Ende des Tauziehens :
Arbeitgeber geht vor Olympia
06. Aug 2008 12:27, ergänzt 14:12
 |  Diego (l.) und Rafinha | Foto: dpa |
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Werder Bremen und der FC Schalke 04 haben im Streit um die Freistellung von Spielern für die Olympischen Spiele Recht bekommen. Für die Fifa ist die Entscheidung des internationalen Sportgerichtshofes eine herbe Niederlage.
Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die Rechte der Fußball-Vereine gestärkt, dennoch dürfen sich die Brasilianer Diego (Werder Bremen) und Rafinha (Schalke 04) wahrscheinlich ihren Olympia-Traum erfüllen. Nicht unerwartet entschied der CAS am Mittwoch in Peking unter Vorsitz von Ephraim Barak (Israel) 24 Stunden vor dem Olympia-Auftaktspiel der Südamerikaner gegen Belgien in der Berufungsverhandlung gegen die Entscheidung des Fußball-Weltverbandes Fifa - und im Sinne der klagenden Bundesliga-Klubs: Spieler unter 23 Jahren müssen von den Vereinen nicht für eine Olympia-Teilnahme freigestellt werden, weil sich keine Abstellungspflicht aus den Fifa-Statuten ergebe und auch kein entsprechendes Gewohnheitsrecht existiere.
Auch Messi betroffen
Auch der FC Barcelona darf sich als Sieger fühlen und könnte nun seinen Star Lionel Messi zurückfordern. Doch Argentiniens Star Sergio Batista ließ schon kurz nach dem Urteil verkünden, dass der Mittelfeldspieler in China bleiben werde: «Messi will das ganze olympische Turnier spielen. Das hat er mir fest zugesagt.»Werder und Schalke werden trotz ihres Erfolges vor dem CAS vermutlich auf eine aufwendige und zu diesem Zeitpunkt für die Clubs im Grunde wenig sinnvolle Rückholaktion ihrer Leistungsträger verzichten. Beide Clubs hatten dies zuletzt angedeutet. Die endgültige Entscheidung, ob sie die Profis vielleicht doch zurückbeordern, sowie entsprechende Stellungnahmen der Clubs wurden für den Nachmittag erwartet.
Schallende Ohrfeige für Blatter
Für die Fifa und insbesondere Präsident Joseph Blatter, der sich vehement für die Teilnahme der Profis eingesetzt hatte, ist das CAS-Urteil eine schallende Ohrfeige. Zudem profitieren nicht nur die drei klagenden Vereine, sondern alle Clubs weltweit. «Die Fifa ist überrascht und enttäuscht über die Entscheidung, aber wir respektieren sie. Dennoch, ich appelliere an die Vereine: Lasst eure Spieler teilnehmen. Es wäre ein Akt der Solidarität in perfekter Übereinstimmung mit dem olympischen Geist. Zudem wäre es wunderbar für die Spieler, die Fans und für den Fußball insgesamt», sagte Blatter, der eine entsprechende Mitteilung an Bremen, Schalke und den mitklagenden FC Barcelona schickte, der um den Argentinier Lionel Messi kämpft.Auch Hertha BSC oder 1899 Hoffenheim hatten wegen des psychologischen Drucks ihre Profis Gojko Kacar (Serbien) und Chinedu Obasi (Nigeria) abgestellt, könnten sie vor dem Bundesliga-Start nun theoretisch aber zurückholen. Doch das ist ebenso nicht zu erwarten. «Ich finde es großartig, dass mir der Verein die Möglichkeit gibt, an Olympia teilzunehmen und sich die sehr komplizierte Situation damit entspannt», hatte Obasi nach der Freigabe aufgeatmet. Auch der Hamburger SV und Bayern München haben Profis abgestellt.
Was wird aus dem Olympischen Fußballturnier?
Der Berufung von Werder und Schalke gegen das von der Fifa vor einer Woche gesprochene Urteil wurde in vollem Umfang stattgegeben. Das Sportgericht folgte der Argumentation von Rechtsanwalt Theo Paeffgen, der die Bundesligisten in dem wegweisenden Rechtsstreit vertrat.In letzter Konsequenz stellt die Entscheidung die Zukunft des olympischen Fußball-Turniers der Männer in der jetzigen Form komplett infrage. Profis über 23 Jahre (z.B. Ronaldinho) unterlagen schon bisher keiner Abstellungspflicht, die Clubs konnten sie allerdings freiwillig zu den Olympischen Spielen ziehen lassen. Die Regelung mit den Spielern unter 23 war ein wachsweicher Kompromiss zwischen der Fifa und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), denn der mächtige Fußball-Verband wollte seinen eigenen Turnieren (Weltmeisterschaft/U 20-WM) mit einer völligen Öffnung keine Konkurrenz machen.
Fifa und IOC müssen umdenken
Die beiden größten Sport-Organisationen der Welt sind nun aufgefordert, mit einer Reform des Reglements künftig für Klarheit und Rechtssicherheit zu sorgen. Klar ist: In der bisherigen Form wird das Olympia-Turnier künftig keinen Bestand mehr haben, weil die Vereine keine Streitigkeiten und Sanktionen mehr fürchten müssen, wenn sie die von ihnen bezahlten Profis nicht abstellen. Den «Schwarzen Peter» haben vorerst die Spieler, die auf das «Goodwill» ihrer Klubs angewiesen wären. Fifa und IOC kündigten bereits am Mittwoch an, dass sie sich nach den Peking-Spielen treffen und beraten wollen.Gleichwohl blieb die Fifa in ihrer Stellungnahme bei ihrer bisher vertreten Meinung. Das olympische Fußball-Turnier sei gerade für junge Spieler eine hervorragenden Chance, sich auf der internationalen Bühne zu präsentieren und Erfahrung zu sammeln. Somit würden neben den Spielern auch die Nationalteams und letztlich auch die Klubs von einer Teilnahme profitieren, meinte Blatter: «Ich bedaure, dass der CAS den olympischen Geist bei der Entscheidung nicht berücksichtigt hat.» (Ulli Brünger und Gert Glaner, dpa)