Uefa-Cup-Krimi in Getafe:
Bayern besiegen ihr eigenes Schicksal
10. Apr 2008 23:27, ergänzt 23:30
 |  Bayerischer Jubel: Ribery auf dem Gipfel | Foto: dpa |
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Ein Fußball-Drama sondergleichen hat für den Rekordmeister nach 120 Minuten doch noch ein glückliches Ende gefunden. Torjäger Luca Toni sichert seinem Team mit einem Doppelpack das Weiterkommen im europäischen Wettbewerb.
Mit einer schier unglaublichen Aufholjagd hat der FC Bayern München ein schon sicher geglaubtes Ausscheiden aus dem Uefa-Pokal abgewendet und sich die Chance auf drei Titelgewinne in der laufenden Saison erhalten. Eine Woche nach dem 1:1 aus dem Hinspiel erkämpfte das Münchener Star-Ensemble am Donnerstag beim Madrider Vorstadt-Klub ein 3:3 (1:1, 1:0) nach Verlängerung und zog ins Halbfinale ein. Weltmeister Toni traf in der 115. und 120. Minute und drehte damit ein scheinbar schon verlorenes Spiel. Durch Javier Casquero (91.) und Braulio (93.) war der Europacup-Neuling in der Extra-Spielzeit mit 3:1 in Führung gegangen. In der Vorschlussrunde treffen die Münchner am 24. April und 1. Mai auf Leverkusen-Bezwinger Zenit St. Petersburg.
Wie schon beim 1:1 vor einer Woche in München wurden die Bayern zunächst durch ein Tor von Cosmin Contra (44.) geschockt. Vor 16.000 Zuschauern im ausverkauften Coliseum Alfonso Perez, darunter Spaniens König Juan Carlos und Kronprinz Felipe, brachte Franck Ribéry (89.) den ideenlosen Tabellenführer der Bundesliga in die Verlängerung.
Ideenlose Bayern
Ihren hohen Ansprüchen («Unser Ziel ist das Finale in Manchester») wurden die Bayern nur in der Schlussphase des Fußball-Dramas gerecht und präsentierten sich bei ihrer Reifeprüfung in kläglichem Zustand. Als die Spanier nur noch zu zehnt waren, machte sich Ratlosigkeit in Reihen des deutschen Rekordmeisters breit, der trotz 70 Prozent Ballbesitz den Gegner nicht in den Griff bekam. Toni und Miroslav Klose, der Lukas Podolski wieder aus der Startelf verdrängt hatte, erhielten aus dem Mittelfeld kaum verwertbare Anspiele. In einer turbulenten Anfangsphase hätte der FC Bayern für klare Verhältnisse sorgen können. Nach gerade einmal 35 Sekunden erkämpfte Klose den Ball gegen de la Red und passte in die Mitte auf Ribéry, doch der Schuss des Franzosen war zu schwach. Aber auch der erste Warnschuss der Gastgeber durch Contra (2.) ließ nicht lange auf sich warten. Dann jagte Ribéry (8.) einen Freistoß aus 18 Metern an den Pfosten. Unmittelbar zuvor hatte de la Red nach einem harmlosen Rempler gegen den spektakulär fallenden Klose die Rote Karte vom wenig souveränen Schweizer Schiedsrichter Massimo Busacca gesehen.
Contra wird zum Schreckgespenst
Der Platzverweis brachte jedoch eher die Münchner aus dem Konzept als die Spanier, die wenig später auch noch ihren gefährlichsten Angreifer Ikechukwu Uche wegen einer Muskelverletzung verloren. In Überzahl ließen die Bayern plötzlich die nötige Dynamik und den Schwung vermissen, um die Abwehr des Europacup-Neulings aus den Angeln zu heben. So mussten die etwa 1000 mitgereisten Anhänger des deutschen Rekordmeisters bis zur 33. Minute warten, ehe sie die nächste Chance durch Martin Demichelis zu sehen bekamen. Kurz vor der Pause wurden die Bayern für ihre Lethargie bestraft. Der Rumäne Contra lief mit dem Ball am Fuß 50 Meter, umkurvte mehrere Abwehrspieler und krönte sein Solo mit einem beherzten Schuss in den Torwinkel. «Die erste Halbzeit war nicht befriedigend. Wir spielen überhaupt nicht unsere personelle Überlegenheit aus», ärgerte sich Bayern-Vorstand Karl-Heinz-Rummenigge über den nicht einkalkulierten Rückstand. Einige Bayern-Fans machten ihrem Frust Luft, indem sie in ihrem Block Sitzschalen aus der Verankerung rissen. Die Polizei musste einschreiten.
Riberys rettendes Tor
Nach einer Halbzeit-«Ansprache» von Trainer Ottmar Hitzfeld starteten die Münchner mit mehr Feuer in die zweiten 45 Minuten, doch der Ausgleich wollte trotz guter Chancen zunächst nicht fallen. In der 68. Minute vergab der frei vor Kahn ausrutschende Braulio sogar das sicher scheinende 2:0. Erst in der 89. Minute gelang dem bis dahin blassen Ribéry mit wuchtigem Schuss der Ausgleich. (nz/dpa)FC Getafe - Bayern München 3:3 n. V. (1:1,1:0)
FC Getafe: Abbondanzieri - Cortés, De la Red, Manuel Tena, Licht - Celestini - Contra (66. Mario Cotelo), Casquero, Gavilán - Uche (20. Belenguer), Manu (62. Braulio)
Bayern München: Kahn - Lell (46. Jansen), Lucio, Demichelis, Lahm - Schweinsteiger (64. Sosa), van Bommel, Zé Roberto (75. Podolski), Ribéry - Klose, Toni
Schiedsrichter: Busacca (Schweiz) - Zuschauer: 16.000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Contra (44.), 1:1 Ribéry (89.), 2:1 Casquero (91.), 3:1 Braulio (93.), 3:2 Toni (115.), 3:3 Toni (120.)
Gelbe Karten: - / Podolski, Toni, Lahm, Lell
Rote Karten: De la Red (5./Notbremse )
(nz/dpa)