Das Finale im Uefa-Pokal:
Zenit-Offensive gegen Rangers-Bollwerk
14. Mai 2008 14:12, ergänzt 22:44
 |  Haben die Trophäe im Blick: Zenit-Trainer Advocaat (l.) und Rangers-Coach Smith | Foto: AP |
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Mit Zenit St. Petersburg und den Glasgow Rangers treffen am Mittwochabend im Uefa-Cup-Endspiel zwei verschiedene Fußballphilosophien aufeinander. Die offensivstarken Russen gehen leicht favorisiert ins Rennen.
Ottmar Hitzfeld drückt Bayern-Bezwinger St. Petersburg die Daumen, doch unabhängig vom Edelfan in München will Zenit die beste Defensive des Wettbewerbs knacken. «Wir haben die Bayern geputzt, warum sollen wir nicht auch Glasgow schlagen?», sagte Angreifer Pawel Pogrebnjak, der gegen die schottischen Geizfußballer im Uefa-Cup-Finale an diesem Mittwoch (20.45 Uhr SAT.1 und Premiere) in Manchester allerdings gelbgesperrt zum Zuschauen verurteilt ist. Mit trauriger Miene schaute der zehnmalige Wettbewerbstorschütze am Dienstag wehmütig auf die nur einen halben Meter hohe silberne Trophäe und ahnte, dass sich sein Fehlen beim Kampf um den begehrten Pokal bemerkbar machen könnte.
Gerade die Abwehrmauer Glasgows ist so schwer zu überwinden. Auf dem Weg in ihr viertes Europapokal-Endspiel ließen die Schotten nur zwei Tore in acht Uefa-Pokal-Spielen zu - allerdings trafen sie auch nur fünfmal. Ganz anders die Russen, die allein in den Duellen gegen Bayer Leverkusen und Bayern München zehnmal über eigene Treffer jubelten. «St. Petersburg geht leicht favorisiert ins das Spiel», sagte Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der auch wie Hitzfeld «die Daumen drücken» will.
Horrende Schwarzmarktpreise
Vor 47.726 Zuschauern im ausverkauften City of Manchester Stadium - auf dem Schwarzmarkt wurden zum Teil mehr als 5000 Euro für ein Ticket verlangt - geht es aber nicht nur um den ersten europäischen Titel für Final-Debütant Zenit oder den zweiten nach 1972 für Glasgow. Es geht auch um eine noch ordentliche Siegprämie im Gering-Verdiener- Cup: 2,5 Millionen Euro für den Sieger, 1,5 für den Verlierer.
Im Kampf ums Prestige kann Glasgow auch auf seine Fans bauen. Geschätzte 80.000 Schotten nahmen den 350-Kilometer-Kurztrip auf sich. «Das wird wie ein Heimspiel im Ibrox Park», freut sich Glasgow-Coach Walter Smith, der 1998 noch der Amtsvorgänger des aktuellen Zenit-Coaches Dick Advocaat bei den Rangers war. Die Übermacht der «Bravehearts» war auffällig im sonnigen Manchester, wo Rangers-Trikots und schottische Schlachtengesänge der zum Teil schon bierseligen Anhänger dominierten.
Advocaat will Geschichte schreiben
Immerhin knapp 10.000 Fans kamen dank 24-Stunden-Öffnungszeiten der Visa-Stellen aus Russland, um den durch Gazprom-Millionen gestärkten zweimaligen nationalen Champion anzufeuern. Ausgerechnet gegen den Ex-Klub will Advocaat seinen ersten internationalen Vereinstitel. «Wir sind nur noch eine Partie davon entfernt, Geschichte zu schreiben», sagte der 60-Jährige, der dem 51-maligen schottischen Meister zwischen 1998 und 2002 einige weitere Titel bescherte. Auch, wenn Pogrebnjak, der gemeinsam mit Luca Toni wohl die Torjägerkrone holen wird, fehlt.
Wie so oft in der jüngeren Vergangenheit präsentieren sich im Uefa-Cup-Endspiel zwei Finalisten, die zu Beginn des Wettbewerbs keiner auf der Rechnung hatte. «Beide hatte man nicht im Finale erwartet, aber beide haben gute Mannschaften ausgeschaltet», sagte Advocaat, der auch im schwül-warmen Pressekonferenz-Zelt nichts von seiner Coolness verlor. In Deutschland hinterließen beide Teams jedenfalls Spuren. Die Rangers trafen in der Champions League den VfB Stuttgart und warfen Werder Bremen raus; St. Petersburg ließ sich vom 1. FC Nürnberg, Bayer Leverkusen und vom FC Bayern nicht stoppen.
Fußball-Feinkost ist angesichts der Offensiv-Spaßbremsen aus Glasgow, die in den letzten vier Partien dreimal 0:0 spielten, nicht zu erwarten Doch zumindest nach außen machte Smith den Angriffs-Freunden Hoffnung. «Wir müssen uns mehr am Spiel beteiligen. Man muss auf jeden Fall ein Tor erzielen, um zu gewinnen», sagte der Rangers-Trainer - und deutete schon einmal auf die 15 Kilo schwere Trophäe hin. «Wir wollen sie gewinnen» - und damit weiter am historischen Erfolg mit vier Titeln arbeiten. «Sie werden ihr System nicht ändern», vermutete indes Advocaat.
Die voraussichtlichen Aufstellungen
Zenit St. Petersburg: Malafejew - Anjukow, Schirokow, Krizanac, Sirl - Denisow, Timoschtschuk, Syrijanow - Dominguez, Tekke, ArschawinGlasgow Rangers: Alexander - Broadfoot, Weir, Cuellar, Papac - Hemdani, Thomson (Whittaker) - Davis, Ferguson, McCulloch - Darcheville
Schiedsrichter: Peter Fröjdfeldt (Schweden)
(Christian Kunz, dpa)