17.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Zu politisch: Für eine bessere Welt
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die deutschen Spitzenathleten Yvonne Bönisch und Imke Duplitzer wollen der olympischen Eröffnungsfeier fernbleiben. Auch in anderen Ländern diskutieren Sportler Proteste.
In Frankreich hat man sich für das Motto «Pour un monde meilleur», für eine bessere Welt, entschieden. Es klingt nicht nur so, dass ihm niemand widersprechen möchte. Es ist auch der Olympischen Charta entnommen, dem, wie man gerne sagt, Grundgesetz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).
Frankreich: Protest verbotenDoch ein Button, auf dem für eine bessere Welt geworben wird, dürfen französische Sportler in Peking nicht tragen. Der Vorsitzende des Olympischen Komitees Frankreichs, Henri Sérandour, hat es untersagt. «Während für die einen Tibet die Hauptsorge ist, steht für andere der Hunger im Mittelpunkt», erklärte Sérandour im Fernsehen.
Etliche französische Sportler sind aber zum Protest entschlossen. Der ehemalige Judoka David Douillet, 1996 und 2000 Olympiasieger und politisch ein Vertrauter des früheren Staatspräsidenten Jacques Chirac, stellt an sich die Spitze der Sportlerproteste, der Stabhochspringer Romain Mesnil, immerhin amtierender Vizeweltmeister, will, dass die Athleten mit grünen Protestarmbändern antreten.
US-Sportler formieren sichIn den USA ist die Protestbewegung unter den Sportlern noch größer: Über 125 Olympia-Teilnehmer versammelten sich am vergangenen Montag in Chikago, um über die Olympischen Spiele zu beraten.
«Es wird Proteste geben», sagt die Ringerin Patricia Miranda, 2004 Bronzemedaillen-Gewinnerin, «aber ich glaube nicht, dass die Spiele damit gebrandmarkt werden.»
«15 Minuten Ruhm» - dann ProtestGegen die Rede vom unpolitischen Sport wendet sich Fußballerin Heather OReilly. «Sind wir Menschen?» fragt sie, «haben wir Bewusstsein in unseren Köpfen und Herzen? Ja. Wir hoffen, eine Veränderung erreichen zu können. Wir hoffen, dass wir die Welt zusammenbringen können. Aber das ist ein Riesenaufgabe für Sportler.»
Die Softballspielerin Jessica Mendoza lässt anklingen, dass sie nach einem Erfolg protestieren könnte. «Zuerst mal haben wir Gold zu gewinnen und diese 15 Minuten Ruhm zu genießen. Dann werden wir sehen, was passiert.»
«1968 war sehr effektiv»Ringerin Miranda erinnert sich an die wahrscheinlich spektakulärste Protestaktion bei Olympischen Spielen: die geballte schwarze Faust von Tommie Smith und John Carlos 1968. «Das war sehr effektives Ausnutzen ihrer Position», sagt sie, aber sie will es für sich nicht als Vorbild sehen. «Ich denke zurzeit nicht an Proteste während einer olympischen Zeremonie.»
Die Meinung unter den amerikanischen Sportlern ist aber keineswegs einhellig. Turn-Olympiasieger Paul Hamm erklärte, die Spiele seien für ihn heilig: «Das ist etwas, das nicht gestört werden sollte.» (nz)