16.05.2008
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«Schnellster auf keinen Beinen»: Oscar Pistorius
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Der beidseitig unterschenkelamputierte Läufer aus Südafrika will in Peking für sein Land in der Staffel laufen. Der internationale Sportgerichtshof gab ihm recht und revidierte damit eine Entscheidung des Leichtathletik-Weltverbandes.
Der behinderte Sprinter Oscar Pistorius hat überraschend den Justiz-Marathon gewonnen und sein historisches Startrecht bei den Olympischen Spielen in Peking erstritten. Der beidseitig unterschenkelamputierte Leichtathlet aus Südafrika hatte mit seinem Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas Erfolg und sorgte mit seiner Hartnäckigkeit wohl auch für einen Präzedenzfall.
Kein Vorteil durch StelzenNach dem überraschenden Urteil begrüßt die IAAF nun die Starterlaubnis für Pistorius. «Er ist ein inspirierender Mensch, und wir freuen uns darauf, seine Erfolge in der Zukunft zu bewundern», betonte Präsident Lamine Diack in einer Pressemitteilung. Als erste beinamputierte Schwimmerin wird auch Pistorius' Landsfrau Natalie du Toit an den Olympischen Spielen in Peking (8. bis 24. August) teilnehmen.
Laut Cas-Urteil darf der teilweise unterschenkelamputierte Pistorius nunmehr bei allen IAAF-Wettbewerben auf seinen Karbon- Stelzen («Cheetahs») starten. In seinem «Startverbot» war das IAAF- Council davon ausgegangen, dass er sich durch seine federnden Karbonprothesen einen beträchtlichen «mechanischen Vorteil» gegenüber nichtbehinderten Läufern verschaffe. Genau das haben die CAS-Richter stark angezweifelt. Sie seien keineswegs überzeugt davon, dass es «einen ausreichenden Beweis für einen mechanischen Vorteil» durch die Hightech-«Stelzen» von Pistorius gibt, heißt es in dem mehr als 100 Punkte umfassenden Urteil.
Die Cas-Richter hoben am Freitag in Lausanne die Entscheidung des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF vom 14. Januar 2008 «mit sofortiger Wirkung» auf. Das IAAF-Council hatte dem 21 Jahre alten Südafrikaner den erhofften Start bei den Sommerspielen in Peking mit der 4 x 400-Meter-Staffel zunächst verwehrt.
Folgeprozesse erwartetBei seiner Entscheidung hatte sich der Weltverband auf eine Studie des Kölner Biomechanik-Professors Gert-Peter Brüggemann und die IAAF- Wettkampfregel 144.2 gestützt. Pistorius, der sich selbst einmal als «Schnellster auf keinen Beinen» bezeichnet hatte, hält den Behinderten-Weltrekord über 400 Meter in 46,00 Sekunden. Vor vier Jahren in Athen trat er bei den Paralympics in Athen an, nun kann er sich in Chinas Hauptstadt bald seinen Olympia-Traum erfüllen.
Vielleicht wird er nicht nur für Pistorius und Toit wahr, sondern bald auch für andere Behindertensportler. «Ich lege Beschwerde ein nicht nur für mich allein, sondern für alle behinderten Athleten. Wir verdienen es, uns auf dem höchsten Niveau zu messen, wenn dies unser Körper erlaubt», hatte der Südafrikaner Mitte Februar seinen Gang vor den Cas begründet.
Schwimmerin fährt zweigleisigDie 24 Jahre alte Schwimmerin Toit hatte bei den Weltmeisterschaften in Sevilla das 10-km-Langstreckenschwimmen in offenem Wasser als Vierte absolviert und sich damit für die Olympia- Premiere dieser Disziplin qualifiziert. Die junge Frau aus Kapstadt wird auch an den Paralympics teilnehmen. «Mein Traum war es immer, zu Olympia zu fahren», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur dpa in Johannesburg.
Vor sieben Jahren war sie auf dem Weg vom Training zur Schule auf ihrem Roller unterwegs, als sie von einem Auto erfasst wurde. Einige Tage später musste ihr linkes Bein oberhalb des Knies amputiert werden. Wegen ihrer Behinderung war die Schwimmerin von den 800 m Freistil auf die Marathondistanz im Freiwasser gewechselt. (dpa)
Oscar Pistorius im YouTube-Video