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Lupe Lindemann: WM-Coup war keine Eintagsfliege

Stefan Lindemann hat sich endgültig in der Weltspitze der Eiskunstläufer etabliert. Die Deutschen Eislauf-Union sieht bereits rosige Zeiten auf sich zukommen.

Als er vor fast einem Jahr in Dortmund den Sprung in die Weltklasse schaffte, war Stefan Lindemann noch eine Überraschung. Niemand rechnete damit, dass sich der Erfurter tatsächlich auf Dauer durchsetzt. Mit dem erneuten Gewinn der Bronzemedaille bei der EM in Turin hat Lindemann alle Kritiker überzeugt. «Der WM-Erfolg von Dortmund war keine Eintagsfliege, genau das wollte ich beweisen», sagte Lindemann und freute sich eher still über eine großartige olympische Generalprobe.
Taktisches Geschick
21 Jahre nach Rudi Cerne und Norbert Schramm stand wieder ein deutscher Läufer auf dem EM-Siegertreppchen. Unbekümmert und als krasser Außenseiter hatte der Thüringer vor Jahresfrist in der Westfalenhalle die internationale Konkurrenz überrascht, im Palavela von Turin setzte er seine neuen Vorzüge optimal ein. Nervenstärke, taktisches Geschick, fein dosierte Risikobereitschaft.

Diese Mischung erfüllte seine Trainerin Ilona Schindler mit großem Stolz: «Seit der WM geht Stefan mit einer ganz anderen Sicherheit aufs Eis. Einen Erfolg zu bestätigen, ist immer schwerer, deshalb verdient er ganz große Anerkennung.»

Da konnte die ansonsten so gestrenge Trainerin auch großzügig darüber hinwegsehen, dass ihr Schützling in der Schlussphase seiner Kür eigenmächtig einen dreifachen Toe-Loop anstatt des eher üblichen Doppel-Axels sprang, um die entscheidenden Punkte gegenüber seinem Schweizer Rivalen Stephane Lambiel herauszuholen.

Lindemann als Zugpferd
Der ehemalige Junioren-Weltmeister Lindemann ist für Reinhard Mirmseker, Präsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU), nun das deutsche Zugpferd auf dem Weg zu Olympia 2006 an gleicher Stelle. «Stefan ist zu einem großen Athleten gereift und auch neben dem Eis als Persönlichkeit gewachsen. Er hat sich professionell auf das neue Wertungssystem eingestellt und sich diesen Erfolg richtig hart erarbeitet», lobte der Verbandschef.

Er witterte sogleich die Chance, die finanziell nicht auf Rosen gebettete DEU wieder auf eine solidere Basis zu stellen: «Ein solcher Tag zeigt Sponsoren, dass sich bei uns wieder etwas bewegt. Ich kann Interessenten nur sagen: Jetzt sind wir noch preiswert.» (nz)