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Ein Bild ging um die Welt: 

Vor 40 Jahren: «Black Power» bei Olympia

15. Okt 2008 11:44
Protest auf dem Podest: Tommie Smith (M.) und John Carlos (r.) bei Olympia 1968
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Es war das Bild der Olympischen Spiele 1968 in Mexiko: Zwei US-amerikanische 200-Meter-Läufer nutzten die Siegerehrung zum stillen Protest gegen die Rassendiskriminierung. Die Aktion blieb nicht ohne Folgen, noch heute aber stehen die Sprinter zu ihren Zielen.

Sie hatten ihre Köpfe gesenkt und die Faust in die Luft gestreckt. Den Moment ihres größten Triumphs nutzten Tommie Smith und John Carlos nicht zur Party - sie entschieden sich für den Protest auf dem Podest. Die beiden dunkelhäutigen Amerikaner demonstrierten gegen Rassendiskriminierungen und für Menschenrechte. Mit ihrer «Black Power»-Geste bei der 200-Meter-Siegerehrung der Olympischen Spiele 1968 in Mexiko City sorgten die beiden für einen der größten Eklats der Olympia-Geschichte und zugleich für einen der emotionalsten Momente der Sport-Historie.

80.000 Zuschauer sprangen am Abend des 16. Oktober 1968 im Olympiastadion von Mexiko City begeistert von ihren Sitzen und feierten Smith. Der 24-Jährige hatte soeben Historisches geleistet und war als erster Mensch die 200 Meter unter 20 Sekunden gelaufen. Seine 19,83 Sekunden bedeuteten Weltrekord und Olympia-Gold.

Vernünftige amerikanische Staatsbürger

Im Stadion ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand, was er und sein Landsmann Carlos, der Dritter geworden war, bei der Medaillen- Zeremonie vorhaben. Auch, dass Smith an der rechten und Carlos an der linken Hand einen schwarzen Handschuh getragen hatten, fiel kaum auf. Als anschließend die amerikanische Nationalhymne erklang, schlossen beide ihre Augen, senkten die Köpfe, ballten die Hand mit dem Handschuh zur Faust und streckten sie in den Nachthimmel von Mexiko City.

Es ist das Zeichen von «Black Power», einer afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den USA. Mit ihrer Geste wollten die beiden Athleten auf die Rechtlosigkeit und Armut der Farbigen in Amerika aufmerksam machen. «Ich dachte in diesem Moment an die Gräueltaten, die mein Vater erleben musste, nur um Geld für etwas Brot zu verdienen», sagte Smith. «Uns wurde nachgesagt, wir seien militant. Wir hätten auf dem Siegerpodest sicherlich sehr militant sein können, aber das war nicht unser Ziel. Ich wurde nicht militant erzogen, sondern als vernünftiger amerikanischer Staatsbürger, der für seine Ansichten einsteht», betonte Carlos.

IOC empört

Das Publikum reagierte gespalten - es gab Jubel, aber auch Pfiffe. «Viele Mexikaner haben unsere Botschaft verstanden, denn auch sie waren arme Leute. Aber die vielen Amerikaner waren sauer und meinten, wir würden Fahne und Land verachten. Sie haben gar nicht hinterfragt, warum wir das gemacht haben», erklärte Carlos. «Es war keine Geste des Hasses, sondern der Frustration», ergänzte Smith.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) zeigte sich empört, sah eine klare Missachtung ihrer Charta. Zwar war mit Avery Brundage zu dieser Zeit ein Amerikaner IOC-Präsident, doch er galt als Rassist. Die Olympia-Oberen drohten der gesamten US-Mannschaft mit Ausschluss, wenn Smith und Carlos nicht umgehend nach Hause geschickt würden. «Ich habe denen gesagt, dass mein mexikanisches Visum bis November 1969 gültig ist und sie mich deshalb gar nicht nach Hause schicken können», sagte Carlos.

Harte Jahre nach der Rückkehr in die USA

Nach ihrer Rückkehr in die Heimat waren beide jahrelang arbeitslos, wurden beleidigt und bedroht. «Wenn sich durch unseren Protest die Lebensumstände anderer Menschen, nicht nur die der Farbigen, verbessert haben, war es das alles wert, dann habe ich diese Nackenschläge gerne hingenommen», meinte Carlos, der heute an der High School in Palm Springs arbeitet.

Smith hingegen hat sich bereits in den Ruhestand zurückgezogen und lebt in der Nähe von Atlanta. Beide hoffen, dass sie 40 Jahre nach ihrer Mission erneut einen historischen Moment erleben und in Barack Obama am 4. November erstmals ein Farbiger US-Präsident wird. «Er würde unserem System gut tun», meinte Smith.
(dpa)

 
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