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Lupe Kiefer zum Teamspieler gereift

Tennisprofi Nicolas Kiefer will Deutschland im Davis-Cup wieder in die Weltgruppe zurückbringen. Das Match am Wochenende gegen Südafrika soll dazu den Anfang machen. Von Jörg Allmeroth Nicolas Kiefer ist im feudalen «Aviation Club» von Dubai, der ...

Von Jörg Allmeroth
Nicolas Kiefer ist im feudalen «Aviation Club» von Dubai, der riesigen VIP-Lounge für die Tennisprofis, von hämischen Kollegen schon mal mit der Frage angesprochen worden, «wo, um Himmels willen», er denn nächste Woche zum Davis Cup hinreisen müsse - schließlich ist Deutschland seit diesem Jahr zweitklassig. «Die Sticheleien treffen schon ins Mark, nerven brutal», sagt Kiefer.

Deutschland «!gehört in Champions League»
Von Freitag bis Sonntag will er in Johannesburg mit dafür sorgen, dass der erste von zwei Etappenschritten auf dem Weg in die Weltgruppe geschafft wird und die Spötter der Tennisszene baldmöglichst wieder Ruhe geben. Dass Deutschland, wie der 27-jährige sagt, «endlich wieder dahin kommt, wo es hingehört: In die Weltgruppe, in die Champions League im Tennis.»

Ganz anders als in früheren Länderspiel-Jahren, als er wie ein Fremdling im Nationalteam wirkte und auf dem Platz regelmäßig in Verkrampfung erstarrte, sehnt Kiefer die einwöchige Abwechslung vom sonstigen Einzelkämpfer-Dasein regelrecht herbei. So wie nun in der Vorbereitung auf das Match gegen Südafrika, auf ein Match, in dem er als zweiter Einzelspieler neben Tommy Haas fast gesetzt ist.

«Diese Wochen im Team sind die schönsten in der ganzen Saison für mich geworden. Es ist einfach eine geile Sache, zusammen auf ein Ziel hinzuarbeiten», sagt der Niedersachse, der selbst glaubt, «sich total verändert zu haben.»

Coach Kühnen hat geholfen
Früher sei er einfach «innerlich nicht frei genug» gewesen, sich für einen Mannschaftswettbewerb und die «Gemeinschaft in der Truppe» zu öffnen: «Da habe ich einen riesigen Packen an eigenen Problemen mit mir herumgeschleppt.»

Kiefer litt mehr noch als andere, unbeschwertere Naturen im deutschen Spitzentennis, unter der Präsenz der Superstars der Branche auf der Davis Cup-Bank – Boris Becker genau so wie Michael Stich. Unter der Regie des umsichtigen, hinter die aktiven Spieler stets zurücktretenden Patrik Kühnen erscheint Kiefer wie aufgetaut. «Ich bin mitten in der Mannschaft angekommen.»

Gute Freunde bei Hannover 96
Mannschaftliche Wärme hat Kiefer jüngst auch über den Schock eines Amoklaufs in Melbourne hinweggeholfen, den er als Augenzeuge miterlebte. Das Erlebnis, einem wilden, pistolenbewehrten Amokläufer in der Lobby seines Spielerhotels begegnet zu sein, hat der Tennisprofi später in langen Gesprächen mit befreundeten Kickern von Hannover 96 verarbeitet.

«Die haben mir da wunderbar geholfen», sagt Kiefer, der daheim sowieso fast jede freie Minute mit den Bundesliga-Fußballern verbringt und oft auch spaßeshalber am regulären Training teilnimmt, «mittlerweile betrachten die mich als einen der Ihren.»

Rückschläge hat Kiefer in den letzten Monaten genügend hinter sich lassen müssen. Erst die so knapp verpasste Goldmedaille im Doppel mit Rainer Schüttler in Athen, dann im US Open-Viertelfinale die Handgelenksverletzung mit monatelanger Zwangspause – und schließlich noch die Trennung von Freundin Inga. «Das war die aufwühlendste Zeit meines Lebens», sagt Kiefer.

Zeit der Eifersucht ist vorbei
Langsam, aber sicher glaubt der 27-Jährige, nun das Schlimmste hinter sich zu haben: «Das alles ist keine direkte Last mehr.» Körperlich fühlt sich der Niedersachse «zu 100 Prozent wiederhergestellt», doch auf dem Center Court sei er «sicher noch nicht der Alte»: «Ich spiele noch nicht selbstverständlich den richtigen Ball im richtigen Moment.»

Die Zeit der Eifersüchteleien im deutschen Team scheint jedenfalls endgültig vorbei. «Es ist egal, wer letztlich auf den Platz steht», sagt Kiefer, «ich will nur, dass wir spätestens am Sonntag drei Punkte in der Tasche haben.»