02.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Angerer bei Doppel-Verfolgung auf Rang drei
Bei der zweiten Station der Tour de Ski haben es die deutschen Langlauf-Damen wieder nicht auf einen vorderen Platz geschafft. Bei den DSV-Herren lief es da schon besser.
Von Von Gerald FritscheEine Demonstration von Moral und Teamgeist haben Tobias Angerer die Chance auf den Gesamtsieg bei der Tour de Ski der Langläufer erhalten. Auf der zweiten Etappe, einer Doppel-Verfolgung über je zehn Kilometer in der klassischen und freien Technik, kam der Vachendorfer am Dienstag in Oberstdorf hinter dem Franzosen Vincent Vittoz und dem Russen Alexander Legkow im Zielspurt auf Platz drei und schob sich im Gesamtklassement mit 28 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Simen Östensen (Norwegen) auf Rang vier vor.
Bei den Frauen über jeweils 5 km gewann die Norwegerin Kristin Steira vor Valentina Schewtschenko (Ukraine) und Olga Sawialowa (Russland). Beste Deutsche war Evi Sachenbacher-Stehle aus Reit im Winkl als 13. vor Claudia Künzel aus Oberwiesenthal, die sich in der Gesamtwertung auf Platz fünf mit 15,9 Sekunden Rückstand auf Steira verbesserte. Auf der dritten Etappe stehen am Mittwoch Klassikrennen auf dem Programm.
Lobinger führt Angerer wieder heranDie Dramatik im Männer-Rennen hatte ihren Höhepunkt bei Kilometer zwölf. In der ersten Skating-Abfahrt stürzte Angerer an Position drei liegend und hatte sofort knapp 30 Meter Rückstand auf die Spitze, die durch eine Tempoverschärfung versuchte, das Pech eines Mitfavoriten zu nutzen. Doch der Bad Lobensteiner Axel Teichmann wartete auf Angerer, dem es kurzfristig den Atem genommen hatte und der zudem den Stock wechseln musste. An der Spitze drosselte derweil Jens Filbrich das Tempo, bis Angerer wieder der Gruppe angehörte.
«Wenn Axel nicht gewesen wäre, hätte ich es nicht geschafft. Heute hat man gesehen, was möglich ist, wenn man als Team auftritt. Ich habe mich gleich im Ziel bei Axel bedankt. Ich hätte es auch so gemacht wie er», lobte Angerer einen Mitkonkurrenten um den Gesamtsieg. Teichmann wurde am Ende Neunter und freute sich diebisch über Angerers dritten Platz. «Er ist in der besseren Form und Position, da war es selbstverständlich, dass ich ihn ranfahre», meinte der Thüringer bescheiden.
«Wir sind da noch mal relativ gut aus der Sache rausgekommen», meinte auch Bundestrainer Jochen Behle, der besonders auch die Leistung Filbrichs würdigte. «Er hat sich für Tobi und Axel aufgeopfert, tolle Führungsarbeit geleistet», sagte der Coach. Er glaubt, dass dieses Trio auch einen entscheidenden Wort in Richtung Gesamtsieg sprechen wird. «Alle drei haben ganz reelle Chancen. Und die wollen wir nutzen.»
Tag der SkitechnikerGroßen Anteil am Erfolg der drei deutschen Tour-Hoffnungen - Filbrich wurde am Ende Elfter - hatten auch die Skitechniker, die bei komplizierten Bedingungen mit Wärme und Neuschnee ganze Arbeit leisteten. Besonders bei den Männern lief der Klassik-Ski sehr gut, was die Grundvoraussetzung für die vorderen Platzierungen war. Die Norweger hingegen hatten sich völlig vergriffen und büßten viele wertvolle Sekunden ein.
Künzel greift bei Skiwahl danebenAllerdings war auch der etwas schlechtere Skating-Ski der Grund, dass Claudia Künzel nicht noch weiter vorn einkam. Bei Halbzeit des Rennens hatte die Oberwiesenthalerin das Feld noch angeführt, obwohl sie in einer Abfahrt einen Sturz nur mit akrobatischen Übungen verhindern konnte. «Das war mir echt peinlich, da ich ja eine ganz gute Abfahrerin bin», gestand die Sächsin hinterher. In der freien Technik hatte sie sich für einen Neuschnee-Ski entschieden, doch genau in dem Moment hörte der Flockenwirbel auf. «Damit war ich dann doch etwas benachteiligt, musste bergab sogar bremsen», erzählte Claudia Künzel, die der weiteren Tour optimistisch entgegen sieht: «Meine Form wird besser, ich kann auch wieder angreifen.» (dpa)