21.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Vom Gejagten zum Angreifer: Tobias Angerer
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Über zwei Jahre hatte der Vachendorfer die Konkurrenz im Griff, in der Vorsaison folgte der Absturz. Beim Weltcup-Auftakt am Samstag in Schweden will Angerer wieder angreifen und sich in der Skilanglauf-Weltklasse zurück melden.
Neue Ski, neue Trainingsheimat, neues Familienglück: Nach einem für seine Verhältnisse schlechten Jahr geht ein «runderneuerter» Tobias Angerer in den am Samstag im schwedischen Gällivare beginnenden Weltcup-Winter der Skilangläufer. Der Dominator der Winter 2005/2006 und 2006/2007 setzt sich aber nicht mehr unter Druck und lässt sich auf keine konkreten Ziele festlegen. «Ich will wieder Spaß haben und schnell laufen. Wenn mir das gelingt, kommen auch Ergebnisse», sagt der Vachendorfer.
Der sonst so lustige Angerer war im vergangenen Winter nahe der Verzweiflung. Nichts, was er sich vornahm, klappte. Statt wie gewohnt vornweg zu stiefeln, bekam er von den Konkurrenten die Ski-Enden gezeigt. «Ich war immer müde, hatte zu viel trainiert. Auch mein Körper hat Grenzen. Dazu kam der Erwartungsdruck der Öffentlichkeit und auch von mir selbst. Ich verkrampfte immer mehr, je mehr die erhofften Platzierungen ausblieben. Ich machte immer mehr Fehler, stürzte oft. Ich konnte nicht mehr agieren, sondern nur noch reagieren», beschreibt der 31-Jährige seine damalige Situation.
Neues Glück in RuhpoldingEr zog seine Lehren. Erstmals wechselte er die Skifirma. «Ich hatte eine tolle Zeit mit Atomic, habe mit ihnen alles gewonnen. Nun war es Zeit, etwas Neues zu probieren. Ich wollte eine neue Motivation, neue Reize setzen», begründete er seine Weggang zu Rossignol. Gleich nach Beendigung der vergangenen Saison begann er ausgiebige Tests, ließ sich viel Zeit und entschied sich dann für die Franzosen.
Auch seine Zeit in der Oberhofer Trainingsgruppe von Trainer Cuno Schreyl beendete Angerer. «Ich trainiere jetzt wieder in meiner Heimat in Ruhpolding. Die Trainingspläne macht aber weiter Cuno. Ich habe jetzt dort nach vielen Jahren auch wieder die Chance, in einer Gruppe zu arbeiten», erzählt der Premieren-Sieger der Tour de Ski. Doch seine Rückkehr ins Bayrische hatte auch noch private Gründe. «Meine Freundin Romy zog im Sommer von Dresden zu mir. Im September wurde dann unsere Tochter Karlotta geboren», berichtet «Tobi».
Die Rolle des JägersGerade das neue Familienglück macht den Vachendorfer gereifter. «Jetzt sieht man erstmal, was das Leben wert sein kann. Es ist unheimlich schön, wenn du nach Hause kommst und es wartet jemand auf dich. Du nutzt die Zeit viel intensiver, machst nichts Sinnloses mehr. Von der Verantwortung, die man plötzlich hat, mal ganz abgesehen.»
Dennoch ist der Sport für den Oberfeldwebel der Bundeswehr nicht zur Nebensache geworden. «Ich möchte schon wieder eine Rolle vorn spielen. Die Saison dürfte leichter sein. Ich bin jetzt der Angreifer, andere, wie Lukas Bauer, die Gejagten. Wenn ich das Gefühl wieder habe, dass ich konstant bin, werde ich auch vorn dabei sein», sagt Angerer kämpferisch.
Was er damit meint, bekam die Konkurrenz bereits bei einem Testwettkampf über 15 km klassisch vor einer Woche im finnischen Muonio zu spüren. Da gewann Angerer und distanzierte dabei die bis auf Norwegen und Schweden komplett versammelte Weltspitze zum Teil deutlich. «Dieser Sieg war wichtig für das Selbstbewusstsein. Ich bin in jedem Fall zum jetzigen Zeitpunkt weiter als im vergangenen Jahr.» (dpa)