Bolts dritter Streich:
Gold und Weltrekord für Jamaikas Sprinter
22. Aug 2008 16:48
 |  Lautstarker Hintermann: Asafa Powell (v.) und Usain Bolt | Foto: AP |
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Die 4 x 100-Meter-Staffel um den Supersprinter Usain Bolt hat sich im Finale nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. In Abwesenheit der US-Boys übertrumpfte sie die historische Bestmarke der Nordamerikaner.
Superstar Usain Bolt ist mit der Männer-Staffel Jamaikas zum dritten Olympiasieg und Weltrekord gesprintet. Der 22-Jährige feierte über 4 x 100 Meter mit seinen Staffel-Kollegen einen überlegenen Triumph und unterbot in 37,10 Sekunden die alte Bestmarke der USA von 1993 um 0,3 Sekunden. Hingegen haben sich die Sprinterinnen von der Karibikinsel erstmals in Peking selbst über den Haufen gerannt und ihren Wechsel verpatzt.
Die deutschen Stabhochspringer konnten am Freitag vor 91 000 Zuschauern im Nationalstadion nicht nach den Medaillen greifen: Routinier Danny Ecker und der 18 Jahre junge Raphael Holzdeppe schlugen sich als Sechster und Achter jedoch achtbar. Der Amerikaner Bryan Clay krönte sich als neuer «König der Athleten».
Danny Ecker Sechster im Stabhochsprung
Dem Himmel am nächsten kam mit dem Stab der Australier Steve Hooker mit 5,90. Nach dem Qualifikations-Aus von Tim Lobinger trug vor allem der WM-Dritte Ecker (Leverkusen) die Hoffnungen: Der Sohn von Olympiasiegerin Heide Rosendahl überwand nach einer von Verletzungen geprägten Saison jedoch nur 5,70 Meter, Toptalent Holzdeppe aus Zweibrücken kam auf zehn Zentimeter weniger. Die Hochgeschwindigkeits-Sportlerinnen aus Jamaika blamierten sich, als Schlussläuferin Kerron Stewart zu früh loslief und Sherone Simpson ihr in den Rücken fiel. So jubelten die Russinnen über den unverhofften Sieg. Nachdem die amerikanische Staffel im Halbfinale den Stab verloren hatten, war bei den Männern der Weg frei für Jamaika. «Blitz»-Bolt und Co. bauten mit dem sechsten Gold bei den Spielen für Jamaika die Führung im Medaillenspiegel aus.
US-Boy Bryan Clay König der Athleten
Die DLV-Asse um Tobias Unger landeten ebenso wie das Quartett um Verena Sailer auf Rang fünf. «Das ist Wahnsinn, was die vorne da machen. Da hast du keine Chance», staunte Schlussläufer Martin Keller über das siegreiche Quartett in Gelb-Grün. Über 4 x 400 Meter lief nur die deutsche Frauen-Staffel ins Finale am (morgigen) Samstag, die Männer schieden aus. Im Zehnkampf bot Clay, Olympia-Zweiter von 2004 und Weltmeister von 2005, eine imponierende Einmannshow. Von der ersten bis zur letzten Disziplin lag er in Führung und am Ende mit 8791 Punkten vorn. Bester Deutscher war auf Platz acht mit 8220 Zählern wieder einmal der frühere Hallen-Weltmeister André Niklaus. Nach schlechtem Start marschierte der Sportsoldat aus Berlin immer weiter nach vorn. Youngster Michael Schrader (21) aus Uerdingen/Dormagen konnte auf seinen zehnten Platz stolz sein.
Doppelter Triumph für Tirunesh Dibaba
Für eine olympische Premiere bei den Frauen sorgte Äthiopiens Topläuferin Tirunesh Dibaba: Eine Woche nach ihrem Triumph über 5000 Meter rannte die Doppel-Weltmeisterin über die doppelte Distanz zum Sieg. Die über viele Jahre in der Welt herausragende Siebenkämpferin, Carolina Klüft aus Schweden, ist auf ihrem Weg zu neuen Ufern noch nicht ganz angekommen. Die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin musste sich im Weitsprung mit Rang neun begnügen. Über einen Satz von 7,04 Metern und Gold freute sich die Brasilianerin Maurren Maggi, die allerdings nur einen Zentimeter vor der Russin Tatjana Lebedewa lag. Der Tortur der Geher über 50 Kilometer bei brennender Hitze auf einem stinkenden Kunststoff-Teppich vor dem Nationalstadion bewies der Italianer Alex Schwazer, der im Ziel nach rund 45 000 Schritten in 3:37:09 Stunden vor Erschöpfung und Glück weinte. «Nein, es gibt im Sport keine größere Qual», sagte André Höhne nach seinem achtbaren zwölften Platz in 3:49:52 Stunden. Der Berliner wollte nach seinem 25. Platz über 20 Kilometer sechs Tage zuvor unbedingt zeigen, «dass ich nicht der absolute Loser bin». (dpa)