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Lupe Grönefeld in Melbourne gescheitert

Mit Anna-Lena Grönefeld ist auch die letzte deutsche Tennisspielerin bei den Australian Open ausgeschieden. Für die 19-Jährige kam das Aus in der dritten Runde.

Von Jörg Allmeroth, Melbourne
Erst in der Umkleidekabine brach der ganze Weltschmerz des Scheiterns über sie herein: «Da sind einige Tränen geflossen, das war schon schlimm», sagte Anna-Lena Grönefeld über jene bitterbösen Minuten, die am Freitag einer ebenso kuriosen wie überflüssigen 5:7, 4:6-Niederlage in der dritten Runde der Australian Open gegen die Russin Vera Duschewina folgten. Die große Chance vor Augen, erstmals ins Achtelfinale eines Grand Slam-Spektakels einzuziehen, spielten dem deutschen Toptalent bei den alles entscheidenden «Big Points» die Nerven einen üblen Streich.

Keinen einzigen von acht Breakbällen in dem 87-minütigen Duell konnte die überlegene, aber zu selten überlegt spielende Nordhornerin nutzen. «Absolut ärgerlich» sei das Ausscheiden, befand da Fed Cup-Kapitänin Barbara Rittner, «Anna hat das Spiel bestimmt, aber nicht nur die meisten Punkte rausgespielt, sondern auch die meisten Fehler gemacht.»

Grönefeld übermotiviert
Auch die verzweifelten Zwischenrufe von Grönefelds spanischem Coach Rafael Font De Mara, «den Ball sicher im Spiel zu halten», halfen der übermotivierten Teenagerin nicht. «Heute habe ich gesehen, wo der Unterschied zu den absoluten Weltklassespielerinnen liegt», erkannte Grönefeld hinterher glasklar. «Die bleiben cool und legen eine Schippe drauf, wenn´s eng wird. Und mich hat der Mut verlassen.» Obwohl die 19-jährige noch letzte Woche beim WTA-Turnier in Canberra und vor anderthalb Jahren auch im Juniorinnenfinale der French Open gegen die biedere Duschewina gewonnen hatte, strahlte die Deutsche nicht jenes felsenfeste Selbstbewusstsein aus, das ihre Gegnerin von vornherein hätte einschüchtern können: «Ich habe ihr jeden möglichen Gefallen getan», schüttelte Grönefeld später den Kopf, «ich habe zu früh zu sehr die Entscheidung gewollt und keine Ruhe ins Spiel bekommen.»
Neue Gallionsfigur
Gleichwohl konnte die Nordhornerin den Schauplatz des Auftakt-Grand Slams 2005 hoch erhobenen Hauptes verlassen: Dank des Drittrunden-Vorstoßes rückte Groenefeld in der Hierarchie der WTA-Tour bereits in die Weltranglisten-Region von Platz 50 bis 55 auf – weit vor allen anderen deutschen Profispielerinnen. «Ich will schon bald in die Top 20 aufsteigen, aber oberste Priorität ist erst mal, mein Spiel zu perfektionieren und kompletter zu machen», sagt Grönefeld, die vom DTB schon kurz- bis mittelfristig zur klaren Führungsfigur des nationalen Damentennis aufgebaut werden soll.

Für Fed Cup-Chefin Rittner ergibt sich die «dominante Rolle» als Vorzeigespielerin schon aus der Mentalität Grönefelds: «Sie will einfach mehr als der Rest, sie ist heißer auf Siege und einen Platz in der Weltspitze», sagt die Leverkusenerin als Mutter der Tennis-Kompanie, «sie kann auch schon wieder jüngeren Spielerinnen den Weg weisen.»

Hoffnung auf nächste Generation
So wie etwa Angelique Kerber (16) oder Andrea Petkovic (17), den beiden größten Talenten aus der bereits wieder nächsten Generation hinter Grönefeld. «Die Mädchen haben eine große Perspektive. Aber sie müssen behutsam ans Damentennis rangeführt werden», sagt Rittner, die sowohl mit der Bremerin Kerber wie der Darmstädterin Petkovic ausgiebig Zeit auf und neben dem Trainingsplatz verbracht hat: «Ich will einfach wissen, wie die ticken, was sie wollen.» Auch in die Turnier- und Trainingsplanung ist die ehemalige Spitzenspielerin und neue Kapitänin eng eingebunden, die von den beiden «Küken» schon fürs nächste Jahr erwartet, «dass sie hier in Melbourne mindestens in der Qualifikation mitspielen»: «Sie müssen auch den Alten in Deutschland Druck geben.
Zeit für Barna und Weingärnter läuft ab
»Eine «neue Aufbruchstimmung» hat da DTB-Präsident Georg von Waldenfels bei seinen jahrelang vernachlässigten Tennisdamen ausgemacht: «Die Talsohle ist durchschritten», sagt der Verbandsboß, für den Rittner ein «Glücksfall wie Patrik Kühnen ist»: «Sie kriegt diese ganzen zerstrittenen Parteien hinter sich. Und sie kniet sich mit unheimlichem Feuereifer in die Sache rein.» Auch vor klaren Worten scheut Rittner nicht zurück – etwa in Richtung der jahrelangen deutschen Nummer eins Marlene Weingärtner, der sie knallhart bescheinigt, «dass sie sich selbst dauernd aus der Bahn wirft»: «Sie müsste endlich mal ihre Athletik verbessern, einen vernünftigen Körperaufbau betreiben.» Probleme habe sie indes, «an Weingärtner ranzukommen»: «Sie ist eine extreme Einzelgängerin und dreht am liebsten ihr eigenes Ding.»

Noch kann Rittner bei den Länderspielen nicht ganz auf die alten Gesichter verzichten, auf die verbraucht wirkenden Weingärtners und Barnas, aber eine tragende Rolle spielen sie nicht mehr: Die gehört Anna-Lena Grönefeld und bald wohl auch den Teenagerinnen, die aus dem Hintergrund nachrücken. «Ich bin bereit, als Nummer eins voranzugehen», sagt Grönefeld.

Waske im Doppel weiter
Im Herren-Doppel hat mit Alexander Waske wenigstens ein deutscher Profi das Achtelfinale erreicht. Der deutsche Daviscup-Spieler und sein österreichischer Partner Jürgen Melzer gewannen am Freitag 6:1, 7:5 gegen das argentinische Duo Martin Garcia und Mariano Hood.