Waske weiter auf dem Weg nach oben
31. Mai 2006 11:26
 |  Alexander Waske in Paris | Foto: dpa |
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Alexander Waske steht zwar im Schatten von Thomas Haas. Doch der weniger bekannte Kumpel des Hamburgers hat sich längst durch freche Auftritte in der Tenniswelt etabliert.
Von Jörg Allmeroth, ParisBeim gemeinsamen Ausflug ins Frankfurter Nachtleben bekommt Alexander Waske gelegentlich noch die vertraute Hackordnung zu spüren - den kleinen, feinen Unterschied zwischen sich selbst und Tommy Haas. Unterwegs durch Bars und Diskotheken in der Mainmetropole, wird Freund Haas stets von den Türstehern durch gewunken, «Promistatus 1 A halt», wie Waske augenzwinkernd zugeben muss.
Haas am Eingang vorgelassen
Waske reiht sich dann brav und artig in die Schlange der Normalo-Gäste ein und stößt erst mit gewissem Verzug wieder zu Starkumpel Haas. «Es ist schon lustig, mit ihm auf die Piste zu gehen», sagt Waske, «die Leute starren ihn immer an wie einen Außerirdischen. Ich gehe sowieso nur als einer aus der Entourage durch.»Dabei ist Waske gerade dabei, den meisten arrivierten und etablierten Kollegen den Rang abzulaufen. Wo sich das Gros der DTB-Profis bei den French Open als Gemeinschaft der Pflegebedürftigen präsentiert, fällt der 31-jährige Hesse wohltuend als frech-dynamischer Außenseiter auf – als einer, der sein Profileben im Griff hat, der weiß, was er seinem Körper wann und wo zumuten kann, der mit Herz und Verstand ans Hand-Werk geht.
«Es ist bemerkenswert, wie er sich entwickelt hat», sagt sogar Haas. Am Donnerstag muss sich Haas auf stürmische Attacken des Freundes gefasst machen, dann, wenn im direkten Duell im Stadion Roland Garros um einen Platz in der dritten Grand-Slam-Runde gestritten wird. «Ein Selbstläufer wird das nicht», sagt der wieder einmal angezählte und mürrische Haas, der sich seit Wochen mit mysteriösen Allergieproblemen durch den Wanderzirkus schleppt – mehr schlecht als recht.
Talent und Geld nicht geschenkt
Waske dagegen ist fit. Waske ist hungrig. Waske ist heiß. Und Waske sind Probleme wie die von Florian Mayer oder Haas fremd, die beide schon zu Beginn der Sandplatzsaison schwere Erschöpfungssymptome spürten. Solch naive, geradezu erschreckende Planungsfehler kann sich der Routinier nicht leisten, dem in seinem Tennisleben das große Talent und das große Geld nicht geschenkt wurden. «Alles, was ich heute bin, habe ich mir hart erarbeitet», sagt der Fighter, der auf seine späten Tage erst zum Doppelspezialisten im Tourgeschäft und dann im Davis Cup wurde - und der sich nun auch im Einzel immer weiter in der ATP-Hierarchie nach oben schiebt, fast schon bis auf Platz 90 der Hitliste.
«Alex ist ein Vorbild für viele junge Spieler. Er zeigt, was man mit Ehrgeiz, Willenskraft und guter Strategie schaffen kann», sagt Teamchef Patrik Kühnen. Seine Matchhärte hat sich Waske in den vielen trostlosen Jahren auf der internationalen Challenger-Tour geholt, dort, wo es zuweilen weder Schiedsrichter und Ballkinder noch eine warme Dusche oder eine stärkende Mahlzeit gibt.
Waske «das Urviech»
Doch Waske, «das Urviech» (Haas), hat sich keinesfalls unwohl gefühlt bei jener Basis-Arbeit, die vom Glitzer und Glamour des großen Tennisgeschäfts «Lichtjahre entfernt ist»: «Ich bin keiner, der dauernd dieses Verwöhnprogramm braucht. Das macht dich doch nur satt.» Zum Tennis gehöre eben mehr als Talent. «Man muss bereit sein, sich zu quälen – siehe Rafael Nadal.» Über die Rolle des Stimmungsmachers ist Waske längst hinaus im deutschen Spitzentennis. Der ehemalige Wirtschaftsstudent, der wie Haas geprägt ist vom Leben in Amerika, wird bei den Länderspielen mehr denn je als wichtiger Punktlieferant gebraucht. Und auch bei den deutschen Turnieren spielt Waske inzwischen eine tragende Rolle – als Spieler auf dem Center Court, aber auch als glänzender Verkäufer bei Sponsoren- und Fanterminen.
So plauderte Waske erst jüngst beim World Team Cup vor Damen der Düsseldorfer Gesellschaft so geschliffen und eloquent über sich und sein Tennis-Leben, dass die reizende Runde eine Wiederholung im nächsten Jahr erbat. Noch aber lässt Waske am liebsten seinen Schläger für sich sprechen.
Der älteste deutsche Nationalspieler fühlt sich jung und unverbraucht als Profi: «Ich gebe mir noch ein paar gute Jahre. Am Ende meiner Möglichkeiten bin ich nicht.» Und von ein «paar netten Überraschungen», die er sich noch zutraut bis Mitte Dreißig, könnte schon Haas eine abbekommen. Waske kennt jedenfalls kein Pardon: «Da draußen auf dem Platz, da hört die Freundschaft für ein paar Stunden auf.»