Bundesliga-Profis zu Olympia:
Blatter fordert Freigabe für Diego und Rafinha
23. Jul 2008 16:56
 |  Olympia im Blick: Fifa-Chef Joseph Blatter | Foto: dpa |
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Das Chaos um die Abstellung der Brasilianer für die Spiele in Peking nimmt kein Ende. Während Schalke 04 Klage gegen das IOC erhebt und dabei von verschiedenen Verbänden unterstützt wird, hat der Fifa-Chef nun eine ganz andere Sicht der Dinge.
Fifa-Boss Joseph Blatter hat im Streit um die Olympia-Freigabe ein Machtwort gesprochen, doch Bundesligist FC Schalke 04 greift im Ringen um seinen Spieler Rafinha zum äußersten Mittel: Die Gelsenkirchener erheben Klage beim Fußball-Weltverband gegen den brasilianischen Verband CBF und beim Internationalen Sportgerichtshof Cas gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC).
Das erklärte ein Vereinssprecher im österreichischen Stegersbach, nachdem die von Schalke erbetenen Reaktionen von CBF und IOC bis Mittwochmittag ausblieben. Die Schalker Chancen sanken jedoch noch am selben Tag, als Fifa-Präsident Blatter in einem Rundbrief an alle Mitgliedsverbände deutlich machte, dass «die Abstellung von Spielern von unter 23 Jahren für alle Clubs zwingend ist. Für Peking gilt dieser Grundsatz ohne Vorbehalt.»
Rummenigge auf Seiten der Vereine
Dem wiederum widersprach Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstands-Vorsitzende des FC Bayern München erklärte die Abstellungspflicht für unwirksam. «Da die Olympischen Spiele nicht im harmonisierten internationalen Spielkalender verzeichnet sind, ist die Abstellungspflicht für Länderspiele nach dem Fifa-Reglement betreffend den Status und Transfer von Spielern nicht anwendbar», teilte er als Vorsitzender der Europäischen Clubvereinigung ECA mit und solidarisierte sich damit mit den Schalkern und Werder Bremen, die ihren Spielmacher Diego ebenfalls nicht abstellen wollen. «Wir unterstützen daher alle Vereine, die den Verlust wichtiger Spieler befürchten», sagte Rummenigge. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) steht hinter dem Protest aus Gelsenkirchen. Die Schalker hatten CBF und IOC ersucht, Rafinha, dem von Vereins- Seite eine Geldstrafe von bis zu 800.000 Euro droht, nicht für Olympia zuzulassen. Er habe mit der eigenmächtigen Abreise zur Nationalmannschaft Brasiliens einen Vertragsbruch begangen, der nicht mit olympischer Charta und dem Ethik-Gedanken bei Olympia vereinbar sei. Werder Bremen strengte wegen seines Spielers Diego schon am Dienstag eine Cas-Grundsatzentscheidung an. Der Sportgerichtshof hatte erklärt, in dieser Woche sei nicht mit einer Entscheidung zu rechnen.
Verständnis für Rafinha
Schalke hatte Brasiliens Verband CBF aufgefordert, Rafinha freizustellen und zu seinem Arbeitgeber zurückzubeordern. Beim IOC und beim Nationalen Olympischen Komitee Brasiliens waren die Gelsenkirchener mit Schreiben vorstellig geworden, in denen der Verein Erklärungen erwirken wollte, dass Rafinhas eigenmächtige Abreise gegen den Arbeitsvertrag sowie gegen die olympische Charta verstoße und der Spieler somit nicht an Olympia teilnehmen dürfe. Die von Schalke gesetzte Frist verstrich am Mittwoch um 12.00 Uhr. Schalkes Manager Andreas Müller gab keine weitere Stellungnahme ab. Marcelo Bordon, brasilianischer Kapitän des Bundesligisten, sagte im Trainingslager im österreichischen Stegersbach, er könne beide Seiten verstehen. «Es wäre gut, wenn es vorher eine Regelung gegeben hätte. Das ist leider verpasst worden», beklagte Bordon die verworrene Lage. Eine jetzt fällige Entscheidung zugunsten des Vereins werde Rafinha verstehen, äußerte Bordon. «Und er würde es akzeptieren, wenn er zurückmüsste», glaubt Rafinhas Landsmann.
Blatter unmissverständlich
Vom brasilianischen Verband CBF gab es bislang keine Verlautbarung zu Diego und Rafinha. Man sei aber zuversichtlich, weil es sich bei beiden Profis um Spieler handle, bei denen die Abstellungspflicht wegen ihres Alters angewendet werden müsse. Diego und Rafinha waren am Dienstagabend in Paris zu ihrem Nationalteam gestoßen. Bei Robinho von Spaniens Meister Real Madrid hatte Brasiliens Verband nach dem Verbot durch den Verein des deutschen Trainers Bernd Schuster erklärt, dies sei «eine Respektlosigkeit gegenüber dem Verband, dem Fußball und den brasilianischen Fans». Die deutsche Spieler-Gewerkschaft VDV empfiehlt im Gegensatz zu Rummenigge den Arbeitgebern indirekt die Freigabe. Die Teilnahme an einem olympischen Turnier sei für jeden Spieler ein Höhepunkt der Karriere. Bei Fußballern, denen die Teilnahme verweigert würde, könnte sich dies negativ auf die Leistung im Liga-Betrieb niederschlagen, fürchtet die VDV. Fifa-Chef Blatter erklärte am Mittwoch unmissverständlich: «Spieler unter 23 Jahren, die den Stamm der Teams bilden, an der Teilnahme am Olympischen Fußballturnier der Männer zu hindern, würde dem Geist der Olympischen Bestimmungen widersprechen.» (dpa)