Kohlschreiber gleicht für Deutschland aus
Im ersten deutschen Halbfinale seit dem 2:3 in Moskau 1995 ist damit vor dem Doppel am Samstag und den Einzeln am Sonntag noch der sechste DTB-Finaleinzug möglich. Kohlschreiber ließ sich nicht davon schocken, dass er im Tiebreak des ersten Satzes eine 5:2-Führung verspielte und im fünften Satz schon 2:4 hinten lag. Dem gelungenen Viertelfinal-Debüt in Belgien folgte trotz etlicher Fehler eine starke Vorstellung gegen Dawidenko, der wie vom deutschen Team erhofft erneut im Daviscup nicht glänzte und sich nicht für einen weiteren Einsatz am Sonntag gegen Haas empfahl.
Zwei Wochen nach dem Viertelfinal-Sieg über Haas bei den US Open fand auch Russlands Spitzenmann auf dem nassen Sand in der Olympia- Halle kaum zu seiner von Hartplätzen gewohnten Form. Vor nur 2000 Zuschauern rings um den 10.000 Fans fassenden Platz vergab Kohlschreiber im vierten Satz zwei Breakchancen zum 4:2, zeigte dann aber tolle Moral und machte die Überraschung nach mehr als vier Stunden Spielzeit perfekt, als Dawidenko eine Rückhand ins Netz schlug.
Seine bisher klarste von nunmehr sieben Einzel-Niederlagen im Daviscup hatte er 1999 in Frankfurt gegen den Russen Jewgeni Kafelnikow mit 3:6, 4:6, 2:6 erlitten. Auch 2004 beim Relegationsspiel in der Slowakei gab es gegen Dominik Hrbaty eine Drei-Satz-Pleite. Im ersten Aufeinandertreffen mit Andrejew war der erhoffte 20. Einzel-Sieg im Daviscup nie in Reichweite. Auch Andrejew war überrascht, wie leicht ihm der Erfolg fiel: «Ich hatte ein schweres Match erwartet. Tommy war nicht bei 100 Prozent», meinte der Sandplatz-Spezialist. «Manchmal war es ziemlich ausgeglichen, dann habe ich die wichtigen Punkte gemacht.»
Haas verlor gleich zu Beginn zwei Mal nacheinander seinen Aufschlag. Zwar gelang dazwischen das Rebreak zum 1:1, doch das erste Service kam zu selten, um die Ballwechsel zu diktieren. «Ich habe frustriert angefangen. Er hat mir gleich Selbstvertrauen genommen», meinte der Hamburger. Wie von ihm befürchtet, dominierte Andrejew mit seiner Vorhand. Sobald der 37. der Weltrangliste die Chance bekam, setzte er seinen besten Schlag auch aus der Rückhand-Ecke ein. Dagegen fand Haas kein Rezept, zumal er selbst zu viele Fehler produzierte und am Netz immer wieder passiert wurde.
Anfangs trat der Wahl-Amerikaner noch kleine Löcher in den Platz, um sie dann mit dem Fuß wieder notdürftig selbst zu reparieren, im Verlauf der einseitigen Partie wirkte der 29-Jährige aber immer ratloser und sparte sich sogar seine sonstigen Zornesausbrüche. (dpa)
