Waske: Es zählt nur modernes Angriffstennis
02. Mrz 2005 13:28, ergänzt 16:24
 | Alexander Waske. | © AP |
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Alexander Waske kennt vor dem Davis-Cup-Auftritt gegen Südafrika keine Kompromisse. Für den Erfolg wird er sich «die Füße blutig laufen», verspricht der Tennisprofi.
Er ist der «Mister 100.000-Volt» des Davis Cup-Teams, der Mann, der stets an den Länderspiel-Wochenenden «zum wilden Tier wird». «Wenn die Flagge weht, werde ich ein anderer Mensch», sagt Alexander Waske (29), der leicht verrückte Spieler-Typ, der sich heimlich, still, aber keinesweg leise einen Platz in der deutschen Auswahl erobert hat.
Garant für gute Laune
Nicht nur als erstklassiger Doppelspezialist, sondern auch als leidenschaftlicher Einpeitscher und Mutmacher im DTB-Trupp soll Waske auch vom Freitag bis Sonntag in Johannesburg eine wichtige Rolle spielen - Wenn er sich rechtzeitig von einer fiebrigen Grippe mit Schüttelfrost erholen sollte. Am Mittwoch konnte Waske zunächst nicht am Mannschaftstraining teilnehmen und hütete das Bett im Hotel «Interconti». Als Alternative zur Wunschkombination Haas/Waske bot sich für Kühnen das Olympiadoppel Kiefer/Schüttler an. «Zum Glück kann ich die Besetzung kurzfristig festlegen, da ist also noch alles drin für jede denkbare Besetzung im Doppel», sagte Teamchef Patrik Kühnen.
Für Waske empfindet der Chef große Sympathien: «Er ist der Garant für gute Laune, die Stimmungskanone schlechthin. Auf Alex war bisher immer Verlaß, wenn er für Deutschland auf dem Court stand.»
Täuschen die Indizien der ersten Trainingstage in der Ellis Park-Arena nicht, dann dürften am Samstag Haas und Waske im vermutlich wegweisenden Doppel an den Start gehen, so wie zuletzt auch schon gegen Israel im rheinischen Alsdorf und bei der Auswärtspartie im slowakischen Bratislava. – auf der Strecke bliebe dann womöglich der ehemalige Weltranglisten-Sechste Rainer Schüttler, der zunächst weder im Einzel noch im Doppel zum Einsatz käme.
Für Waske sind die weltweiten Ausflüge mit «Kühnen-Tours» im Davis Cup die wahren Feiertage im Jahr. «Wenn ich mich in der Saisonvorbereitung quäle und abrackere, wenn ich in der Scheißkälte im Winter durch die Wälder in Frankfurt laufe und die Hügel hochächze, dann denke ich an diese Tage», sagt Waske, «und dann geht alles viel leichter.»
«Die Füße blutig laufen»
Gerade weil Waske so viele Jahre in den USA verbrachte und dort für verschiedene College-Teams spielte, sind seine Loyalität und sein Feuereifer für die schwarz-rot-goldene Tennisgemeinschaft so ausgeprägt: «Drüben in den USA erlebst du Patriotismus pur – und den unbedingten Einsatz für dein Team.» Und so kommen dem feurig glühenden Länderkämpfer auch mühelos Sprüche wie jener über die Lippen, er werde sich «die Füße blutig laufen» für einen Sieg in Johannesburg – einen Sieg, der Schritt eins auf dem Weg zurück in die Champions League des Tennis sein soll: «Es kann doch nicht sein, dass Deutschland noch ein Jahr in der Zweiten Liga rumgondelt», sagt Waske, «es tut schon weh genug, nicht jetzt oben mitzuspielen.» Die Davis Cup-Auftritte katapultieren einen Profi regelmäßig ins Rampenlicht, der sonst bei eher schmucklosen Events in der Tennisprovinz schwer um seinen Lohn kämpft. Meist tritt Waske bei Challenger- oder Satellite-Wettbewerben an, wo nicht das sonst übliche Verwöhnprogramm für die Elite läuft: «Da bist du oft schon froh, wenn du eine warme Halle und ein anständiges Hotelzimmer hast.» Andererseits fühlt sich Waske auch wohl bei dieser Basisarbeit, «ohne diesen übertriebenen Glitzer und Glamour, der einem auf der großen Tour auch schnell zum Hals raushängt.»
Von den deutschen Spitzenleuten ist Quereinsteiger Waske längst akzeptiert, spätestens seit seinem grandiosen Auftritt beim gewonnenen Doppel in Bratislava: «Wenn der Alex in Fahrt ist, dann ist es einfach geil, ihm zuzuschauen», meint Teamkollege Nicolas Kiefer. Vom «Urviech des deutschen Tennis» spricht gar Doppelpartner Tommy Haas, der mit Waske eine ebenso locker-lässige wie im Ernstfall hochehrgeizige Kombination bildet: «Uns muß man erst mal schlagen», sagt Haas, der Weltstar, der sich im Davis Cup eher dem mitreißenden Aufputscher Waske unterordnet als umgekehrt.
Zu welchen Überraschungscoups Waske in der Lage ist, zeigten erste jüngst die Australian Open. Den gewöhnlich eher blassen Österreicher Jürgen Melzer, mit dem er in einer Zufallspartnerschaft vereint war, trieb der Mann aus Mainhattan zum gemeinsamen Halbfinaleinzug an – der bisher größe Erfolg für den Profi Waske in knapp zehn Berufsjahren. Waskes Beschwerden, ausgerechnet die deutschen Spieler würden zu selten die Chance zu Tennis-Allianzen nutzen, wurden inzwischen erhört: So will Kiefer gleich mehrfach in der laufenden Saison mit dem früheren Wirtschaftsstudenten ans Werk gehen, nicht zuletzt auch bei den German Open am Rothenbaum.
Verdienter Doppelspieler
Von Gönnerhaftigkeit kann dabei keine Spur sein, weiß Davis Cup-Boß Kühnen: «Alex hat sich zu einem international wirklich respektierten Doppelspieler entwickelt.» Doch die großen Momente im Davis Cup kann nichts ersetzen für Waske. Die Momente, wo er für sein Land auf den Court marschiert, wo er «mit Gänsehaut» der Nationalhymne lauscht: «Das ist das ultimative Erlebnis», sagt der bald 30-jährige Veteran.Für Waske gibt es «keine Kompromisse» gibt auch bei diesen Matches: «Du darfst nicht zurückzucken, nur weil es um so viel geht. Du musst draufgehen, was das Zeug hält.» Wenn nötig, sagt Waske, «knalle ich auch einen zweiten Aufschlag wieder mit 200 Kilometern ins Feld: »Das ist das moderne Angriffstennistennis, was zählt – und was den Erfolg bringt.«