29.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Jan Ullrich
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Jan Ullrich soll im Ermittlungsbericht zum spanischen Radsport-Dopingskandal stehen. Der Tour de France droht zudem der Verlust eines weiteren Top-Fahrers.
Der am Samstag beginnenden Tour de France droht der Verlust seiner Superstars. Die 93. Auflage muss in Straßburg möglicherweise ohne die Topfavoriten Jan Ullrich und Ivan Basso gestartet werden. Nach Informationen des spanischen Radiosenders «Cadena Ser» vom Donnerstag tauchen die Namen des T-Mobile-Kapitäns und des italienischen Giro-Gewinners im polizeilichen Ermittlungsbericht zur Doping-Affäre auf.
«Ich beteure nochmals meine Unschuld»Der deutsche Rad-Star hatte bereits tags zuvor jegliche Verwicklung in die Affäre bestritten. «Ich beteure nochmals meine Unschuld. Ich habe damit nichts zu tun», wiederholte Ullrich, der am Mittwoch gesagt hatte: «Ich habe noch nie in meiner Karriere betrogen». Auch die Vorwürfe der spanischen Tageszeitung «El Pais» wies Ullrich nachdrücklich zurück: «Ich habe mit den Spekulationen einer spanischen Tageszeitung nichts zu tun. Ich habe einen Anwalt eingeschaltet.»
Nachdem der Ermittlungsrichter Antonio Serrano die Informationssperre aufgehoben hatte, wurden 12 Fahrernamen genannt. Davon stehen neben Ullrich und Basso folgende Profis in der Starterliste der Tour: Oscar Sevilla, Francesco Mancebo, Juan-Antonio Flecha, Joseba Beloki (alle Spanien), Giovanni Lombardi (Italien) und Denis Mentschow (Russland). Die Tour-Organisation hat bisher nicht reagiert und bereitet weiter die Team-Präsentation am Abend in der Innenstadt vor.
«Wir haben nach dieser Information noch ein Mal mit Ullrich und Sevilla geredet, und sie haben uns erneut bestätigt, nicht in die Affäre verwickelt zu sein. Wir unternehmen alles, um in diese Sache Licht zu bringen», sagte T-Mobile-Kommunikationsleiter Christian Frommert.
«Werft sie auf den Scheiterhaufen»Bassos Team-Kollege Jens Voigt (Berlin) reagierte am Donnerstag in Straßburg, kurz bevor bekannt wurde, dass auch sein Kapitän verwickelt sei, heftig: «Zieht sie raus und werft sie auf den Scheiterhaufen. Anscheinend ist das eine größere Geschichte als der Festina-Skandal von 1998. Ich hätte nicht geglaubt, dass so eine große Sache jahrelang illegal funktioniert. Da kann was Schlimmes auf uns zukommen.»
Erik Zabel hatte am Vortag von einem drohenden «Flächenbrand, der nicht mehr zu löschen ist», gesprochen. Der Weltverband UCI verlangte inzwischen von allen Tourstartern eine Ehrenerklärung, nicht in den spanischen Doping-Skandal verwickelt zu sein. Fahrer, die diese Erklärung nicht unterschreiben, würden durch andere ersetzt. Sollten falsche Erklärungen abgegeben werden, drohen laut UCI Geldstrafen und Tour-Ausschluss.
Winokurow-Team darf an den StartAls erster Fahrer der am Samstag beginnenden Tour de France stellte sich bereits am Mittwoch der Kasache Alexander Winokurow vom «Astana-Würth»-Team in Straßburg einem Urin-Dopingtest. «Ich habe volles Vertrauen zum Schiedsgericht und hoffe, am Samstag beim Start der Tour dabei zu sein», sagte er. «Es gibt keinen Beweis gegen unsere Mannschaft.»
So sieht dies auch der Internationale Sportgerichtshof (CAS). Er hat am Donnerstag in Lausanne den Antrag der Organisations-Leitung der 93. Tour de France abgewiesen, den Rennstall Astana-Fürth von der Rundfahrt auszuschließen. Es gebe keine offiziellen Informationen spanischer Behörden zur Verwicklung des Teams in den von spanischen Medien ausgelösten Dopingskandal, hieß es zur Begründung. Kapitän Winokurow (Kasachstan) kann seine Mannschaft am Samstag in Straßburg beim Prolog an den Start führen.
Spanien verschärft Anti-Doping-GesetzUnter dem Eindruck des jüngsten Skandals im Radsport hat das spanische Parlament am Donnerstag mit großer Mehrheit ein schärferes Antidoping-Gesetz verabschiedet. Die Regelung sieht unter anderem vor, dass Teamärzte oder Betreuer, die Sportler mit Dopingmitteln versorgen, mit Haft bestraft werden können. Außerdem soll eine spanische Anti-Doping-Agentur geschaffen werden, die für eine rasche Umsetzung der Strafen sorgt. Die Reform wurde im Abgeordnetenhaus ohne Gegenstimmen bei fünf Enthaltungen angenommen. Sie muss nun noch vom Senat (Oberhaus) verabschiedet werden, dies gilt aber als Formsache.
Spanien hat bislang als ein Land gegolten, das dem Kampf gegen das Doping keinen besonderen Vorrang gegeben hatte. Mit dem neuen Gesetz schließt Spanien nach Ansicht von Beobachtern zu der Gruppe von Ländern wie Frankreich oder Italien auf, die besonders scharf gegen Dopingsünder vorgehen.
(nz)