10.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Roger Federer (l.) und Rafael Nadal
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Roger Federer gegen Rafael Nadal. Das Endspiel war bei den French Open erwartet worden - aber wer es gewinnen wird, darüber rätselt nicht nur Jörg Allmeroth
Die Protokollabteilung der French Open ist in den letzten Tagen ganz schön ins Schwitzen gekommen. Schon vor dem Halbfinale am Freitag mussten sich die Damen und Herren als wahre Kartenjongleure verdingen, nachdem Maestro Roger Federer gleich 44 Sondertickets fürs Match gegen Nikolai Dawidenko bestellt hatte. An diesem Sonntag, dem Tag der Wahrheit beim Gigantenduell mit Rafael Nadal (ab 15 Uhr, Eurosport), wird der Anhang des Basler Primus noch ein paar Köpfe größer sein.
In Schlagdistanz zum SiegZum wichtigsten Spiel seiner Karriere hat er eine Entourage von wahrhaft royalen Ausmaßen versammelt etwa 60 Kumpels, Geschäftspartner und alte Weggefährten sind nun dabei, wenn Federer seiner grandiosen Karriere die Krone aufsetzen und den «Coupe de Mousquetaires» im Zweikampf mit Muskelprotz Rafael Nadal gewinnen will. «Das ist der Augenblick, auf den ich lange gewartet habe», sagt Federer vor dem Showdown im roten Sand von Roland Garros, «ich bin wieder in Schlagdistanz zum Sieg. Das ist es, was ich wollte.»
Wäre da nur nicht Rafael Nadal, der Mann, der Federer bisher fast immer eine lange Nase drehte bei den stets fairen Ringschlachten. Sieben von elf Duellen hat der ungestüme Mallorquiner bisher gewonnen, als einer der ganz wenigen Profis verfügt er überhaupt über eine positive Bilanz gegen Großmeister Federer. «Ich weiß nicht, wie man hier gegen ihn gewinnen will. Er ist unspielbar», klagte am Mittwoch Nadals alter Freund und Mentor Carlos Moya, als er in drei Sätzen verdroschen worden war.
«Er macht dich einfach platt»Der Serbe Novak Djokovic, am gestrigen Freitag ebenfalls in der kürzestmöglichen Distanz von Nadal auf die Heimreise geschickt, nannte seinen Bezwinger «den körperlich mit Abstand stärksten Spieler auf der Tour: Er macht dich einfach platt mit seiner Intensität und seiner Power.» Seit seinem Debüt im Jahr 2005 ist Nadal nun in 20 French-Open- Matches ungeschlagen, eine Hoppla-jetzt-komm-ich- Karriere mit besonderer Schwerkraft im Stadion Roland Garros: «Hier bin ich immer ein etwas anderer Spieler», sagt Nadal selbst, «dieses Turnier setzt Kräfte frei, mobilisiert die letzten Reserven».
So wird Federers zweite Verabredung mit der Unsterblichkeit, dieses Kräftemessen mit seinem aggressiven Herausforderer Nadal, auch zu einem neuen unwägbaren Abenteuer. Denn obwohl Federer seinen Individualsport mit einer ähnlichen Überlegenheit wie sonst nur Golf-Ikone Tiger Woods im Griff hat, obwohl er in den letzten Jahren seiner einsamen Nummer-eins- Regentschaft die Bestmarken rund um den Globus förmlich pulverisiert hat, fehlt ihm dieser eine Titel von Paris noch zum perfekten Arbeitszeugnis und zum Beseitigen letzter Zweifel an seinem Status als bester Tennisspieler aller Zeiten. «Ich habe diesem Ziel eine Menge untergeordnet», sagt Federer über seine vorerst letzte French-Open- Mission, «meine Anstrengungen waren massiv».
Auf Jahre dominantSogar seinen Trainer Tony Roche entließ Federer unlängst in Rom, als ihm klar wurde, dass der alte Australier ihm nicht mehr die nötigen Denkanstöße für das Ziel eines Paris-Sieges geben konnte. Spricht man mit Mitgliedern aus der Federer-Familie, wird erst deutlich, wie eingenommen der Star von Roland Garros ist, wie sehr alles Denken und Handeln auf diese beiden Tenniswochen fixiert war. «Roger hat zuletzt an nichts anderes mehr gedacht als an dieses Turnier, an diesen Sieg», sagte Vater Robert Federer, der selten zu Gast bei den Wettbewerben ist, aber beim Endspiel genau so wie seine Frau Lynette in der Ehrenloge die Daumen drückt.
Die Experten sind gespalten vor dem zweiten Titelduell zwischen Federer und Nadal in Paris. «Nadal wird auf Jahre eine dominierende Rolle bei den French Open spielen. Er ist sicher der beste Sandplatzspieler seiner Zeit», sagt Björn Borg, der als bisher letzter Spieler den Titelhattrick schaffte, «aber hier und heute gebe ich Federer den Vorteil. Der Sieg in Hamburg gegen Nadal hat ihm großen Rückenwind gegeben und die nötige Sicherheit.»
Spiele Federer seine größeren sportlichen Trümpfe aus, sagt auch Michael Stich, «kann ihn keiner stoppen: Er muss nur an sich glauben, konsequent angreifen und seine Chancen suchen, dann gewinnt er.» Doch Australiens Lleyton Hewitt, der im Achtelfinale gegen Nadal ausschied, glaubt nur an einen an Sandplatzkönig Nadal: «Am Rothenbaum war er kräftemäßig am Ende. In Paris ist er voller Power und Dynamik, frisch und ausgeruht. Es wäre eine Überraschung, wenn er nicht gewinnt.»