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Lupe Becker verliert erstaunlich abgebrüht

Tennis-Newcomer Benjamin Becker hat sein Auftaktmatch bei den Australien Open gegen Marat Safin verloren. Dennoch erntete der Deutsche für seinen mutigen Auftritt Lob selbst vom Sieger.

Von Jörg Allmeroth, Melbourne

Der russische Superstar fluchte wie ein Bierkutscher, zertrümmerte zwei Schläger, kassierte Verwarnungen am laufenden Band, verzweifelte an Gott, der Welt und vor allem an Benjamin Becker. Doch als genau um 0.45 Uhr am frühen Dienstagmorgen abgerechnet wurde auf dem Center Court zu Melbourne, hatte Becker den Champion des Jahres 2005 zwar am Rande des Wahnsinns und einer sensationellen Niederlage gehabt, aber das finale Erfolgserlebnis in einer fast dreieinhalbstündigen Ringschlacht war ihm zuletzt doch verwehrt geblieben.

Schüttler und Phau verlieren
«Die Enttäuschung sitzt unheimlich tief», bekannte der Saarländer nach einem großartigen, aber erfolglosen Auftritt auf großer Grand-Slam-Bühne. 7:5, 6:7 (2:7), 6:3, 3:6 und 4:6 verlor Becker II die dramatischste Partie am Eröffnungstag der Australian Open, eine Partie, in der der steile Aufsteiger der Vorsaison zeitweise das beste Tennis seiner Karriere spielte und Titelkandidat Safins Nerven bis zum Äußersten strapazierte. «Ich hätte mich nicht schämen müssen, gegen ihn zu verlieren. Er ist ein Spieler, von dem man noch eine Menge hören wird», erklärte der Russe später, «das war ein großartiger Fight.»

Mit Beckers unglücklicher Fünf-Satz-Niederlage waren auch die schwarzen deutschen Tennisstunden auf dem Center Court beschlossen, die mit den klaren, wenngleich erwarteten Niederlagen von Björn Phau gegen Maestro Roger Federer und von Rainer Schüttler gegen Vorjahresfinalist Marcos Baghdatis ihren Anfang genommen hatten. «Mir klebt die Seuche an den Füßen», sagte Schüttler nach seinem bitteren 4:6, 6:2, 3:6, 2:6-Fehltritt gegen Baghdatis, bei dem er am Ende nur noch wie ein malader Krieger über den Court gestolpert war, geschwächt durch die Nachwirkungen einer schweren Grippe.

Empfehlung für den Davis-Cup
Phau führte im ersten Satz bereits mit 5:3 gegen Federer, servierte auch zum Satzgewinn bei 5:4, doch schließlich setzte sich die Cleverness des Schweizer Titelverteidigers beim klaren 7:5, 6:0, 6:4-Sieg durch. «Er hat halt diesen unheimlichen Nimbus, diese Aura. Man glaubt einfach nicht wirklich daran, ihn schlagen zu können», befand Phau, der sich nach dem Zu Null-Fauxpas des zweiten Satzes noch glücklich schätzte, «nicht voll unter die Räder gekommen zu sein.»

Trotz seiner hauchdünnen Niederlage gegen Safin empfahl sich Becker II unbedingt als zweiter Mann für das deutsche Davis Cup-Match Anfang Februar gegen Kroatien. Über weite Strecken der Marathonpartie führte der Orscholzer, der seine Laufbahn über den Umweg eines amerikanischen Tennis-Stipendiums beschleunigt hatte, den hünenhaften Moskowiter regelrecht vor. «Das sah schon unheimlich ausgeschlafen aus. Er hat gespielt wie einer, der schon jahrelang in der Weltspitze der Tour ist», sagte John Alexander, der ehemalige australische Weltklassespieler, auf dem lokalen TV-Sender «Channel Seven.»

Kein Unterschied
Zweimal lag Becker in Front, doch in den Führungspositionen fehlte ihm eine gewisse Brutalität und Kaltblütigkeit, um Safins Schicksal ein für allemal zu besiegeln. Am Ende habe nur die «etwas größere Erfahrung» den Ausschlag gegeben, sagte Safin, «sonst war überhaupt kein Unterschied da.» Erst mit dem Breaks Safins zum 3:2 im fünften Satz war der Widerstandsgeist bei Becker gebrochen, der sich wie schon bei seinen zurückliegenden Auftritten bei den US Open gegen Andre Agassi oder Andy Roddick erstaunlich abgebrüht und nervenstark zeigte.

«Dass er noch relativ neu im Wanderzirkus ist, merkt man ihm nicht an», sagte Davis Cup-Teamchef Patrik Kühnen. Neben Becker kommen auch noch Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer für das Länderspiel in Krefeld in Betracht – beide traten heute genau so wie Tommy Haas, der gesetzte Führungsspieler, zu ihren Erstrundenpartien in Melbourne an.

Ausgerechnet die beiden Fed-Cup-Rebellinnen Martina Müller und Julia Schruff die beiden einzigen deutschen Siege Sown under: Die Hannoveranerin Müller gewann mühelos 6:0 und 6:4 gegen die Argentinierin Jorgelina Cravero, Schruff gelang beim 4:6, 7:6, 6:4 gegen die an Nummer 31 gesetzte Chinesin Jie Zheng sogar eine veritable Überraschung. Neben Schüttler, Phau und Becker schieden auch noch Simon Greul und Sandra Klösel aus.