Trotz Medienzensur und Menschenrechtsverletzungen :
IOC sieht Spiele weiterhin als gelungen an
15. Aug 2008 11:56
 |  Beschwichtigend: IOC-Präsident Jacques Rogge | Foto: dpa |
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Die Funktionäre des Olympischen Verbandes werden von Journalisten und Menschenrechtsorganisationen immer mehr in die Defensive gedrängt. Das IOC aber bleibt weiterhin bei der positiven Darstellung des Gastgeberlandes.
Der Ton wird rauer in Peking. Im riesigen olympischen Medienzentrum wird die Stimmung von Tag zu Tag schlechter, weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Spiele als Erfolg verkaufen will. Der Heerschar der Journalisten erwartet von den Ober-Olympiern dagegen nach wie vor klare Worte zu Medienzensur und Menschenrechtsverletzungen.
Das IOC kontert mit verbalen Streicheleinheiten für die chinesischen Olympia-Macher. Im Zentrum des Sturms: IOC-Sprecherin Giselle Davies. Die stets freundlich lächelnde Britin ist in die undankbare Rolle der Verteidigungsministerin der Olympia-Offiziellen geschlüpft, die auf den täglichen Pressekonferenzen Angriff um Angriff pariert.
Keine Kritik?
«Wir haben derzeit keine Kritik», sagt sie, wieder und immer wieder. Ob sie sich nicht schäme? «Nein, das tue ich nicht.» Das IOC sei «sehr glücklich», weil die Spiele operativ und organisatorisch bestens funktionieren. Das ist genau das, was viele Reporter in dem großen Pressekonferenzsaal nicht hören wollen. Seit Jahren ist das IOC bei Menschenrechtsorganisationen nicht gut angesehen, weil es 2001 die Spiele an das autoritäre China vergeben hat. Giselle Davies muss diese Entscheidung ausbaden. Die Tochter eines BBC-Sportreporters bittet, alle Fragen geradeheraus und direkt zu stellen. «Kein Problem.» Prompt fragt ein Journalist, ob das IOC Giselle Davies auferlegt hat, die chinesischen Gastgeber nicht zu verärgern. «Überhaupt nicht», sagt Davies, und ihr meist strahlendes Lächeln wirkt schon leicht gequält. «Wir erwarten keine perfekten Spiele.» Die Athleten kämen mit «wirklich positiven Rückmeldungen» zum IOC. Die hartnäckigsten Fragen im Pressezentrum kommen stets von britischen Reportern. «Eisig beherrscht und heiter» sei Davies, urteilt die Londoner «Times» in einem Kommentar.
Attacken gegen ausländische Reporter
Doch ungeachtet seiner heiteren Sprecherin ist es mehr als unwahrscheinlich, dass es dem IOC gelingen wird, die Kritiker zu überzeugen. Über Jahre argumentierte der Verband, die Spiele würden zur Öffnung Chinas beitragen. IOC-Präsident Jacques Rogge versprach noch kurz vor Beginn der Spiele unzensierten Zugang zum Internet. Mittlerweile steht das IOC brüskiert da, weil die chinesischen Behörden den Verband in dieser Frage abblitzen ließen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch listete am Freitag neun Fälle auf, in denen chinesische Sicherheitskräfte ausländische Reporter kurzzeitig festnahmen oder physisch attackierten. Human Rights Watch und andere Menschenrechtsorganisationen beklagen auch, dass die Repressalien gegen Dissidenten und Minderheiten in China nicht ab-, sondern sogar zugenommen haben. Das IOC läuft somit Gefahr, am Ende der Spiele als ohnmächtiger Debattierklub dazustehen, der von den Chinesen nach Strich und Faden über den Tisch gezogen wurde. Für Politik will das IOC weiterhin nicht zuständig sein. «Das ist ein Sportereignis», sagt Davies. (dpa)