Streit um chinesische Webzensur:
Nun sollen es die Athleten-Blogs richten
04. Aug 2008 10:15, ergänzt 08. Aug 2008 11:52
 |  Bestimmte Webseiten sind gesperrt | Foto: dpa |
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Im Internet-Streit mit den Chinesen zeigt sich das IOC so gut wie ohnmächtig. Die Gastgeber werden mit Superlativen umschmeichelt. Eine kleine Regeländerung könnte doch noch für ein paar veröffentlichte Meinungen sorgen.
Das nicht eingehaltene Versprechen des «unzensierten» Internetzugangs und die Ohnmacht im Machtkampf gegen die chinesischen Gastgeber haben das Internationale Olympische Komitee (IOC) als moralische Instanz geschwächt.
Wenigstens hat die «Weltregierung des Sports» einen Raum gefunden, in dem der Staatsapparat keinen Einfluss nehmen kann. Das IOC gestattet den Athleten in Peking erstmals, ein Weblog zu betreiben, das auch Meinungsäußerungen zu Menschenrechtsfragen möglich machen kann. Diese Entscheidung, im vergangenen Jahr von der IOC-Exekutive getroffen und erst jetzt an die Öffentlichkeit gedrungen, weicht trotz zahlreicher Einschränkungen die strenge IOC-Regel 49 auf, die jede journalistische Tätigkeit der Athleten verbietet. Die ohnehin schwierige Kommunikation mit den chinesischen Partnern könnte durch die persönlichen und öffentlich einsehbaren Meinungsäußerungen der Sportler in ihren Blogs zusätzliche Brisanz erhalten. «Meine Pflicht ist es, erfolgreiche Spiele abzuliefern. Ich bin bereit, Prügel einzustecken, wenn es um den Schutz meiner Athleten geht», hatte Rogge bereits vor der empfindlichen Niederlage im Internet-Streit in einem Interview der französischen Sport-Tageszeitung «L'Equipe» gesagt.
Rogge schmeichelt den Gastgebern
Die «Blog-Premiere» für Sportler im World Wide Web hat die Glaubwürdigkeit des IOC als «Institution für Athleten» zumindest wieder ein bisschen gestärkt. Auf seiner ersten Pressekonferenz ging Rogge in der chinesischen Hauptstadt dagegen auf Schmusekurs zu den Veranstaltern der Sommerspiele. Als im Nationalstadion bei der Probe für die Eröffnungsfeier das Feuerwerk krachte, überschüttete der Belgier das Organisationskomitee BOCOG mit Lob.Das Athletendorf sei «das beste der Olympia-Geschichte», die Organisation «ausgezeichnet» und die Wettkampfstätten bekamen von ihm die Note «hervorragend». «Es werden tolle Spiele», sagte der 66-Jährige. Nach der Eröffnungsfeier würde «die Magie der Spiele» im Mittelpunkt stehen. Rogge freut sich über die Rekordbeteiligung von 205 Ländern und erwartet, dass bei der Jagd nach Medaillen «das Erwachen Asiens» weitergeht.
«Wir sind Idealisten»
In der Kontroverse um die chinesische Internet-Zensur ruderte er dagegen von seinem Versprechen einer «freien und unzensierten» Internet-Nutzung bei den Olympischen Spielen zurück. Es gehe nur noch um «größtmöglichen» Zugang für die 25 000 Journalisten. Die Chinesen hätten 2001 bei der Vergabe der Sommerspiele auch nur «größtmöglichen Zugang» versprochen. Immerhin gab er eine gewisse «Naivität» zu: «Wir sind Idealisten. Idealismus ist etwas, das mit Naivität verbunden ist.»
Trotz der Dauerdiskussion um gebrochene Zusagen machte Rogge beim 40-minütigen Frage-und-Antwort-Spiel vor der Weltpresse einen gelassenen Eindruck. Selbst die zahlreichen Dopingfälle in den vergangenen Tagen, die für einen bitteren Vorgeschmack auf die befürchteten «Doping-Spiele» sorgten, wertete er als positiv. «Das ist kein Trend. Das ist die Folge unserer klaren Strategie. Ich habe vorgegeben, dass wir im Vorfeld der Spiele die maximale Anzahl an Doping-Tests durchführen wollen», betonte der Ex-Segler, der sich für die Rekordzahl von 4500 Doping-Tests in Peking stark gemacht hatte. Rogge prophezeit einen Anstieg der positiven Kontrollen auf bis zu 40.
Alte Dopingfälle
Im wichtigsten Beschluss der IOC-Exekutive wurde der 4 x 400- Meter-Staffel der USA die Goldmedaille der Spiele 2000 in Sydney wegen Dopings aberkannt. Ex-400-Meter-Weltmeister Antonio Pettigrew hatte zugegeben, von 1997 an zu unerlaubten Mitteln gegriffen zu haben und seine Medaille bereits im Juni zurückgegeben. Neben Pettigrew gehörten Michael Johnson und die Brüder Alvin und Calvin Harrison dem US-Gold-Quartett an. Ob Nigerias 400-Meter-Staffel als zweitplatziertes Quartett von 2000 auf den Gold-Rang aufrückt, wird im Dezember festgelegt. Bereits am Donnerstag muss die Disziplinar-Kommission unter Vorsitz von Thomas Bach dagegen entscheiden, ob die griechische Sprinterin Ekaterina Thanou in Peking starten darf. (Sven Busch/dpa)