Auch Rogge musste zuletzt viel Kritik für sein langes Schweigen einstecken. Die Menschenrechts-Organisation Amnesty International hat am Donnerstag das IOC und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wegen derer Reaktion auf die blutigen Unruhen in Tibet scharf angegriffen. «Die Sportverbände machen sich keine ernsthaften Gedanken darüber, wie die Menschenrechtslage in Tibet verbessert werden kann», sagte Dirk Pleiter von der deutschen Amnesty-Sektion den «Ruhr Nachrichten», «sie setzen darauf, dass Olympische Spiele automatisch die Kraft des Guten sind. Das ist verantwortungslos und blauäugig.» Von der Überlegung, einen gleichbleibenden Olympia-Ausrichter als Symbol des Traditionellen zu etablieren, hält Rogge trotzdem nichts. «Seit langem ist unser Hauptziel das sportliche Erbe, das dem ausrichtenden Land überlassen wird», sagte der Ober-Olympier. In Seoul, Sydney oder Barcelona könne die Jugend jetzt die alten Olympia-Anlagen nutzen.
«Und dann gibt es das Finanzproblem», meinte der Belgier. Die Auftrittsmöglichkeiten der internationalen Sponsoren entsprächen nicht mehr den verlangten Geldern. Deswegen würde «die finanzielle Umverteilung an die 204 Staaten, die an den Spielen teilnehmen, schnell austrocknen». Es fiele dem IOC auch schwer, jedem Land einen Finanzierungsanteil zuzuweisen. «Und glauben Sie, es würden 25.000 Journalisten an den Spielen teilnehmen, wenn sie alle vier Jahre am selben Ort stattfänden? Die Leute wollen andere Städte, andere Kontinente kennenlernen.» (dpa)