netzeitung.deKiefer scheitert in Wimbledon

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Lupe Kiefer scheitert in Wimbledon

Für Nicolas Kiefer sind die All England Championships schon nach der ersten Runde beendet. Auch für Marlene Weingärtner ist das dritte Grand-Slam-Turnier vorbei.

Den Weg von der Herren-Umkleidekabine hinaus auf Court 14 des All England Club lernte Nicolas Kiefer gestern mehr als ausgiebig kennen. Fünfmal trottete der Niedersachse im Regenchaos des ersten Wimbledontages zum Schauplatz seines Erstrundenmatchs gegen den Schweden Thomas Johansson, doch als er sechseinhalb Stunden nach dem ersten Ballwechsel um 19.30 Uhr MESZ ein letztes Mal den Rückmarsch antrat, hatte Kiefer in den Turbulenzen von vier Matchunterbrechungen einen beruhigenden 2:0-Satzvorsprung und seinen weiteren Verbleib beim bedeutendsten Grand Slam-Treffen auf abenteuerlich leichtfertige Weise verspielt.
Bin abgrundtief enttäuscht
«Ich bin abgrundtief enttäuscht», sagte Kiefer nach einer auf der Zielgeraden peinlichen 6:4, 6:4, 4:6, 3:6, 0:6-Niederlage, die seinen Aufenthalt im Londoner Stadtteil SW 19 wieder einmal jäh beendete, noch bevor er so richtig begonnen hatte.

Ausgerechnet im fünften, alles entscheidenden Satz ließ sich der Deutsche unerklärlich lethargisch und leblos in weniger als einer halben Stunde von dem keinesfalls überzeugenden Schweden bezwingen, der sein spätes Glück kaum fassen konnte. «Da war überhaupt keine Gegenwehr mehr bei Kiwi, das begreife ich nicht», sagte Davis Cup-Teamchef Patrik Kühnen, «das sah zum Schluss genau so schlimm aus wie bei seiner Erstrunden-Niederlage im letzten Jahr.» Vor zwölf Monaten hatte Kiefer an einem rabenschwarzen Eröffnungstag gegen den belgischen Qualifikanten Gilles Elseneer verloren.
Regen kostet Rhytmus
Nach zweieinhalb souverän gespielten Sätzen kam der Knacks in Kiefers Spiel bei der dritten Regenunterbrechung beim Stand von 3:2 im dritten Durchgang. Zurück auf dem Court, hatte der Niedersachse die verlockende Möglichkeit, bei eigenem Aufschlag mit 4:2 in Führung zu gehen und sich vorentscheidend von dem gefährlichen schwedischen Rivalen abzusetzen, der noch am Wochenende das Finale des Vorbereitungsturniers in Nottingham erreicht hatte.

Doch in der Ausdauer- und Nervenschlacht verlor Kiefer in diesem Moment erst die Konzentration und dann sein inneres Gleichgewicht. Drei Doppelfehler Kiefers nahm Johansson dankend als Präsent zum 3:3-Ausgleich an – fortan war es um den deutschen Davis Cup-Spieler geschehen, der schnell den dritten Satz und noch schneller den vierten Durchgang verlor.

Auch eine einstündige Besinnungspause, erzwungen durch neue Regenschauer, half Kiefer nichts mehr: Im fünften Tennis-Akt geriet sein Auftritt zur bitteren Deklassierung und zum letztlich unehrenhaften Rausschmiss. Neben Kiefer verlor am Abend auch Marlene Weingärtner ihr Erstrundenspiel gegen die Tschechin Denise Chladkowa mit 3:6 und 1:6.

Navratilova trotzt den Kritikern
Unbeeindruckt vom Schmuddelwetter, war Rekordjägerin Martina Navratilova dagegen nur 47 Minuten beschäftigt, um die vorerst letzte Bestleistung in ihrer unvergleichlichen Karriere aufzustellen: 31 Jahre nach ihrem ersten Einzelstart auf dem Tennisgrün trug sich die 47jährige Amerikanerin mit einem 6:0, 6:1-Sieg über die Kolumbianerin Catalina Castano als älteste Einzelsiegerin in der modernen Wimbledon-Ära in die Geschichtsbücher ein.

«Hoffentlich fragt jetzt niemand mehr, ob ich das Recht habe hier mitzuspielen», grinste die Amerikanerin, die zuletzt wegen ihrer Wild Card-Starts in die Kritik geraten war. Bei den French Open hatte die 58malige Grand Slam-Gewinnerin (18 Einzel, 31 Doppel, 9 Mixed) eine herbe Erstrundenschlappe gegen die Argentinierin Giselle Dulko kassiert.

Erst beim Stand von 6:0 und 5:0 gewährte die neunmalige Wimbledon-Siegerin ihrer hoffnungslos überforderten Gegenspielerin auf Platz Zwei, dem berühmten «Friedhof der Champions», einen wenig tröstlichen Ehrenpunkt. «Ich will die Fans hier noch ein bisschen länger unterhalten», sagte die in vier verschiedenen Tennis-Jahrzehnten in Wimbledon aktive Navratilova später.

Federer mit lockerem Auftakterfolg
Kaum länger als die Alterspräsidentin des Damentennis hatte Alleskönner Roger Federer bei der ehrenvollen Aufgabe zu tun, erstmals als Champion das wichtigste Turnier der Welt zu eröffnen: «Das war der optimale Start für mich. Kein großer Kraftverlust, keine echte Belastung für die Nerven», sagte der Schweizer nach seinem 6:3, 6:3, 6:0 über den Briten Alex Bogdanovich in nur 80 Minuten.

Für den sicheren Weltranglisten-Ersten war es bereits der 18. Sieg hintereinander auf Rasen seit seinem Erstrundenspiel bei den Gerry Weber Open 2003. Auch einer der stärksten Rivalen Federers, der 2002er Sieger Lleyton Hewitt, setzte sich mühelos mit 6:2, 6:4 und 6:2 gegen Jürgen Melzer (Österreich) durch.