Starschwund in Berlin
Fakt ist: Die Damen-Profiorganisation WTA will wie auch die Herren-Spielervereinigung ATP in zwei Jahren die Struktur der weltweiten Turniere verändern. Bei den Frauen sollen unterhalb der Grand Slams (Melbourne, Paris, Wimbledon, New York) vier so genannte Premium Turniere (Indian Wells, Miami, dazu wahrscheinlich Peking und Madrid) installiert werden. Diese sollen parallel zu den Herren- Turnieren stattfinden. Als nächste Kategorie sind derzeit zehn bis zwölf Level-A-Turniere geplant. Die Lizenz dafür sei bei der WTA bereits beantragt, erklärten sowohl Al Thani als auch Josef Minderjahn, Präsident des LTTC Rot-Weiß Berlin, auf dessen Gelände die German Open stattfinden.
Natürlich geht es im Profi-Zirkus auch um Geld. «Es ist möglich, dass wir dann erhöhen müssen», gab der katarische Verbands-Boss bereits zu. Für die zukünftige A-Level-Kategorie dürften die Scheichs mehr als das bisherige Preisgeld von 980.000 Euro ausschütten müssen, der Gesamtetat des aktuellen Events wird auf das Doppelte geschätzt. Zum Vergleich: Beim schon jetzt gemeinsam ausgetragenen Damen- und Herrenturnier in Miami werden bereits 2,55 Millionen Euro Preisgelder verteilt, bei den Grand Slams liegt die Summe über 15 Millionen Euro.
Trotz der neuen Anstrengungen scheinen die Sportfunktionäre des Emirates Katar an einem weiteren Engagement in Berlin interessiert, obwohl Scheich Mohamed Al Thani auch neue Pläne zum eigenen Turnier in Doha vorstellte. Der Khalifa-Tenniskomplex soll einen neuen Center Court für mehr als 8000 Zuschauer erhalten. Doha soll «zu einem der wichtigsten Standorte im Profitennis» werden. Das Preisgeld für das Damenturnier soll auf 1,85 Millionen Euro steigen, sagte der Scheich, der auf eines der kombinierten Premium-Turniere spekuliert.
«Finanziell verdienen wir nichts an dem Berliner Turnier. Aber wir haben für unser Land eine große Werbefläche», sagte Al Thani auch mit Blick auf eine mögliche spätere Olympia-Bewerbung seines Landes. Das Regenchaos bei der aktuellen Auflage kommt da nicht gerade gelegen. So ist es zu verstehen, dass die Katarer sogar schon an eine Überdachung des Steffi-Graf-Stadions gedacht haben.
Das größte Faustpfand für Berlin aber bleiben der Termin und der Belag: Das Sandplatz-Turnier an der Hundekehle gilt für die Topspielerinnen als optimale Probe für die French Open Ende Mai. So zog es bei der Auflage 2007 immerhin 16 Spielerinnen aus den Top 20 nach Berlin. «Es ist eine gute Vorbereitung auf Paris», erklärte die Weltranglisten-Erste Justine Henin zu ihrem «Lieblings-Turnier». (Jens Mende und Ernst Podeswa, dpa)
