Waske: Es zählt nur modernes Angriffstennis
Am Mittwoch konnte Waske zunächst nicht am Mannschaftstraining teilnehmen und hütete das Bett im Hotel «Interconti». Als Alternative zur Wunschkombination Haas/Waske bot sich für Kühnen das Olympiadoppel Kiefer/Schüttler an. «Zum Glück kann ich die Besetzung kurzfristig festlegen, da ist also noch alles drin für jede denkbare Besetzung im Doppel», sagte Teamchef Patrik Kühnen.
Für Waske empfindet der Chef große Sympathien: «Er ist der Garant für gute Laune, die Stimmungskanone schlechthin. Auf Alex war bisher immer Verlaß, wenn er für Deutschland auf dem Court stand.»
Täuschen die Indizien der ersten Trainingstage in der Ellis Park-Arena nicht, dann dürften am Samstag Haas und Waske im vermutlich wegweisenden Doppel an den Start gehen, so wie zuletzt auch schon gegen Israel im rheinischen Alsdorf und bei der Auswärtspartie im slowakischen Bratislava. auf der Strecke bliebe dann womöglich der ehemalige Weltranglisten-Sechste Rainer Schüttler, der zunächst weder im Einzel noch im Doppel zum Einsatz käme.
Für Waske sind die weltweiten Ausflüge mit «Kühnen-Tours» im Davis Cup die wahren Feiertage im Jahr. «Wenn ich mich in der Saisonvorbereitung quäle und abrackere, wenn ich in der Scheißkälte im Winter durch die Wälder in Frankfurt laufe und die Hügel hochächze, dann denke ich an diese Tage», sagt Waske, «und dann geht alles viel leichter.»
Die Davis Cup-Auftritte katapultieren einen Profi regelmäßig ins Rampenlicht, der sonst bei eher schmucklosen Events in der Tennisprovinz schwer um seinen Lohn kämpft. Meist tritt Waske bei Challenger- oder Satellite-Wettbewerben an, wo nicht das sonst übliche Verwöhnprogramm für die Elite läuft: «Da bist du oft schon froh, wenn du eine warme Halle und ein anständiges Hotelzimmer hast.» Andererseits fühlt sich Waske auch wohl bei dieser Basisarbeit, «ohne diesen übertriebenen Glitzer und Glamour, der einem auf der großen Tour auch schnell zum Hals raushängt.»
Von den deutschen Spitzenleuten ist Quereinsteiger Waske längst akzeptiert, spätestens seit seinem grandiosen Auftritt beim gewonnenen Doppel in Bratislava: «Wenn der Alex in Fahrt ist, dann ist es einfach geil, ihm zuzuschauen», meint Teamkollege Nicolas Kiefer. Vom «Urviech des deutschen Tennis» spricht gar Doppelpartner Tommy Haas, der mit Waske eine ebenso locker-lässige wie im Ernstfall hochehrgeizige Kombination bildet: «Uns muß man erst mal schlagen», sagt Haas, der Weltstar, der sich im Davis Cup eher dem mitreißenden Aufputscher Waske unterordnet als umgekehrt.
Zu welchen Überraschungscoups Waske in der Lage ist, zeigten erste jüngst die Australian Open. Den gewöhnlich eher blassen Österreicher Jürgen Melzer, mit dem er in einer Zufallspartnerschaft vereint war, trieb der Mann aus Mainhattan zum gemeinsamen Halbfinaleinzug an der bisher größe Erfolg für den Profi Waske in knapp zehn Berufsjahren. Waskes Beschwerden, ausgerechnet die deutschen Spieler würden zu selten die Chance zu Tennis-Allianzen nutzen, wurden inzwischen erhört: So will Kiefer gleich mehrfach in der laufenden Saison mit dem früheren Wirtschaftsstudenten ans Werk gehen, nicht zuletzt auch bei den German Open am Rothenbaum.
Für Waske gibt es «keine Kompromisse» gibt auch bei diesen Matches: «Du darfst nicht zurückzucken, nur weil es um so viel geht. Du musst draufgehen, was das Zeug hält.» Wenn nötig, sagt Waske, «knalle ich auch einen zweiten Aufschlag wieder mit 200 Kilometern ins Feld: »Das ist das moderne Angriffstennistennis, was zählt und was den Erfolg bringt.«

