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Wimbledon-Halbfinale gegen Nadal: 

Für Schüttler war mehr drin

05. Jul 2008 14:19
Starker Auftritt in Wimbledon: Rainer Schüttler
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Es war wohl das Tennis-Comeback des Jahres: Rainer Schüttler überraschte in Wimbledon mit starken Schlägen und guten Nerven. Zum ganz großen Wurf fehlte dem Korbacher schlichtweg der Mut.

Sogar geträumt hatte er von seinem übermächtigen Gegner Rafael Nadal. «Ich habe schlecht geschlafen und irgendwann bin ich aufgewacht und dachte an Rafa», sagte Rainer Schüttler und musste über sich selbst lachen. Worum es in dem Traum ging, erinnerte der in Wimbledon sensationell unter die besten Vier gestürmte Tennis-Oldie nicht. Ein Alptraum wird es nicht gewesen sein, denn dafür bestand gar kein Grund, wie das mit 1:6, 6:7 (3:7), 4:6 nur knapp verlorene erste Halbfinale des 32-Jährigen auf dem «Heiligen Rasen» zeigte.

Dabei hatte der Korbacher eine schlechte Nacht gehabt - aus besagtem Grund und auch, weil die Beine und der rechte Ellenbogen nach dem 5:12 Stunden langen Marathon-Match gegen den Franzosen Arnaud Clement schmerzten. «Aber auf dem Platz war das kein Problem», meinte der krasse Außenseiter, der nach den ersten Ballwechseln das Gefühl hatte, «von einer Wand gerammt zu werden». Viel zu zaghaft, viel zu nervös und viel zu unpräzise spielte er und dachte bei sich: «Oh Gott, nicht schon wieder so schnell wie in Australien.»

Fünf Jahre ist es her, dass Schüttler zu Beginn seines besten Jahres als Tennisprofi im Finale der Australian Open stand und von Andre Agassi «vernichtet wurde», wie sein Coach Dirk Hordorff es nennt. «Rafa hat mich von links nach rechts geschickt und ich wusste überhaupt nicht mehr, was ich noch machen soll.» Doch Rainer Schüttler fand ein Mittel, kam mit den «fürchterlich angeschnittenen» Bällen Nadals besser zurecht und riskierte auch mehr. «Wow, jetzt so langsam komme ich rein», spürte er und machte dem Topfavoriten in den beiden folgenden Sätzen das Leben schwer.

Fehlentscheidungen zugunsten Nadals

Vielleicht hätte es ein wenig mehr Mut gebraucht, und Schüttler wäre eine weitere Sensation gelungen. Nadal begann zu wackeln, als der Wahl-Schweizer konsequent seine Chance suchte. Dem Druck hielt der 22-jährige Mallorquiner nur mühsam stand, und wenn Schüttler öfter das Hawk-Eye (elektronischer Schiedsrichter) angerufen hätte, wären einige Fehlentscheidungen nicht nur im Fernsehen aufgefallen.

Im Finale gegen den fünfmaligen Champion Roger Federer darf sich der Spanier Schwächen nicht leisten. Das würde der ohne Satzverlust gebliebene Schweizer gnadenlos bestrafen. «Ich hoffe, dass Roger es zum sechsten Mal schafft», sagte Schüttler, der aber auch Nadal bescheinigt, ein «kompletter Spieler» geworden zu sein. «Der Sieger wird auf jeden Fall ein großer Champion sein», sagte Schüttler.

Nach seinem wundersamen Comeback kann der wieder unter den besten 40 der Weltrangliste notierte Hesse die nächste Zeit beruhigter angehen. Endlich wird er bei den großen Turnieren wieder direkt qualifiziert sein. Für Olympia kommt der Leistungsschub zwar zu spät, doch schon bei den US Open und den Masters-Turnieren danach bleibt ihm der Weg durch die Qualifikation erspart. «Ich bin mit meinem Leben glücklich, so wie es ist», meinte Schüttler und sagte wegen einer Schleimbeutelentzündung im Ellenbogen seinen Start in Stuttgart ab, wo von Montag an auf Sand gespielt wird. (Andreas Bellinger, dpa)

 
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