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Lupe Virus stoppt Mayers Weg in Weltspitze

Florian Mayer wollte nach seiner desaströsen Erstrunden-Niederlage bei den Australian Open «nur noch weg». Philipp Kohlschreiber packt den Weg in die Weltklasse anders an.

Er schlich schon nach den ersten verlorenen Ballwechseln wie ein Häuflein Elend über den Platz – ein kranker, junger Mann, dem die Verzweiflung über die unvermeidliche Niederlage schwer ins Gesicht geschrieben stand. Er saß später untröstlich und kopfschüttelnd auf seinem Pausenstuhl, als sich das Australian Open-Desaster immer klarer abzeichnete.

Und als nach bloß 70 Minuten und einer herben 1:6, 2:6, 0:6-Erstrundenniederlage gegen den Amerikaner James Blake seine Tenniskampagne am anderen Ende der Welt jäh zum Stillstand gekommen war, da wollte Florian Mayer «nur noch weg» von Court 3, weg vom Grand Slam-Schauplatz Melbourne, zurück in die Heimat.

Erschöpfungssyndrom stoppt Mayer
«Ich fühle mich müde, schlapp und kaputt. Das ist nicht der Florian Mayer, den man kennt», sagte der sonst so tüchtige Bayreuther, der seit seiner Ankunft auf dem fünften Kontinent unter einem mysteriösen Erschöpfungssyndrom litt und dessen Grand Slam-Premiere 2005 fast zwangsläufig in ein Debakel mündete. «Kein Maßstab» sei die Niederlage, meinte Davis Cup-Teamchef Patrik Kühnen, «das war nicht 100 Prozent, sondern unfreiwillig nur 10 Prozent Mayer.»

Während der matte und malade Mayer sich deprimiert ins Schicksal einer bitteren Abfuhr fügen musste und ein spektakuläres Rendezvous mit Australiens Superstar Lleyton Hewitt verpasste, setzte Philipp Kohlschreiber, sein Freund und Weggefährte aus der Oberhachinger Talentschmiede «Tennisbase», die solide Aufwärtsbewegung aus der Vorsaison fort.
Kohlschreiber mag es gemächlich
Wie schon bei den US Open rückte der Augsburger Spätstarter auch in Melbourne durch einen überzeugenden 7:6 (7:2), 6:2, 6:1-Sieg gegen den Dänen Kenneth Carlsen in die zweite Grand Slam-Runde vor und kam damit seinem Ziel eines beharrlichen Aufstiegs bis in die Top 50 der Weltrangliste wieder ein kleines Stückchen näher.

«Bei mir geht das alles etwas gemächlicher als bei Florian», befand Kohlschreiber, der nun auf den chilenischen Olympiasieger Nicolas Massu trifft, «aber ich bin auf dem richtigen Weg. Ich weiß jetzt, wie ich meinen Job als Profi anpacken muss.»
Sieg gegen Massu wäre «Hammerschlag»
Nicht nur für ihn, sondern für eine ganze Generation von Talenten in Deutschland habe Mayers Aufstieg als Initialzündung gewirkt, so Kohlschreiber: «Wir haben einfach gesehen, dass sich einer von uns bis nach oben durchbeißen kann. Jetzt wollen wir seiner Spur hinterher marschieren.»

Am besten schon mit einem Erfolgserlebnis gegen einen Tennis-Promi wie Massu: «So einen Hammersieg brauche ich mal. Das könnte der Durchbruch werden.»

«Kein Tropfen Benzin im Tank»
Ausgerechnet an jener Stätte, an der er vor zwölf Monaten als scheuer Novize und einziger deutscher Zweitrunden-Teilnehmer erstmals so richtig in den nationalen Schlagzeilen aufgetaucht war, konnte Mayer als arbeitsloser Grand Slam-Darsteller nun bloß noch für seine Münchner Kumpels Kohlschreiber und Phau die Daumen drücken.

«Eigentlich suche ich nicht gerne nach Ausreden, wenn ich verloren habe», sagte der 21-jährige geknickt, «aber ich fühlte mich wie jemand, der schon beim Losfahren keinen Tropfen Benzin im Tank hatte.»

Gesundheit plötzlich verschlechtert
Noch vor dem Abflug nach Australien hatte sich Mayers Gesundheitszustand «wie aus heiterem Himmel» (Trainer Ulf Fischer) plötzlich verschlechtert, war wochenlang an ein reguläres Training und eine seriöse Australian Open-Vorbereitung kaum noch zu denken.

«Ich kam wie vor wie eine lahme Ente. Es tut schon weh, wenn einem auf diese Weise ein Grand Slam-Turnier kaputt geht», sagte Mayer, der schon bei den Turnieren in Adelaide und Sydney als blasse Kopie seiner selbst aufgetreten war und nur mit Müh´ und Not einen einzigen Sieg gegen den australischen Routinier Wayne Arthurs in Adelaide verbucht hatte.

Saisonziel bleibt bestehen
Sein Saisonziel, sich in der Weltspitze zu stabilisieren und womöglich gar die Schwelle zu den Top 20 zu überschreiten, wollte Mayer indes auch nach der bitteren Pannentour gen Australien nicht aus den Augen verlieren: «Wenn ich gesund bin, traue ich mir eine Menge zu. Ich werde noch sehr schöne Tage in diesem Jahr haben.»

Neben Mayer schieden am Dienstag auch noch Lars Burgsmüller (6:7, 1:6, 2:6 gegen den Russen Igor Andrejew) und Marlene Weingärtner (5:7, 6:7 gegen die Italienerin Tatiana Garbin) aus. Deutsche Bilanz damit nach einer Runde und 48 Stunden Grand Slam-Tennis damit: Fünf Spieler weiter, sieben draußen.