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Lupe Mayer nimmt Agassi-Match als Geschenk

Tennisprofi Florian Mayer muss sich in der zweiten Runde der US Open ausgerechnet seinem Idol Andre Agassi stellen. Am Anfang werde die Hand wohl zittern, doch dann sei alle Schwärmerei vergessen, so Mayer.

Von Jörg Allmeroth, New York
Als Andre Agassi 1986 zum ersten Mal bei den US Open antrat, war Florian Mayer gerade einmal zwei Jahre alt. Als Agassi 1994 seinen ersten Titel gegen Michael Stich gewann, steckte Mayers Tennis-Karriere in ihren zaghaften Anfängen. Als Agassi 1999 ein glänzendes Comeback feierte und zum zweiten Mal das schrillste Turnier der Welt gewann, schlug sich Mayer, der Junge aus Bayreuth, die Nacht um die Ohren, um das Finale seines Idols gebannt vorm eigenen Fernseher zu verfolgen.
Mayer: Das Spiel ist ein Geschenk
Nun trifft Mayer in seinem Zweitrundenmatch ausgerechnet auf sein großes Idol. Spätestens am Donnerstag muss der 20-Jährige allen Respekt und alle Schwärmerei für den einstigen Popstar des Tennis abgelegt haben. Auf dem größten Center Court der Welt, vor 24.000 Zuschauern im Arthur Ashe-Stadion von Flushing Meadow, kommt es zum Zweikampf mit dem Altmeister; vielleicht sogar auf Augenhöhe. «Auf so einen Moment habe ich mein ganzes Tennisleben hingearbeitet», sagt Mayer, «das Spiel ist ein Geschenk, das ich mir in den letzten Wochen und Monaten sicher verdient habe.»

Letzte Zweifel am Zustandekommen seines «Traumspiels» gegen Agassi beseitigte Mayer am Dienstag mit seinem 6:4, 6:2, 6:1-Verlängerungssieg gegen den Brasilianer Flavio Saretta. Gleich beim ersten Match im Hauptfeld erlebte Mayer dabei die US Open pur: Spielbeginn am Montag erst gegen 22 Uhr abends, Wirbel hinter den Kulissen um den Spätstart, einen Matchabbruch nach Mitternacht nur wenige Punkte vor dem sicheren Triumph – und das nervenzehrende Nachsitzen beim Stand von 5:1 im dritten Satz weitere 16 Stunden später am Dienstagnachmittag.

Die Hände zittern
Doch das Tohuwabohu war nur ein schwaches Vorspiel zu jener Herausforderung, die nun auf Mayer in der riesigen Center Court-Betonschüssel gegen den ehemaligen Weltranglistenersten Agassi wartet. «Da kann man sich noch sehr einreden, ruhig und cool zu bleiben», sagt Mayer-Trainer Ulf Fischer, «am Ende werden doch erst mal die Hände ein wenig zittern». Das Lampenfieber sei doch «normal», so Mayer, «das muss man akzeptieren, aber auch schnell überwinden». Um jeden Preis wolle er vermeiden, so der Newcomer, «dass Agassi anfängt, locker und lässig die Bälle zu verteilen: Denn das wird dann immer bitter für den Gegner.»

Mayer, der zuletzt etwas kränkelte und erst seit einer Woche wieder voll trainiert, stellt das Duell mit Agassi sogar über das Wimbledon-Viertelfinale in diesem Frühjahr. «Das ist einfach gigantisch, eine Nummer größer als alles, was es bisher in meiner Laufbahn gegeben hat.» Ganz egal, was passiert an diesem Donnerstag – Mayer weiß schon jetzt, «dass es ein Erlebnis wird, das ich niemals vergessen werde. Das bleibt immer im Kopf.»

Paradoxes Aufeinandertreffen mit dem Idol
Ein besonderer Auftritt ist es schon deshalb, weil es vermutlich Agassis letzte US Open sein werden. Und ausgerechnet diesen Auftritt will der junge Deutsche frühzeitig beenden. «Es ist paradox. Einerseits denkt man, dass so ein Spieler einen Riesenabschied haben sollte, einen Schlusspunkt mit einem Triumph», sagt Mayer, «aber das geht ja schlecht, wenn man selbst gegen ihn antritt.» Und mit «absolut jeder Faser» des Körpers den Sieg will.