Olympia 2008:
Frodeno spurtet zu Triathlon-Gold
Im Ziel schrie er seine Freude mit einem inbrünstigen «Deutschlaaaand» heraus, bei der Pressekonferenz blickte er ungläubig auf die glänzende Medaille: In der Hitzeschlacht von Peking hat Jan Frodeno acht Jahre nach dem Silber-Jubel von Stephan Vuckovic das erste Olympia-Gold für Deutschlands Triathleten erkämpft.
«Ich konnte nicht glauben, was passiert ist. Das ist ein Moment, von dem man immer träumt», sagte Frodeno, der sich selbst einen Tag nach seinem 27. Geburtstag das schönste Geschenk machte. Etwa 150 Meter vor dem Ziel am Ming Tombs Reservoir nahe Peking zog der Saarbrücker einen unwiderstehlichen Spurt an und ließ Sydney- Olympiasieger Simon Whitfield aus Kanada um fünf Sekunden hinter sich. Dritter wurde der Athen-Zweite Bevan Docherty aus Neuseeland.
«Es war ein sehr weiter, ein sehr langer Weg. Ich bin durch dick und dünn mit meinen Freunden und meiner Familie gegangen», sagte Frodeno, der von seinen Eltern angefeuert und nach dem Sieg überglücklich geherzt wurde. «Das kommt alles in einem Moment zusammen - innerhalb von diesen 90 Sekunden bei der Nationalhymne lässt du das ganze Leben an dir vorbeilaufen», beschrieb Frodeno den Moment der Siegerehrung.
«Er war spektakulär», zollte auch der geschlagene Whitfield der großartigen Leistung Frodenos höchsten Respekt. Er weiß, wovon er spricht: Vor acht Jahren hatte der Kanadier dem Deutschen Vuckovic den fast schon sicher geglaubten Olympiasieg noch entrissen. Dass Frodeno in diesem Jahr selbst bereits einige Rennen im Spurt verloren hatte, war nun der Schlüssel zum Erfolg. «Daraus zieht man seine Lehren», sagte er. «Wahnsinn», meinten der Sportdirektor der Deutschen Triathlon-Union, Rolf Ebeling, und Bundestrainer Wolfgang Thiel, die nach dem enttäuschenden Damen-Rennen am Tag zuvor völlig aus dem Häuschen waren.
Nachdem eine Dreiergruppe zwischenzeitlich über 40 Sekunden auf dem Rad herausgefahren hatte, fiel die Entscheidung wie erwartet am Ende des 10-Kilometer-Laufs. «Augen zu und durch und nicht daran denken, dass die Besten der Welt neben dir sind», so Frodenos Devise für die letzten Meter. Grundlage dafür waren Tausende von Trainings- Kilometern: 1100 im Wasser, 12 500 auf dem Rad und 4400 zu Fuß. Sie zahlen sich doppelt aus. «Mir fällt ein, dass ich ja ein paar ganz gut dotierte Prämien bekomme», meinte Frodeno schmunzelnd. (dpa)

