netzeitung.deDeutsche in Paris: Ausgebrannt und müde

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Thomas Haas (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Thomas Haas
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Die deutschen Tennisprofis geben bei den French Open kein allzu gutes Bild ab. Und mancher rechnet sich bei dem Grand-Slam-Turnier keine allzu großen Chancen aus.

Von Jörg Allmeroth, Paris

Gern verwandeln die deutschen Tennisprofis ihre Interviews bei den French Open dieser Tage in medizinische Sprechstunden, bei denen kleinere und größere Wehwehchen der Spitzenkräfte durchgenommen werden – mal geht es ums allgemeine Ausgebrannt-Sein im auszehrenden Tenniszirkus, mal um tückische Viruserkrankungen, mal um allergische Attacken, mal um Schmerzen im Bizepsmuskel.

Not gegen Elend
Manchmal wundert es da schon, dass sie überhaupt noch die rote Erde von Roland Garros betreten, die Kranken und Maladen des DTB. Und manchmal erstaunt es sie sogar selbst, so wie beispielsweise Tommy Haas, der noch eine halbe Stunde vor seinem brisanten Zweikampf gegen Rainer Schüttler am Dienstag gar nicht antreten wollte: «Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich lieber verzichtet», sagte Haas gleichmütig nach dem ungefährdeten 6:4, 6:3, 6:3-Erfolg über seinen langjährigen Weggefährten.

Am Donnerstag darf der angeschlagene Patient Haas nun gleich gegen einen weiteren Kumpel ans Werk, gegen seinen Davis Cup-Doppelpartner Alexander Waske – der siegte, ausnahmsweise frisch, gesund und wach, mit 6:4, 4:6, 7:6, 7:6 gegen den Spanier Fernando Vicente.

In der Stierkampf-Arena, dem berühmten Court 1 der Roland Garros-Anlage, trafen mit Haas und Schüttler nicht gerade zwei bärenstarke Gladiatoren aufeinander, sondern eher Not gegen Elend – der allergiekranke Haas gegen Schüttler, der sich gerade mühsam von den Nachwirkungen des Pfeifferschen Drüsenfiebers erholt. «Am Sonntag habe ich mich zum ersten Mal seit Monaten wieder ein bisschen besser gefühlt», sagte der Nordhesse, der kurz vor seinem French Open-Auftritt von den Ärzten über den wahren Hintergrund seiner «dauernden Erschöpfung» und des «totalen Unwohlseins» informiert worden war. Hohes Fieber, Schüttelforst und Durchfall hatten Schüttler bei seinen letzten Abstechern nach Amerika genau so wie bei den europäischen Sandplatz-Turnieren begleitet: «Jetzt haben die Ärzte relative Entwarnung gegeben», sagte der 30-jährige, der nach dem Auftaktaus in Paris aber sofort nach Deutschland zu einer Herzuntersuchung fliegen wollte.

Waske kommt in Schwung
Auch Haas wirkt im Moment nur wie ein blasses Abbild des Mannes, der zu Beginn der Saison auch international als «heißester Spieler neben Roger Federer» (The Age Melbourne) gefeiert worden war: «Ich bin einfach nicht zu 100 Prozent gesund», sagte der gebürtige Hamburger, der sich erst auf gutes Zureden von Trainer Thomas Hogstedt zum Duell mit Schüttler gestellt hatte, «wenn man nicht genau weiß, ob man überhaupt ein paar längere Ballwechsel durchsteht, dann kommt man schon ins Grübeln.»

Auch eine längere Pause nach dem verkorksten Rothenbaum-Gastspiel und der Verzicht auf den World-Team-Cup-Einsatz hatten Haas wenig vorangebracht: «Ich habe eigentlich nur gedacht: Probier das mal heute. Vielleicht geht es ja gut.» Noch immer leide er aber unter Müdigkeit und einem schlechten Körpergefühl: «Da ist einfach eine Schlappheit, die nicht weggeht.»

Viel rechnet sich Haas auf dem ungeliebten Pariser Sand sowieso nicht mehr aus, vielleicht noch einen Sieg gegen Waske, den Doppel-Spezialisten, der inzwischen auch als Solist immer besser in Schwung kommt: «Er ist ein gefährlicher Mann geworden», sagte Haas. Waske prophezeite derweil ein spannendes Match: «Gegen Tommy in Paris – das wird ein Knüller, da muss einen niemand mehr motivieren.»