DOSB mahnt zur Besonnenheit:
Athleten wollen Protest zum Ausdruck bringen
30. Mrz 2008 17:40
 |  Im Dialog mit den Athleten: DOSB-Generaldirektor Michael Vesper (r.) mit Heiner Brand | Foto: AP |
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Während der ehemalige Zehnkämpfer Frank Busemann das IOC kritisiert, machen sich Sportler und Funktionäre Gedanken zur Lage in China. Möglichkeiten zur Solidaritäts-Bekundung mit den Tibetern werden geprüft.
Zwischen Sportlern und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist eine Diskussion um mögliche Proteste bei den Olympischen Spielen in Peking entbrannt. Während sich DOSB-Generaldirektor Michael Vesper in einem Interview mit der «Frankfurter Rundschau» gegen Aktionen gegen die chinesische Tibet-Politik zumindest an den olympischen Wettkampfstätten aussprach, forschen laut der «Berliner Morgenpost» und der «Welt am Sonntag» viele Athleten nach Schlupflöchern für Proteste während der Spiele.
«Der Sport darf zwar nicht als letzte Instanz zur Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln missbraucht werden, aber als mündige Athleten werden wir genau prüfen, was die Olympische Charta zulässt und was nicht, und den Rahmen unserer Möglichkeiten zum Protest nutzen», betonte Aktivensprecher Sebastian Schulte aus dem Deutschland-Achter.
Busemann fordert mehr Mitspracherecht
Der ehemalige Zehnkämpfer Frank Busemann warf dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vor, die Athleten bei den Olympischen Spielen in Peking in eine schwierige Lage gebracht zu haben. «Sagt ein Athlet nichts zur Situation in China, wird er wegen Gedankenlosigkeit kritisiert. Äußert er sich und schneidet in Peking schlecht ab, muss er sich vielleicht von seinem Verband vorwerfen lassen, sich politisch engagiert, aber seine Aufgabe in der Arena vergessen zu haben», sagte der Olympia-Zweite von 1996 in Atlanta dem Nachrichtenmagazin «Focus». Busemann fordert mehr Mitspracherecht der Sportler bei der Vergabe künftiger Spiele ein. Er ist überzeugt, dass die Olympischen Spiele in Peking politische Spiele werden. Er könne sich sehr gut vorstellen, dass Sportler ihren Unmut gegenüber den Menschenrechtsverletzungen zum Ausdruck brächten, «und ich bin gespannt, wie die Chinesen darauf reagieren». Im Grunde aber sei der Sport nicht geeignet, in China oder anderen Ländern Dinge zum Besseren zu wenden.
Vesper will den mündigen Athleten
DOSB-Generaldirektor Vesper stellte in der «Frankfurter Rundschau» die Linie seiner Organisation dar. «An den olympischen Stätten sind politische Demonstrationen untersagt, und das aus gutem Grund», sagte er. «Stellen Sie sich einmal vor, dass der serbische Sportler für den Kosovo als Teil Serbiens demonstriert und der Kosovare für das Gegenteil, dass Basken, Kurden und wer sonst während des 10.000- Meter-Laufs für ihre Anliegen eintreten.» Als Maulkorb wolle er die Rücksicht auf die IOC-Charta aber nicht verstanden wissen. Es gelte das «Leitbild des mündigen Athleten - wenn man so will also des mündigen Staatsbürgers im Sportdress. Der soll sich eine Meinung bilden, sie sagen und öffentlich vertreten wenn er es will.» Außerhalb der olympischen Stätten könne und solle jeder Athlet seine Meinung zu diesen Fragen kundtun.
Bademäntel in Orange
Die deutsche Wasserball-Nationalmannschaft wolle Bademäntel in Orange, in der Farbe der Mönche tragen, wurde Sören Mackeben in der «Berliner Morgenpost» zitiert. Nach Aussage des Spielers des deutschen Rekordmeisters Wasserfreunde Spandau 04 würde das Kleidungsstück nicht zur olympischen Mannschafts-Ausstattung gehören, die die Athleten tragen müssen. Der Berliner Zehnkämpfer André Niklaus, Hallen-Weltmeister von 2005, hofft sogar auf den Segen der Funktionäre. «Wenn die Verbände beschließen würden, dass wir Sportler mit einer Tibetfahne ins Stadion einziehen, könnte ich mich damit identifizieren», sagte er. «Wir können als Sportler einfach nicht mehr wegschauen, wenn im Vorfeld der Spiele systematisch Menschenrechte gebrochen werden und die Pressefreiheit mit Füßen getreten wird», betonte der Olympia- Dritte im Kanu, Stefan Pfannmöller als Initiator des Netzwerks «netzathleten.de». (dpa)