Deutsche in Paris: Ausgebrannt und müde
Gern verwandeln die deutschen Tennisprofis ihre Interviews bei den French Open dieser Tage in medizinische Sprechstunden, bei denen kleinere und größere Wehwehchen der Spitzenkräfte durchgenommen werden mal geht es ums allgemeine Ausgebrannt-Sein im auszehrenden Tenniszirkus, mal um tückische Viruserkrankungen, mal um allergische Attacken, mal um Schmerzen im Bizepsmuskel.
Am Donnerstag darf der angeschlagene Patient Haas nun gleich gegen einen weiteren Kumpel ans Werk, gegen seinen Davis Cup-Doppelpartner Alexander Waske der siegte, ausnahmsweise frisch, gesund und wach, mit 6:4, 4:6, 7:6, 7:6 gegen den Spanier Fernando Vicente.
In der Stierkampf-Arena, dem berühmten Court 1 der Roland Garros-Anlage, trafen mit Haas und Schüttler nicht gerade zwei bärenstarke Gladiatoren aufeinander, sondern eher Not gegen Elend der allergiekranke Haas gegen Schüttler, der sich gerade mühsam von den Nachwirkungen des Pfeifferschen Drüsenfiebers erholt. «Am Sonntag habe ich mich zum ersten Mal seit Monaten wieder ein bisschen besser gefühlt», sagte der Nordhesse, der kurz vor seinem French Open-Auftritt von den Ärzten über den wahren Hintergrund seiner «dauernden Erschöpfung» und des «totalen Unwohlseins» informiert worden war. Hohes Fieber, Schüttelforst und Durchfall hatten Schüttler bei seinen letzten Abstechern nach Amerika genau so wie bei den europäischen Sandplatz-Turnieren begleitet: «Jetzt haben die Ärzte relative Entwarnung gegeben», sagte der 30-jährige, der nach dem Auftaktaus in Paris aber sofort nach Deutschland zu einer Herzuntersuchung fliegen wollte.
Auch eine längere Pause nach dem verkorksten Rothenbaum-Gastspiel und der Verzicht auf den World-Team-Cup-Einsatz hatten Haas wenig vorangebracht: «Ich habe eigentlich nur gedacht: Probier das mal heute. Vielleicht geht es ja gut.» Noch immer leide er aber unter Müdigkeit und einem schlechten Körpergefühl: «Da ist einfach eine Schlappheit, die nicht weggeht.»
Viel rechnet sich Haas auf dem ungeliebten Pariser Sand sowieso nicht mehr aus, vielleicht noch einen Sieg gegen Waske, den Doppel-Spezialisten, der inzwischen auch als Solist immer besser in Schwung kommt: «Er ist ein gefährlicher Mann geworden», sagte Haas. Waske prophezeite derweil ein spannendes Match: «Gegen Tommy in Paris das wird ein Knüller, da muss einen niemand mehr motivieren.»

