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Dressur-Königin geschlagen: 

Isabell Werth reitet nur zu Silber

19. Aug 2008 17:41
Das Silber-Lächeln wirkt ein wenig enttäuscht: Isabell Werth
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Sekundenlang verweigerte ihr Pferd den Dienst, weshalb die Deutsche den Olympiasieg im Dressurreiten verpasste. Wieder musste sich Isabell Werth ihrer Dauerkonkurrentin geschlagen geben.

Drama in zwei Akten ohne Happy End: Ein erneuter Aussetzer ihres Pferdes Satchmo hat Isabell Werth auf dem Weg zum Reiter-Olymp aus dem Tritt gebracht. Die 39-Jährige verpasste am Dienstag in Hongkong die Krönung zur olympischen Dressur-Königin und musste sich im Dauerduell mit ihrer «Lieblings-Gegnerin» Anky van Grunsven wie schon im Jahr 2000 mit Silber begnügen.

Während die Niederländerin mit Salinero als erste Dressurreiterin den dritten Olympiasieg in Serie feierte, nahm die fünfmalige Goldmedaillen-Gewinnerin aus Rheinberg die Niederlage gefasst. Hinter Werth kam Heike Kemmer aus Winsen mit Bonaparte fünf Tage nach dem Sieg mit dem Team zu Bronze.

«Dass es hier passiert ist, ist natürlich bitter», sagte Isabell Werth, die mit einem Sieg den legendären Reiner Klimke als erfolgreichsten Olympia-Reiter überflügelt hätte. Schon zwei Tage zuvor hatte Satchmo in der Prüfung Nerven gezeigt und war kurz ausgeflippt.

Entscheidung im Special

«Der Knackpunkt war im Special. Das hat er nicht vergessen. Es ist eine Schande, denn er war in großartiger Form», sagte sie bedauernd: «Aber so ist das Leben. Bis dahin war es seine bisher beste Kür», meinte sie, bevor sie ihrer Konkurrentin noch in der Mixedzone gratulierte.

Für Isabell Werth hatte die Prüfung vor 18.000 Zuschauern zunächst sehr gut begonnen. Doch Mitte der Kür erlebte sie erneut einen Schreckmoment. Der 14 Jahre alte Wallach verweigerte wieder sekundenlang die Zusammenarbeit.

Mit Mühe bekam Isabell Werth ihr Pferd wieder in den Griff. Danach zeigte sie ihr Kämpferherz und beendete doch noch souverän den Ritt. Dennoch kostete der Fauxpas wie zwei Tage zuvor entscheidende Prozentpunkte. Mit dem Gesamtergebnis von 76,650 Prozent begann für Isabell Werth das große Zittern.

Die beste Kür-Reiterin der Welt

Doch umsonst: Anky van Grunsven bewies erneut, dass sie die beste Kür-Reiterin der Welt ist. «Ich bin nicht mehr volles Risiko gegangen, als ich das Ergebnis von Isabell gehört hatte. Ich habe gedacht, bloß keine Fehler machen», sagte die 40-Jährige. Das gelang ihr: Mit 82,400 Prozent erhielt sie die höchste Note des Abends und fing mit insgesamt 78,680 Prozent Isabell Werth ab. «Ich war total nervös. Ich hätte nicht davon geträumt, dass ich das noch geschafft habe», berichtete die Niederländerin.

Heike Kemmer war indes zufrieden mit Bronze und ihrer ersten internationalen Einzelmedaille: «Ein Traum ist wahr geworden. Ich hatte mir das nach Athen vorgenommen», sagte die zweimalige Team- Olympiasiegerin.

Van Grunsven will nicht nochmal zu Olympia

Eine Neuauflage des seit über einem Jahrzehnt währenden Zweikampfs Werth - van Grunsven wird es bei Olympischen Spielen nicht mehr geben. Die Niederländerin hat angekündigt, auf keinen Fall bis London 2012 weiterzureiten. «Ich bin nicht mehr ganz so jung und muss mich auch um meine Kinder kümmern», sagte die zweifache Mutter, die in ihrer Heimat ein Superstar ist.

«Ich glaube nicht, dass ich noch ein drittes Mal so ein Pferd bekomme», sagte van Grunsven, die 2000 mit Bonfire Olympia-Gold und 2004 in Athen ebenfalls mit Salinero gewann. Augenzwinkernd kündigte sie an: «Wenn mir irgendjemand so ein Pferd schenkt, überlege ich es mir vielleicht noch anders.»

Werth und van Grunsven haben sich lange Zeit duelliert, vor allem 2000 spitzte sich der Zweikampf auch außerhalb des Vierecks zu. «Es gab ja mal Zeiten, wo das emotional sehr hochgeschaukelt war», sagte Werth, aber diese «Zeiten sind vorbei». Das sei auch von Außen hereingetragen worden, «dass es fast in das Nationalistische ging». Seit mehreren Jahren sei es aber entspannt: «Jeder weiß, was er vom anderen zu halten hat, und dass wir uns im Wettkampf gegenseitig hochschaukeln.» (Michael Rossmann, dpa)

 
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