netzeitung.deEisbären zahlen Preis für Personalpoker

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Eisbären Berlin (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eisbären Berlin
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Die Eisbären Berlin sind in eine deftige Krise geschlittert. Selbst die DEL-Konkurrenz wundert sich über den gewagten Personalpoker des Meisters.

Mit dem gewagten Warten auf die «Wunderheiler» aus Nordamerika stürzt das Management der Berliner Eisbären den Titelverteidiger immer tiefer in die Krise. Nach dem 3:4 vom Sonntag im Wellblechpalast gegen den Tabellen-Zweiten aus Nürnberg und der achten Pleite in Serie ist der zweifache Meister sogar hinter den mit weit bescheideneren Mitteln und Ansprüchen ausgestatteten Neuling aus Straubing zurückgefallen. Acht Niederlagen hintereinander gab es zuletzt vor elf Jahren vor der Ausländeröffnung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) durch das Bosman-Urteil, als die Eisbären noch als das abonnierte Kellerkind der Liga fungierten.

Danach folgten zwei Meistertitel, vier Final-Teilnahmen und acht Playoff-Qualifikationen. Von ähnlichen Bilanzen wagt man in Hohenschönhausen derzeit nur zu träumen. Der Abstand auf Rang sechs mit Viertelfinal-Garantie beträgt mittlerweile schon acht Punkte. Gewinnt Krefeld am Dienstag in Hannover, droht sogar Platz zwölf. Dabei zahlt die junge Mannschaft den Preis für die zögerliche Personalpolitik mit noch fünf offenen Ausländerstellen.

Auch Nürnbergs Cheftrainer Benoit Laporte zeigte sich erstaunt darüber, dass bei den Eisbären am Sonntag ohne den verletzten Kelly Fairchild nur sechs Ausländer auf dem Eis standen. Da der Markt erst mit den dann aussortierten NHL-Profis wieder Nützliches zu bieten hat, ist in Berlin zumindest bis Ende des Monats weiteres Warten angesagt. Bis dahin wird der Champion allerdings noch sieben Mal gefordert. Nach dem Wechsel von Tomas Pöpperle, Micki DuPont und Derrick Walser in die NHL sowie dem freiwilligen Verzicht auf Rob Leask (jetzt Hamburg Freezers) präsentiert sich die Defensivabteilung offen wie ein Scheunentor und ist mit den meisten Gegentreffern zur DEL-Schießbude geworden.

Angesichts des bereits seit Ende April feststehenden Wechsel von Pöpperle hätte man zumindest auf der Schlüsselposition des Torwarts rechtzeitig Ersatz verpflichten können. Die Youngster Youri Ziffzer, Daniar Dshunussow (beide 20) und Sebastian Stefaniszin (19) wirken oft überfordert. Headcoach Pierre Page hofft jetzt auf Besserung angesichts der reichlicheren Trainingszeiten in den kommenden drei Wochen mit Spielen nur im Freitag-Sonntag-Rhythmus: «Die junge Mannschaft braucht viel Training. Dazu war zuletzt zu wenig Zeit.» Mit dem Freitag-Heimspiel gegen Augsburg und der Sonntag-Reise nach Straubing treffen die gebeutelten Eisbären am Wochenende auf Nachbarn aus dem ungewohnten unteren Tabellendrittel.