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Menschenrechts-Debatte vor Olympia: 

Verdacht auf manipulierte Tibet-Blog-Einträge

07. Aug 10:19, ergänzt 08. Aug 11:57
Die Studentin demontrierte für Tibet
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Das kritische Web-Tagebuch einer Londonerin, die in Peking protestiert hatte, sei nach ihrer Festnahme geschönt worden, behauptet deren Mutter. Derweil fordert ein politischer Häftling den IOC-Präsidenten zu einem Gefängnisbesuch auf.

Die beiden Briten, die am Mittwoch mit zwei Amerikanern eine Free-Tibet-Flagge in der Nähe des Olympischen Stadions angebracht hatten, sind einem Bericht des «Guardian» zufolge freigelassen worden und sollen offenbar abgeschoben werden, bevor die Spiele am Freitag beginnen.

Die Familie von Lucy Fairbrother, einer der Beteiligten, behauptet der Zeitung zufolge nun, deren Blog sei nach ihrer Festnahme verändert worden. Ein Eintrag mit dem Titel «A Short Stay in Tibet» beschreibe zunächst das Leben in China und werde dann zu einer anti-chinesischen Polemik. Dieser Eintrag scheint nachbearbeitet worden zu sein, um sympathischer zu klingen.

Die Formulierungen sind an manchen Stellen recht holprig. Sinngemäß heißt es da: «Ich gebe zu, dass ich ziemlich stark von militanten Free-Tibet-Organisationen zuhause beeinflusst worden bin. Was China gerade tut, und was es schon getan HAT, ist so anders, und ich ärgere mich über mich selbst, dass ich diesen Unterschied vorher noch nicht bemerkt habe.» Im Gegensatz zur Zerstörung buddhistischer Kloster unter Mao, habe sie den Eindruck, dass China heute auf die tibetische Kultur stolz sei.

Patriotische Hacker gegen Online-Protest

Fairbrothers Mutter sagte dem «Guardian»: «Das hört sich nicht an, als hätte Lucy das geschrieben.» Sie kenne den Original-Eintrag und ganz sicher erinnere sie sich an keine solche Stelle. Sie habe den Eindruck, es sei etwas geändert worden. «Students for a Free Tibet» hätten schon vorher mit Änderungen an internen Mails zu kämpfen gehabt. Auch ein Vertreter der Organisation äußerte den Verdacht, das Blog sein manipuliert worden. Laut «Guardian» sind China-kritische Seiten seit dem Frühjahr immer wieder von patriotischen Hackern angegriffen worden.

Der US-Präsident George W. Bush hatte am Mittwoch Auszüge einer Rede veröffentlichen lassen, die er in Thailand halten wollte. Er äußere darin eine «tiefe Besorgnis» über den Umgang mit Grundrechten in China und kritisiere die Festnahme von Dissidenten, berichtet die «New York Times». Bush wird zur Eröffnungsfeier am Freitag in Peking erwartet.

Roggel soll ins Gefängnis

Ein bekannter chinesischer Menschnerechtsaktivist hat IOC-Chef Jacques Rogge unterdessen aufgefordert, ihn im Gefängnis zu besuchen. In einem Brief beklagte He Depu, dass sich die Bedingungen vor allem für politische Häftlinge im Vorlauf zu den Olympischen Spielen in Peking verschlechtert hätten. Der Brief an den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sei über Mittelsmänner aus der Haft geschmuggelt worden, erklärte die Menschenrechtsgruppe Human Rights in China, die das Schreiben am Donnerstag veröffentlicht hatte. Der Brief war vom 26. April datiert.

«Jedes Mal, wenn sie nach Peking kommen und die fröhlichen Spektakel hier sehen, wissen sie, dass nur etwa zehn Kilometer weiter Pekings politische Häftlinge ungemein leiden müssen für den Fortschritt der Gesellschaft und die Entwicklung der menschlichen Zivilisation?», fragte der Aktivist, der 1998 bei der Gründung der verbotenen Demokratischen Partei Chinas geholfen hatte.

Willkürliche Festnahmen

He Depu war 2003 wegen der «Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt» zu acht Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er sich in Internetartikeln für politische Reformen und Demokratie ausgesprochen hatte.

China setzt nach Erkenntnissen einer Menschenrechtsgruppe systematisch unbequeme Personen unrechtmäßig in «schwarzen Gefängnissen» fest. In ihrem am Mittwoch vorgestellten ersten Jahresbericht zu den Menschenrechten in China zählt die Organisation Chinese Human Rights Defenders (CHRD) für die zwölf Monate vor den Olympischen Spielen 428 Fälle «willkürliche Festnahmen» auf. 40 Prozent seien in inoffiziellen «schwarzen Gefängnissen» festgehalten haben. Diese Art der Menschenrechtsverletzungen verdiene «größere Aufmerksamkeit», mahnte die Gruppe an. In einem Jahr seien der Organisation außerdem 44 Fälle von Folter bekanntgeworden. Der Aktivist Chen Ningbao sei in der Haft im südchinesischen Guangdong gestorben, nachdem ihm ein halbes Jahr lang medizinische Versorgung verwehrt worden war.

Protest in Berlin

Am Donnerstag wollen Menschenrechtsgruppen der chinesischen Botschaft in Berlin eine Petition mit rund 10.000 Unterschriften übergeben. Damit solle noch einmal ein deutliches Zeichen gegen die zunehmende Verfolgung von Volksgruppen und Glaubensgemeinschaften gesetzt werden, teilte die Gesellschaft für bedrohte Völker mit. Zu der Übergabe werden Repräsentanten der Tibeter, Uiguren und Mongolen sowie Falun-Gong-Anhänger erwartet.

Seit den Massenfestnahmen nach den Unruhen im März werden nach Angaben der Gesellschaft noch immer mehr als 1000 verhaftete Tibeter vermisst. Mehr als 1500 Uiguren seien in den vergangenen Wochen aus politischen Gründen festgenommen worden. Noch immer würden Falun-Gong-Anhänger Opfer von Folter und Mord. 3160 von ihnen seien in den vergangenen neun Jahren im Gewahrsam der Sicherheitskräfte eines gewaltsamen Todes gestorben.

Appell von Sportlern

Mehr als 100 Sportler aus aller Welt hatten den chinesischen Präsidenten Hu Jintao zudem eindringlich zur Achtung der Menschenrechte aufgefordert. «Die Aufmerksamkeit der Welt richtet sich auf China», heißt es in dem Appell, der am Mittwoch im Internet und der Tageszeitung «International Herald Tribune» veröffentlicht worden war. Darin fordern die Sportler eine friedliche Lösung der Tibetfrage, die Abschaffung der Todesstrafe, die Gewährung von Meinungs-, Religions- und Demonstrationsfreiheit sowie den Verzicht auf Repressalien gegen Bürgerrechtler.

Am Mittwoch hatten nicht nur die Free-Tibet-Aktivisten, sondern auch amerikanische Abtreibungsgegner gegen das chinesische Regime protestiert. Sie wandten sich gegen Zwangsabtreibungen. (nz/dpa/epd)


 
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