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Zenit ist Uefa-Pokal-Sieger: 

St. Petersburg feiert hochprozentig

15. Mai 2008 14:15
Feiern ohne Ende: St. Petersburg erlebte eine ganz lange Nacht
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Nach dem zweiten Erfolg eines russischen Teams im Uefa-Cup feiert die halbe Stadt, auch Wladimir Putin und die Kirche stimmen mit ein. Die Fans der Glasgow Rangers haben indes in Manchester ein Schlachtfeld hinterlassen.

Der erste europäische Titelgewinn wurde in St. Petersburg ausgiebig gefeiert. Bis in die frühen Morgenstunden waren die Zenit-Fans nach dem Uefa-Cup-Sieg ihrer Mannschaft auf den Petersburger Straßen unterwegs. Unmittelbar nach dem Abpfiff strömten am Mittwochabend zehntausende Menschen mit Autos oder zu Fuß in das Zentrum von Russlands zweitgrößter Stadt. In den Sportbars gönnten die Wirte den Jubelnden nach dem 2:0-Sieg über die Glasgow Rangers Wodka auf Kosten den Hauses, wie russische Medien berichteten.

Anruf aus dem Kreml

Der bisherige Präsident und heutige Regierungschef Wladimir Putin gratulierte dem niederländischen Erfolgstrainer von Zenit, Dick Advocaat, telefonisch. «Dieser Sieg ist ein klarer Beweis für die Fortschritte im russischen Fußball und unseres Sportes insgesamt», sagte Putin. Auch das Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche gratulierte den Landsleuten zum Sieg im fernen Manchester. «Der russische Vereinsfußball schließt zu den stärksten Mannschaften in Europa auf», sagte ein Kirchensprecher in Moskau.

Auch die Spieler selbst gaben sich staatstragend. «Alle wollten gewinnen, aber ich bin froh, dass wir es sind. Ein großes Land wartet seit drei Jahren auf einen großen Sieg und wir haben es geschafft. Das ist gut für unser Land», sagte Andrej Arschawin, der bei der EM im Juni mit Russland ebenfalls für Furore sorgen will. Der 26-jährige Offensivakteur wurde im Anschluss an das Finale zum Mann des Spiels gekürt.

Advocaats Sorge um Zenit-Team

Trainer Dick Advocaat machte auf eine unangenheme Seite des Erfolgs aufmerksam. Denn Spieler wie eben jener Arschawin oder Uefa-Cup-Torschützenkönig Pawel Pogrebnjak, die nun bei der EM wirbeln wollen, dürften auf so mancher Einkaufsliste stehen. «Wenn man erfolgreich ist, muss man schauen, dass man die Spieler hält und drei, vier neue Spieler dazu holt, um noch besser zu werden», sagte Advocaat, der einen Ausverkauf seiner Truppe fürchtet und auch um seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag pokern wird.

Im rund 2000 Kilometer entfernten St. Petersburg spielten derlei Gedanken keine Rolle. In der Zarenstadt strömten die Fußballfans in einer für Mitte Mai ungewöhnlich kalten Nacht zum Schlossplatz vor dem weltberühmten Kunstmuseum Eremitage. Viele Petersburger schwenkten hellblau-weiße Zenitfahnen und dankten in Sprechchören Trainer Advocaat. Bier, Wodka und auch Schampanskoje, der russische Sekt, flossen in Strömen. Als es ab Mitternacht an den Kiosken wegen einer Verordnung keinen Alkoholverkauf mehr gab, wechselten einige Durstige sogar zu 24-Stunden-Apotheken, um sich mit hochprozentiger Medizin wie Weißdorn-Schnaps einzudecken, wie die Nachrichtenagentur Interfax aus Petersburg meldete.

Rangers-Fans machen ihrem Unmut Luft

Ganz anders sah die Lage in Manchester aus. Nach der 0:2-Niederlage gegen die Russen hinterließen die rund 100.000 Glasgow Rangers-Fans in der Innenstadt eine Spur der Verwüstung. Müll und Scherben lagen umher, so weit das Auge reichte. Zwischen den Fan-Gruppen verlief es dagegen weitgehend friedlich, vermeldete am Donnerstagmorgen der Fernsehsender BBC.

Am Abend hatten sich aber Rangers-Anhänger eine Auseinandersetzung mit der Polizei geliefert. Als kurz vor dem mit Spannung entgegen gefieberten Endspiel in einer Public-Viewing-Zone eine Großleinwand kaputt ging, verloren diverse Fans die Nerven. Zum Teil bewarfen sie die Polizei mit Flaschen, die Ordnungshüter gingen mit Gummiknüppeln gegen diese Anhänger vor.

Man dürfe das Verhalten dieser kleinen Minderheit der Rangers-Fans nicht mit einer defekten Großleinwand rechtfertigen, sagte Manchesters Stadtrat Sir Richard Leese. Acht Fußball-Fans sollen nach Medienberichten vor dem Spiel wegen verschiedener Delikte wie Körperverletzung, Waffen- oder Drogenbesitz festgenommen worden sein. (nz/dpa)

 
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