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Lupe Daviscup-Team hofft nun auf Haas

Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler haben beim Daviscup-Aufstiegsspiel in Johannesburg eine Vorentscheidung verpasst. Die deutsche Mannschaft setzt nun alle Hoffnungen in Tommy Haas.

Von Jörg Allmeroth, Johannesburg
In der «Stadt des Goldes» hat sich das deutsche Olympia-Doppel am Samstag nur eine bittere «Blechmedaille» eingehandelt und im Davis Cup-Duell mit Südafrika noch einmal für unfreiwillige Spannungsmomente gesorgt: Beim ersten Auftritt seit dem dramatisch verlorenen Athen-Finale vor sieben Monaten kassierten Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer in Johannesburg eine peinlich glatte 3:6, 6:7 (4:7), 5:7-Niederlage gegen die Kombination Jeff Coetzee/Wesley Moodie, die damit für die Länderspiel-Gastgeber im Match der Europa/Afrika-Zone I überraschend auf 1:2 verkürzte.
Hoffen auf Tommy Haas
Nach der uninspirierten, blassen und meist äußerst zerfahrenen Aufführung der favorisierten DTB-Allianz lagen nun alle Hoffnungen auf einen Gesamtsieg in der dünnen Höhenluft auf den Schultern von Tommy Haas, der am finalen Sonntag in der Spitzenpartie der beiden Nummer eins-Profis zunächst ab 11 Uhr MEZ auf Gewaltaufschläger Wesley Moodie traf (live im DSF). Im Schlusseinzel sollte dann Kiefer entweder gegen Rik de Voest oder Veteran Wayne Ferreira antreten. «Ich wäre auch lieber mit einem 3:0 eingeschlafen. Aber ich gehe trotzdem mit einer gesunden Portion Zuversicht in die letzten beiden Partien», sagte Davis Cup-Teamchef Patrik Kühnen, den allerdings wie die Hundertschaft deutscher Fans vor Ort sicher unangenehme Erinnerungen an die im letzten Herbst in der Slowakei verspielte 2:1-Führung beschlichen.

Vor der «Geisterkulisse» von höchstens 700 Zuschauern wiesen Schüttler und Kiefer schmerzlich nach, dass sie gegenwärtig nur zweite Wahl hinter der zuletzt so erfolgreichen Liasion Tommy Haas/Alexander Waske sind: Ähnlich wie beim 2003 in Sundern verlorenen Match gegen die Weißrussen Mirnyi/Woltschkow, ihrem bisher einzigen Zusammenspiel im Davis Cup, boten die Olympiapartner nur ein lebloses Nebeneinander auf dem Center Court, das ebenso von fehlenden Emotionen wie von mangelnder Abstimmung geprägt war. Fatal rächte sich, dass Schüttler und Kiefer sich in den vergangenen Monaten kein einziges Mal im regulären Tourbetrieb zu einem gemeinsamen Auftritt verabredet hatten – nicht einmal zuletzt in Dubai, wo beide im Einzel, aber eben nicht zusammen im Doppel angetreten waren.
Chance sträflich vergeben
Vom «blinden Verständnis», das Kiefer vor dem ersten Ballwechsel trotz fehlender Matchpraxis für die deutsche Tennis-Zweierbeziehung« reklamiert hatte, konnte in frustrierenden 132 Johannesburger Minuten keine Spur sein: Geschwächt auf der Ehrentribüne sitzend, musste der an einer Virusinfektion leidende Doppelspezialist Alexander Waske entgeistert mit ansehen, wie die »Ersatzleute« Schüttler und Kiefer den vorzeitigen Gesamtsieg sträflich verpassten und ein Zitterspiel um den Platz in der herbstlichen Relegationsrunde zur »Champions League« heraufbeschworen.

Schon frühzeitig zeichnete sich der ernüchternde Rückschlag für den deutschen Davis Cup-Trupp ab – in jenem Moment, als der nervöse, verunsicherte Schüttler erstmals zum 2:4 seinen Aufschlag in Durchgang eins verlor und sich dabei zwei Doppelfehler leistete – ein Lapsus, der sich nicht wiedergutmachen ließ und zum 0:1-Satzrückstand führte. Auch im zweiten, etwas umkämpfteren Satz wuchsen die Deutschen nie zu einer verschworenen Gemeinschaft wie bei den Matches in Athen zusammen und waren weit davon entfernt, jemals den Takt und den Rhythmus dieser Partie zu diktieren. Zudem flatterten Schüttler und Kiefer bei den Big Points die Nerven, in jenen wenigen wegweisenden Momenten, die gerade ein Doppel häufig entscheiden: »Wenn es eng wurde, haben wir nicht konzentriert genug gespielt«, sagte Schüttler später, dem ganz besonders das fehlende Selbstbewusstsein nach einem wieder nur mäßigen Saisonstart anzumerken war.
Wende außer Reichweite
Zwar konnten die Deutschen das Match in den Sätzen zwei und drei lange offen halten, aber eine wirkliche Wende blieb außer Reichweite. Sowohl im Tiebreak des zweiten Aktes wie auch in der Schlussphase des dritten Durchgangs waren die Südafrikaner entschlossener, zupackender und beseelter – einfach stärker in ihrem Ehrgeiz, noch einmal das ganze Davis Cup-Match womöglich umzubiegen. Da half auch nichts, dass Schüttler und Kiefer drei Matchbälle kurz vor Ultimo abwehrten, den vierten Siegpunkt nutzte die Kombination Moodie/Coetzee schliesslich zum Erfolg. »Es kann noch einmal schön spannend werden«, sagte später Kapitän Curren, der seinem Spitzenmann Moodie eine gute Siegchance gegen Haas zubilligte: »Tommy hat hier auch noch nicht am Optimum gespielt.« Nur eins bedauerte Curren auch noch im Nachhinein – den verpassten Triumph von Moodie im Eröffnungseinzel am Freitag gegen Kiefer nach 2:0-Satzführung: »Dann würden die Deutschen jetzt richtig schwitzen.«