Argentinien im Finale des olympischen Fußballturniers: 

netzeitung.deMessi und Aguero entzaubern Brasilien

 Herausgeber: netzeitung.de

Die argentinischen Fußballer feiern den Final-Einzug (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die argentinischen Fußballer feiern den Final-Einzug
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Beim südamerikanischen Gipfeltreffen im Pekinger Arbeiterstadion mussten Ronaldinho & Co. eine herbe Klatsche hinnehmen. Auch die eingesetzten Bundesliga-Profis konnten die Niederlage des Rekordweltmeisters nicht abwenden.

Lionel Messi wirbelte und jubelte, Ronaldinho trabte und trauerte - Erzrivale Argentinien hat Rekord-Weltmeister Brasilien beim erneut gescheiterten Anlauf zum ersten Olympia-Gold eine mehr als schmerzhafte Niederlage zugefügt. Neben Dribbel-König Messi avancierte Sergio Aguero zum Matchwinner bei der 3:0 (0:0)-Gala des Olympiasiegers gegen die uninspiriert wirkenden Fußball-Künstler vom Zuckerhut im Giganten-Halbfinale des olympischen Turniers.

Der Torjäger von Atletico Madrid traf zweimal (52./58. Minute) und holte am Dienstag beim Spaziergang des Athen-Siegers ins Endspiel gegen Nigeria vor 52.968 euphorischen Zuschauern im Pekinger Arbeiterstadion auch noch den Foulelfmeter heraus, den Kapitän Roman Riquelme zum Endstand verwandelte (76.).

Zweimal Rot für die Brasilianer
«Unser Team hat eine große Show gezeigt», schwärmte Argentiniens Trainer Sergio Batista: «Wir genießen diesen Moment.» Der Gegner ließ dagegen seinem Frust freien Lauf: Lucas (81.) und Thiago Neves (85.) sahen nach rüden Fouls die Rote Karte. Standfußballer Ronaldinho trat nur mit einem Freistoß an den Pfosten in Erscheinung (65.).

Wie die Bundesliga-Profis Diego (Werder Bremen), Rafinha (Schalke 04) und Breno (Bayern München) kann Ronaldinho nur noch auf den Gewinn der Bronzemedaille hoffen. Auch die könnte Nationaltrainer Carlos Dunga in der Heimat nicht als Erfolg verkaufen: «Obwohl wir verloren haben, müssen wir friedlich damit umgehen», meinte er nach der Schmach und lobte die Argentinier. «Sie haben sehr gut gespielt. Unsere Eins-zu-Eins-Deckung gegen Messi hat nicht hingehauen», klagte er zudem.

Finale gegen Nigeria
Im Spiel um Platz drei treffen die Brasilianer am Freitag in Shanghai auf Belgien, das gegen Nigeria mit 1:4 (0:1) unterlag. Bundesliga-Profi Chinedu Obasi vom Aufsteiger 1899 Hoffenheim war in Shanghai mit zwei Treffern der überragende Mann. «Ich bin glücklich, dass ich zwei Tore gemacht habe, aber es zählt nur das Teamwork», sagte Obasi.

Wie der Hoffenheimer wird auch der Herthaner Solomon Okoronkwo mindestens mit der Silbermedaille nach Deutschland zurückkehren. Im Finale am Samstag (06.00) im Nationalstadion von Peking kommt es damit zur Neuauflage des Endspiels von Atlanta 1996, das Nigeria damals gegen die Argentinier mit 3:2 gewann.

Maradona auf der Tribüne
Nach einer innigen Umarmung der Kumpel Ronaldinho und Messi beim Händeschütteln der Akteure war es auf dem Platz mit Herzlichkeiten vorbei. Die Erzrivalen schenkten sich in den Zweikämpfen nichts, im fast voll besetzten Arbeiterstadion herrschte mehr als nur ein Hauch von WM-Atmosphäre.

Das Publikum kreischte bei jedem Trick und Dribbling auf, La-Ola-Wellen schwappten durchs Rund - und auch Argentiniens Fußball-Legende Diego Armando Maradona wurde bejubelt.

Agueros Torriecher
Inspiriert und zielstrebig gingen seine «Erben» zu Werke, was Bayerns José Sosa bis kurz vor Schluss von der Bank aus verfolgen musste. Die wendigen und dribbelstarken Messi und Aguero von Schalkes Champions-League-Qualifikationsgegner Atletico Madrid sorgten ständig für Gefahr. Dennoch dauerte es lange, bis Brasiliens Keeper Renan nach 441 Turnierminuten erstmals bezwungen war. Aguero beförderte einen Schuss von Angel Di Maria mit dem Oberkörper ins Netz.

Brasilien erwachte prompt aus der Lethargie: Rafael Sobis nagelte den Ball aus 25 Metern an den Pfosten (54.). Doch über Messi und Ezequel Garay landete der Ball wieder bei Aguero, dessen Torriecher Schalke 04 im Rückspiel um den «Königsklassen»-Einzug in der nächsten Woche fürchten muss. «Aguero hat fantastisch gespielt», jubelte Argentinien-Coach Batista: «Ich bin so froh.»
Halbfinale, in Peking:

Argentinien - Brasilien 3:0 (0:0)
Argentinien: Romero - Zabaleta, Pareja, Garay, Monzon - Gago, Mascherano - Messi, Riquelme (90. Sosa), Di Maria - Aguero
Brasilien: Renan - Rafinha, Alex Silva, Breno, Marcelo - Hernanes (61. Thiago Neves), Anderson, Lucas - Ronaldinho, Diego (71. Jo) - Rafael Sobis (61. Alexandre Pato)

Schiedsrichter: Vazquez (Uruguay)
Zuschauer: 52 968
Tore: 1:0 Aguero (52.), 2:0 Aguero (58.), 3:0 Riquelme (76./Foulelfmeter)
Gelbe Karten: Zabaleta, Pareja, Garay / Breno, Hernanes, Anderson, Rafinha
Rote Karte: - / Lucas (81./grobes Foulspiel), Thiago Neves (85./grobes Foulspiel) (dpa/nz)