17.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Esten feiern Smigun und Veerpalu
In Estland sind die beiden Langlaufstars Kristina Smigun und Andrus Veerpalu Nationalhelden. Ihr Olympiagold wird sich für beide Athleten in klingender Münze auszahlen.
Mit ihren olympischen Goldmedaillen in Turin haben Kristina Smigun und Andrus Veerpalu ihre Heimat Estland verzaubert. Dem Selbstwertgefühl der 1,3 Millionen Einwohner der Ostseerepublik tun die Erfolge der Langlauf-Helden überaus gut. «Es freut sich das ganze Volk», schrieb die Tageszeitung «Eesti Päevaleht» am Freitag. «Selbst die Obdachlosen vergessen für eine Weile Hunger und Kälte, weil sie aus dem Mülleimer das frohe Gesicht von Kiku sehen.»
Am Donnerstag, als Smigun im italienischen Regen zur ihrer zweiten Goldmedaille gestürmt war, fieberten ihre Landsleute an den Fernsehern. Skandinavisch zurückhaltend feierte man. Winterliche Autokorsos fielen wegen der Kälte von bis zu minus zehn Grad aus.
Ideale Werbepartner«Goldstück Kiku» titelte die führende Tageszeitung «Postimees» in Tallinn und ließ gleich vier Sonderseiten folgen. «Die Großmutter wartet zu Hause mit Pfannkuchen und Marmelade», fanden die Reporter heraus. Das Wirtschaftblatt «Äripäev» bemühte das alte estnische Sprichwort «Dem zähen Anfang folgt unaufhaltsam ein glückliches Ende», um den erfolgreichen Laufstil Smiguns zu beschreiben. Ihren ersten Olympiasieg am Sonntag hatte Staatspräsident Arnold Rüütel als Zuschauer direkt an der Loipe von Pragelato verfolgt und als «taktische Meisterleistung» gewürdigt.
Eine «Schnee-Königin» war die Doppel-Olympiasiegerin schon vor Turin. Auch das estnische Außenministerium warb mit ihr. Im Medaillenspiegel stand der Mini-Staat noch vor klassischen Wintersportnationen wie Kanada, Norwegen und der Schweiz. Andrus Veerpalu polierte mit Gold über 15 Kilometer Langlauf die estnische Bilanz weiter auf.
Lukratives GeschäftDie Leistungen von Smigun und Verpaalu werden nicht nur mit Ruhm belohnt, sondern auch versilbert. Als Prämien erhält Smigun insgesamt 3,2 Millionen estnische Kronen (204.508 Euro) von der Regierung und dem Nationalen Olympischen Komitee. Dazu würden Sponsorengelder und lukrative Anschlussverträge kommen, rechnete «Äripäev» vor. Auch Veerpalu wird seinen Erfolg ummünzen können. (nz)