netzeitung.deMayer in Wimbledon im Viertelfinale

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Florian Mayer. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Florian Mayer.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Erfolgsstory von Florian Mayer beim Grand-Slam-Turnier in Wimbledon geht weiter. Alexander Popp scheiterte auch beim dritten Anlauf im Achtelfinale.

Von Jörg Allmeroth, Wimbledon
Der nächste formvollendete Streich des Überfliegers war im Wunderland Wimbledon gerade einige Minuten alt, da erschien auf der Terrasse des Presserestaurants gut gelaunt der jüngste Rasen-Champion der Geschichte. Und nur eine Botschaft hatte Boris Becker in diesem strahlendsten Moment für das deutsche Herrentennis seit Rainer Schüttlers australischem Endspiel-Rendezvous mit Andre Agassi im Januar 2003 zu verkünden, im Moment des Viertelfinalvorstosses von Supertalent Florian Mayer auf dem heiligen Rasen des All England Club. «Diesen Jungen muss erst mal einer schlagen hier», sandte Becker mit einem diabolischen Grinsen als Warnung an den Rest der Tenniswelt hinaus, an alle, die Mayers Vormarsch in maximal drei weiteren Matches noch bremsen wollten..
Mayer: Wie ein Traum
Doch am frechsten und verblüffendsten deutschen Wimbledon-Debüt seit Beckers eigenen Glanztagen konnte ohnehin schon kein Zweifel mehr bestehen – ganz egal, wie die kommenden Tage auch verlaufen mochten bei «Magic Mayers» (Daily Express) ureigensten Bayreuther Festspielen. «Ich bin voll glücklich. Ich fühle mich wie in einem Traum, der gar nicht mehr aufhören will», sagte Mayer nach seinem 6:3, 7:6 (7:5), 6:7 (5:7), 6:4-Triumph gegen den hammerharten schwedischen Aufschläger Joachim Johansson, einem kühl und nervenstark inszenierten Meisterwerk ohne jeden Makel. Auch gegen den listigen Franzosen Sebastien Grosjean geht Mayer in der exklusiven Runde der letzten Acht aussichtsreich ins Rennen: «Das ist die beste Auslosung, die er für Mittwoch kriegen konnte», befand Altmeister Becker.
Popp verlassen die Kräfte
Während Mayer sich auch in den brenzligsten Situationen mit beinahe unfassbarer Gelassenheit behauptete, kam für den etwas zittrigen Rasenspezialisten Alexander Popp das Aus im Achtelfinale: Bei der 5:7, 4:6, 4:6-Niederlage gegen den an Nummer zwei gesetzten Amerikaner Andy Roddick verließen den weißen Riesen aus Mannheim stets die Kräfte, wenn es um die Big Points in allen Sätzen ging. «Es ist brutal. Drei, vier Situationen entscheiden ein ganzes Match», sagte Popp, der Viertelfinalist der Jahre 2000 und 2003, später ernüchtert, «aber so ist Rasentennis.»
Kein Breakball gegen sich
Beinahe sensationell fiel Mayers Arbeitszeugnis für seinen vierten Auftritt im eigentlichen Ausbildungsjahr in Wimbledon aus: Gegen Johansson, seinen ehemaligen Bundesliga-Mannschaftskameraden aus Nürnberg, ließ der elegante Stilist keinen einzigen Breakball in vier langen Sätzen zu. Und nur zehn einfache Fehler leistete sich Mayer in 137 prickelnd umkämpften Minuten, in denen er stets punktgenau auf alle Herausforderungen reagierte, konzentriert und zupackend, wenn nötig. «Wie Florian diese Aufgaben meistert, ganz cool und ausgeschlafen, das ist schon gigantisch», sagte Davis Cup-Teamchef Patrik Kühnen über den Youngster, der drauf und dran war, schon in dieser Saison auch die Hierarchie in der deutschen Herrentennis-Landschaft zu verändern. Neben 118.000 Euro in der Kasse hatte Mayer nämlich nun auch schon einen Sprung unter die besten 40 der weltweiten Tennispyramide sicher – eine Position in Reichweite der aktuellen Nummer zwei des DTB, Nicolas Kiefer.
Aufenthalt immer wieder verlängert
Seit vergangenem Donnerstag hat Mayer nun schon seinen Hotelaufenthalt am Londoner Earls Court immer wieder verlängert, erst bis zum Wochenende, nun sogar bis zum niemals für möglich gehaltenen Donnerstag der zweiten Woche. «Die Leute an der Rezeption lachen schon, wenn ich komme und die Buchung wieder ändere», sagt Trainer Ulf Fischer, «aber von mir aus kann es munter so weitergehen.» Und wer wollte noch weitere tolle Taten ausschließen in einem bisher grenzenlos scheinenden Premierenjahr, in dem Mayer nichts und niemand aus dem Gleichgewicht bringen und keiner sein Gottvertrauen in die eigenen Stärken erschüttern konnte.

Auch eine wilde Kakophonie von Nebengeräuschen auf Aussencourt Achtzehn ließ Mayer beim vorerst letzten Erfolgserlebnis unbeeindruckt: Dröhnende Klimaanlagen, Radioübertragungen aus nahen Lautsprechern und Jubelstürme vom «Henman Hill». Erst der zweite verwandelte Matchball setzte zum guten Schluss Emotionen frei beim eiskalt operierenden Himmelsstürmer: «Da war ich den Tränen nahe, das war schon ein unglaublicher Augenblick der Genugtuung.»

Federer als Ansporn
Nur noch ein einziges Spiel ist Mayer jetzt von seiner erträumten Verabredung mit Titelverteidiger Roger Federer entfernt, am Freitag in Halbfinale. Als der tüchtige Franke am Montagabend erstmals den großen Presseraum des All England Club betrat, wusste er nur zu genau, was bis zur zunächst anstehenden Aufgabe gegen Grosjean am Mittwoch zu tun war: «Ich muss total hungrig bleiben. Ich darf jetzt nicht in meinem Ehrgeiz nachlassen.»