abfahrt Weltcup-Punkte für den DSV. «Wir haben bei den Damen eine Talsohle. Aber es bringt nichts die Athletinnen jetzt in die Ecke zu stellen. Das lässt sich wieder hinbekommen», sagte DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier.
Miller demonstrierte beim Klassiker im schweizerischen Wengen eindrucksvoll seine Extra-Klasse und feierte den 25. Weltcup-Sieg. Beim Überraschungserfolg des Österreichers Mario Matt am Sonntag in der Super-Kombination schied er zum neunten Mal im WM-Winter aus. Auch bei den Damen teilten sich die beiden Nationen die Siege. In der Abfahrt setzte sich Renate Götschl (Österreich) mit einem «Traumlauf» durch, den Erfolg in der Super-Kombination holte sich Julia Mancuso (USA) vor Teamkollegin Lindsey Kildow. Bei den Damen bleibt die Österreicherin Marlies Schild im Gesamtweltcup in Führung, bei den Herren liegt Aksel Lund Svindal (Norwegen) weiter vorn.
Riesch hofft auf einen «Schwung Glück»Bei den österreichisch-amerikanischen Festspielen in Altenmarkt- Zauchensee blieb die erhoffte Trendwende für die DSV-Damen aus. Riesch sprach als 26. in der Spezialabfahrt zwar noch «von einem Schritt nach vorne», doch bei Platz 32 in der Kombinations-Abfahrt überwog der Ärger über sich selbst und die Windböen im oberen Streckenabschnitt: «Jetzt könnte halt ein Schwung Glück wieder vorbei kommen.» Nach dem guten Start in den Weltcup-Winter hoffen die deutschen Skirennläuferinnen nun beim nächsten Weltcup im italienischen Cortina d'Ampezzo am kommenden Wochenende auf das dringend benötigte Erfolgserlebnis. «Die sind im Moment etwas weg vom Schuss», sagte Maier. Für Riesch geht es in der Comebacksaison nur noch in kleinen Schritten vorwärts.
«Ich muss das Puzzle noch zusammen setzen. Das kommt schon wieder, ich habe keine Zweifel», sagte die viermalige Weltcupsiegerin, die in den Technik-Rennen zuvor fünf Mal nacheinander nicht unter die besten 30 gekommen war. Cheftrainer Mathias Berthold sieht Riesch auf dem Weg nach oben, «aber das reicht bei schlechter Sicht noch nicht aus, um ans Limit zu gehen.» Die zweimalige Weltcupsiegerin Petra Haltmayr (Rettenberg) wurde nur Abfahrts-50. und gibt damit ihren Trainern weiter Rätsel auf. Auch der deutsche Nachwuchs enttäuschte.
Miller zwischen Genie und WahnsinnMiller fährt auch im WM-Winter zwischen Genie und Wahnsinn. Beim Gewinn der traditionellen Lauberhorn-Abfahrt sorgte der viermalige Weltmeister mit einem Fabellauf sowie einem Zielsturz einmal mehr für Spektakel und seinen 25. Weltcup-Sieg. In der Super-Kombination ging der Sieg an Matt, der bei irregulären Pistenverhältnissen als erster Fahrer im alpinen Ski-Weltcup vom 30. Platz nach der verkürzten Abfahrt im Slalom noch ganz nach vorn fuhr. Miller ärgerte sich zwar über seinen Slalom-Einfädler, der ihn als Zweitplatzierten der verkürzten Abfahrt um den nächsten Coup brachte, doch den Sieg beim Abfahrtsklassiker konnte ihm niemand mehr nehmen.
Keppler beendete seine Lauberhorn-Premiere als 26. der Abfahrt und nutzte die Kombination zum reinen Abfahrtstraining. «Für Keppler war das okay, als Neuling ein paar Punkte zu machen», meinte Herren- Cheftrainer Werner Margreiter und geriet ob der Bode-Show vom Vortag in Verzückung. «Das war eine Sondervorstellung, und im Ziel hat er noch was Besonderes drauf gepackt. Das ist Extra-Klasse.» (nz)