24.03.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Marika Kilius
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler gewannen vor genau 40 Jahren in Dortmund WM-Gold im Paarlaufen. An ihrem Jubiläumstag wartet auf die Geschäftsfrau und den Schauspieler ein ganz besonderes Treffen.
40 Jahre nach ihrem größten Erfolg findet die Wiedervereinigung in einem Theater statt. Wenn am Mittwochabend Marika Kilius in Obertshausen bei Frankfurt unter den Zuschauern weilt, wird Philip Markham die 61-Jährige auf ganz besondere Art und Weise begrüßen. Hinter dem Engländer in der Komödie «Wie wär's denn» verbirgt sich kein Geringerer als ihr früherer Eistanzpartner Hans-Jürgen Bäumler.
Glamour auch in HitparadenGemeinsam gewannen die beiden am 24. März 1964 in Dortmund zum letzten Mal eine WM-Goldmedaille im Paarlaufen für Deutschland. 21 Millionen Zuschauer saßen damals vor den Fernsehschirmen und schauten Deutschlands Traumpaar zu.
Doch nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Showbranche feierten Kilius und der heute 62 Jahre alte Bäumer Erfolge. Mit ihrem Lied «Honeymoon in St. Tropez» eroberte das Duo die Hitparaden. Unzertrennlich schienen die beiden zu sein. Viele Deutsche dachten, dass die zweimaligen Olympia-Zweiten auch privat liiert wären.
Profi bis 1982Um so größer war der Schock, als Marika Kilius am 15. August 1964 nicht ihren Eispartner Bäumler, sondern den Frankfurter Fabrikantensohn Werner Zahn heiratete. Dem Erfolg auf dem Eis schadete das «Fremdgehen» nicht.
Nach ihrem zweiten WM-Titel, den ersten hatten sie 1960 gewonnen, wechselten Bäumler/Kilius zur Eisrevue und legten so den nicht finanzträchtigen Amateurstatus ab. Bis 1982 drehten die beiden Athleten ihre Pirouetten, ehe sie die Schlittschuhe an den Nagel hängten.
Kilius der aktivere Teil«Wir haben damals gut verdient», sagt Bäumler. Um die 20.000 Mark pro Woche füllten die Kassen. Zudem war Bäumler der eisernen Regentschaft von Bundestrainer Erich Zeller entflohen. Obwohl eher Kilius Glamour anstatt Fleiß ausstrahlte, war doch der Mann der «faule» Teil der Eislauf-Ehe. «Manchmal war es ein Kampf, ihn durch die Kür zu kriegen. Ich musste immer die doppelte Kondition haben», so Kilius.
Auch heute ist die 61-Jährige noch die fleißige Geschäftsfrau. Alkoholfreier Sekt, Immobilien, Nahrungsergänzungsmittel - die Palette ihrer Handelsobjekte war und ist breit gefächert. Bäumler begnügt sich dagegen mit der Schauspielerei für sechs Monate im Jahr. Das restliche halbe Jahr genießt der 62-Jährige seit mehr als 13 Jahren mit seiner Ehefrau Marina das französische Leben auf seinem Landsitz bei Cannes in Südfrankreich.
Gelebte Nostalgie für die LeuteDie Schlittschuhe holten beide nur noch ein einziges Mal vom Dachboden. Für einen Freund drehten Kilius und Bäumler am Ostermontag 1999 vor 2000 Zuschauern im «Polarion» von Bad Liebenzell im Schwarzwald zwei Runden auf dem Eis. Länger dauerten anschließend die Termine für Profi- und Hobbyphotographen sowie ein Interview-Marathon.
Während Bäumler erstaunt war über die Öffentlichkeits-Wirkung 35 Jahre nach dem größten Erfolg, schätzte Kilius ihre Stellung auch in der deutschen (Eiskunstlauf-)Geschichte nüchtern ein: «Wir sind halt gelebte Nostalgie für die Leute.» (nz)