Kiefer scheitert in Wimbledon
Ausgerechnet im fünften, alles entscheidenden Satz ließ sich der Deutsche unerklärlich lethargisch und leblos in weniger als einer halben Stunde von dem keinesfalls überzeugenden Schweden bezwingen, der sein spätes Glück kaum fassen konnte. «Da war überhaupt keine Gegenwehr mehr bei Kiwi, das begreife ich nicht», sagte Davis Cup-Teamchef Patrik Kühnen, «das sah zum Schluss genau so schlimm aus wie bei seiner Erstrunden-Niederlage im letzten Jahr.» Vor zwölf Monaten hatte Kiefer an einem rabenschwarzen Eröffnungstag gegen den belgischen Qualifikanten Gilles Elseneer verloren.
Doch in der Ausdauer- und Nervenschlacht verlor Kiefer in diesem Moment erst die Konzentration und dann sein inneres Gleichgewicht. Drei Doppelfehler Kiefers nahm Johansson dankend als Präsent zum 3:3-Ausgleich an – fortan war es um den deutschen Davis Cup-Spieler geschehen, der schnell den dritten Satz und noch schneller den vierten Durchgang verlor.
Auch eine einstündige Besinnungspause, erzwungen durch neue Regenschauer, half Kiefer nichts mehr: Im fünften Tennis-Akt geriet sein Auftritt zur bitteren Deklassierung und zum letztlich unehrenhaften Rausschmiss. Neben Kiefer verlor am Abend auch Marlene Weingärtner ihr Erstrundenspiel gegen die Tschechin Denise Chladkowa mit 3:6 und 1:6.
«Hoffentlich fragt jetzt niemand mehr, ob ich das Recht habe hier mitzuspielen», grinste die Amerikanerin, die zuletzt wegen ihrer Wild Card-Starts in die Kritik geraten war. Bei den French Open hatte die 58malige Grand Slam-Gewinnerin (18 Einzel, 31 Doppel, 9 Mixed) eine herbe Erstrundenschlappe gegen die Argentinierin Giselle Dulko kassiert.
Erst beim Stand von 6:0 und 5:0 gewährte die neunmalige Wimbledon-Siegerin ihrer hoffnungslos überforderten Gegenspielerin auf Platz Zwei, dem berühmten «Friedhof der Champions», einen wenig tröstlichen Ehrenpunkt. «Ich will die Fans hier noch ein bisschen länger unterhalten», sagte die in vier verschiedenen Tennis-Jahrzehnten in Wimbledon aktive Navratilova später.
Für den sicheren Weltranglisten-Ersten war es bereits der 18. Sieg hintereinander auf Rasen seit seinem Erstrundenspiel bei den Gerry Weber Open 2003. Auch einer der stärksten Rivalen Federers, der 2002er Sieger Lleyton Hewitt, setzte sich mühelos mit 6:2, 6:4 und 6:2 gegen Jürgen Melzer (Österreich) durch.
