Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Fortsetzungsroman «Der Drache im Vogelnest»: 

Das Schatzkästchen

16. Aug 2008 09:44
Hier bekam Tannen Teigtaschen
Bild vergrößern
Fremder Geschmack, rätselhafte Gestalten – und Frau Wong verschwindet spurlos. Doch sie hat ihre Rechung ohne Tannen gemacht. Lesen Sie heute Teil 4 des Fortsetzungsromans von Alexander Broicher.

Tannen und Wong wurden Bambuskörbe mit gedämpften Reisteigtaschen, Bier und dünne Fleischspieße gereicht. Tannen genoss die fremden Geschmackserlebnisse, obgleich er nicht wusste, was er aß. Sein ganzer Körper fühlte sich durchblutet an wie schon lange nicht mehr. Sie bestellten noch eine Runde Bier und Baiju Schnaps. «Gleich ist es soweit», sagte Frau Wong.

«Was?» «Na, die Karten, deswegen sind wir doch hier.» Tannen war so gelöst, er hatte es für einen Moment doch tatsächlich vergessen.
«Sehen Sie die Typen dahinten?», fragte Frau Wong und deutete in Richtung des Hinterhofes.

«Die mit den tätowierten Armen? Ja, die sehen wie Ganoven aus. Woher kennen Sie die?» fragte Tannen.
«Das erzähle ich Ihnen ein ander' Mal», sagte sie und lachte breit. 'Ein ander' Mal'? überlegte Tannen, entschied sich aber dafür, sie habe sicherlich nur eine Floskel verwendet.
«Fragen Sie nicht, sagen wir einfach, ich kenne sie aus ... meiner Schulzeit. Aber wollen Sie nun die Karten oder haben Sie ein Problem mit den Typen?» fragte Frau Wong.

Bier - auch in China gern getrunken
Bild vergrößern
«Nein, nein. Alles in Ordnung», sagte Tannen und meinte es auch so. Er hob sein Glas und stieß mit ihr an, um den Deal zu besiegeln. Dann kippte er sein Bier in einem Zug hinunter.
Der Kellner war äußerst zuvorkommend. Er füllte Tannens Glas sofort wieder auf und reichte ihnen zwei kalte Baumwolltücher. Tannen rieb sich das verschwitzte Gesicht und spürte die wohltuende Kühle auf seiner Haut. Für einen Moment legte er sich das Tuch auf seine Augen, die ein wenig brannten. Ausnahmsweise dachte er an gar nichts.

Schall und Rauch

Als er die Augen wieder öffnete, war er allein. Frau Wong war spurlos verschwunden und nirgendwo mehr zu entdecken. Ihr Platz sah so unangetastet aus, als ob dort nie jemand gesessen hätte: der Stuhl war herangerückt, selbst Glas und Teller schienen unbenutzt.

'Wo ist sie? Und vor allem: Was wird jetzt aus meinen Tickets für die Wettkämpfe?' fragte Tannen sich noch, als plötzlich derselbe Kellner, der eben noch so freundlich war, ihn gackernd zu beschimpfen begann und schroff ein Holzkästchen auf den Tisch knallte. Die Rechnung darin war geradezu lächerlich überzogen. Tannen protestiert heftig, aber er schien keine Chance zu haben. Wahrscheinlich verstanden ihn diese Halsabschneider ohnehin nicht. Ihm war etwas schwindelig und für eine Flucht fühlte er sich nicht in der Lage.

Das Schatzkästchen

Tannen gab sich geschlagen. Er verbuchte es als Einladung für Frau Wong, deren Medizin immerhin seine Beschwerden vertrieben hatte. Obgleich er fand, dass ihr Abgang alles andere als schmeichelhaft gewesen war.

Ersetzt Bargeld: die Kreditkarte
Bild vergrößern
Tannen kramte in seinem Portemonnaie. Er hatte ausreichend Geld für Tickets dabei, aber für diese Rechnung würde selbst das nicht ausreichen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als zögerlich seine Kreditkarte anzubieten. Entgegen seiner Erwartung, begann der Kellner beim Anblick der Karte zu strahlen und war auf einmal mehr als freundlich zu Tannen.

Als er schließlich gehen wollte, bestand der Kellner darauf, dass Tannen das mit chinesischen Schnitzereien verzierte Holzkästchen mitnehmen solle. Tannen wollte nicht unhöflich sein und akzeptierte das Souvenir.

Zurück auf dem Nachtmarkt blickte er sich überall nach Eintrittskarten um. Er sprach den einen oder anderen Händler an, doch alle wichen verschreckt zurück, als sie das Kästchen in seiner Hand entdeckten. Gerade als Tannen sich des vermeintlichen Unglücksbringers entledigen wollte, machte er eine Entdeckung, die ihm eine geradezu kindliche Freude ins Gesicht trieb ...

ENDE VON TEIL 4

Lesen Sie am Montagmittag, wie es weitergeht:
Hat Frau Wong ihn im Stich gelassen? Oder vielleicht doch nicht? Voller Freude fiebert er dem nächsten Tag entgegen, um den ersten Wettkampf live zu erleben. Doch am Stadion erwartet ihn eine böse Überraschung.

Alexander Broicher, Jahrgang 1973, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Berlin. Demnächst erscheint sein neuer Roman im Handel. «Der Drache im Vogelnest» ist eine Exklusivarbeit für die Netzeitung und die Berliner Zeitung Online.

 
Drucken
Versenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Sportschauen
Zu weiteren Sportschauen
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
  •  Berlin 22°
  •  Hamburg 19°
  •  Köln 19°
  •  Frankfurt 24°
  •  Stuttgart 20°
  •  München 19°
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Aus anderen Ressorts
Anzeigen:
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.