Federer ordnet French Open alles unter
30. Mai 2006 09:17, ergänzt 11:27
 |  Roger Federer | Foto: AP |
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Mit einem Sieg bei den French Open könnte Tennisprofi Roger Federer seine Grand-Slam-Sammlung komplettieren. Doch das will der «Tennis-Newcomer des letzten Jahres» mit aller Macht verhindern.
Von Jörg Allmeroth, Paris Am vergangenen Montag war die Welt noch in Ordnung – für Roger Federer und für Rafael Nadal. Bei der «Laureus»-Gala hielten beide stolz eine Silbertrophäe ins Blitzlichtgewitter der Fotografen: Federer als «Weltsportler des Jahres», Nadal als «Newcomer des Jahres».
Finale der krönende Höhepunkt
In Paris wird einer der beiden Stars aber leer ausgehen. Im Finale könnte das Duell zwischen Federer und Nadal seinen krönenden Höhepunkt finden. «Das Duell Federer gegen Nadal», schreibt die «New York Times«, »ist im Moment wohl die packendste Story im Sport.« Und Paris der Ort, an dem die Rivalität der Nummer eins und der Nummer zwei der Weltrangliste kulminieren könnte. »Für einen von uns beiden wird die lange, strapaziöse Vorbereitung in einer großen Enttäuschung enden«, sagt Federer, der am Sonntag mühsam zu einem 7:5, 7:6, 6:2-Erstrundensieg über den Argentinier Diego Hartfield kam. »In dieser Sandplatzsaison zählt nur Paris – sonst nichts.«
Schafft Federer den ersten French Open-Erfolg? Schafft Federer den Sieg bei vier Grand Slam-Turnieren hintereinander? Schafft er gar den echten Grand Slam, den Triumph bei den vier Majors in einem Kalenderjahr? Die Antwort führt, so jedenfalls sagen alle Experten voraus, nur über einen Gegner – über Rafael Nadal. «Zwischen Federer und der Ewigkeit steht Nadal», titelt der Londoner «Guardian» über den Zweikampf. Man spüre förmlich, «wie sich die Hitze und die Emotionen» aufbauten, sagt Amerikas Altmeister John McEnroe.
Seit Monaten Federers größtes Ziel
Seit Wochen und Monaten hat Federer dem French Open-Sieg alles Denken und Handeln untergeordnet. Bei den beiden einzigen Turnierstarts in der Sandplatzserie erlebten Freunde und Gegner den Frontmann des Wanderzirkus ungewohnt hitzig und angespannt – Federer zerbrach schon mal einen Schläger, lieferte sich Wortscharmützel mit Zuschauern, jagte wutentbrannt Bälle in die Tribünen und beschuldigte in Rom Nadals Onkel und Coach Toni des verbotenen «Coachings». Federer, so kartete Nadal später nach, habe sich «nicht wie ein Gentleman» verhalten.
Nadal macht Federer zu schaffen. Mehr als er zugeben will. Denn Federer geht auch am liebsten aus einer Position der Stärke, der machtvollen Unnahbarkeit in Turniere – so wie in Wimbledon. «Favorit zu sein, ist für mich eine Bestätigung meiner Klasse. Und keine Last», sagt der Schweizer. Doch auf Sand ist Federer nur der ehrgeizig hinterherlaufende Herausforderer. «Nadal muss Federer wie ein Teufel vorkommen, der ihm auf Sand die schönsten Erfolge wegschnappt«, meint Mats Wilander, »das kostet schon Nerven.»
«Nicht besessen von Paris»
Er sei «nicht besessen von diesem Ziel Paris», hat Federer neulich in Hamburg beim Plausch mit Journalisten erzählt, «nicht so verkrampft wie Lendl damals beim Versuch, Wimbledon zu gewinnen.» Doch als Federer am Sonntag gegen den Argentinier Hartfield schnell 0:3 und 15:40 zurücklag, da schlichen sich bei ihm so wie einst bei Lendl auf dem Heiligen Rasen Züge der Verzweiflung und der puren Hilflosigkeit ins Gesicht. Federer hatte noch Glück, dass sein unerfahrener Gegner den Vorsprung dahinschmelzen ließ und ihm die Möglichkeit bot, ins Match zurückzufinden. Doch die Nummer eins hat gespürt, welche Hürden ihm noch bevorstehen in Paris.