17.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Österreicherin Schild führt vor der Abfahrt
Nach den beiden Slalom-Läufen der alpinen Olympia-Kombination liegt Marlies Schild in Führung. Das Teilnehmer-Feld tritt indes in einen Interview-Streik.
Martina Ertl-Renz darf in der alpinen Kombination von der vierten Medaille bei ihren fünften und letzten Olympischen Winterspielen träumen, muss aber auf Ausrutscher der vor ihr liegenden Favoritinnen hoffen. Die 32-jährige Lenggrieserin ließ sich am Freitag auch von Wetterkapriolen nicht aus der Ruhe bringen und liegt in dem zur Hängepartie gewordenen Wettbewerb als Siebte in Lauerstellung. Vor dem Finale in der Abfahrt von San Sicario, die wegen zu starken Windes auf diesen Samstag verschoben wurde, hat Ertl-Renz 1,98 Sekunden Rückstand auf die führende Österreicherin Marlies Schild. «Es wird sehr schwer. Auf dieser Strecke kann man keine zwei Sekunden aufholen», sagte die Team-Weltmeisterin nach ihrer passablen Slalom-Vorstellung unter Flutlicht in Sestriere.
Kostelic in LauerstellungAuf den Bronzerang, den sie auch 2002 bei den Winterspielen in Salt Lake City erreichte, hat Martina Ertl-Renz allerdings nur 1,45 Sekunden Rückstand. Diesen belegt die in der Abfahrt schwächer eingeschätzte Österreicherin Kathrin Zettel. Große Favoritinnen auf Olympia-Gold ist aber nach dem Slalom Janica Kostelic, die auf den zweiten Platz fuhr.
Allerdings hat die Kroatin noch immer mit den Folgen ihrer Erkältung zu kämpfen. «Ich weiß nicht, ob ich morgen starte», sagte sie trotz bester Ausschichten, ihren Erfolg von Salt Lake City zu wiederholen und mit dem vierten Olympiasieg zur erfolgreichsten alpinen Olympionikin aufzusteigen. Weitere Anwärterin auf Gold ist wie erwartet die Schwedin Anja Pärson. Die Dritte der Spezialabfahrt rangiert als Vierte in aussichtsreicher Position.
Platz fünfDer deutsche Damen-Chefcoach Wolfgang Maier wollte Ertl-Renz' Medaillenchancen nicht zu hoch einschätzen. «Wenn sie eine gute Abfahrt fährt, kann sie Fünfte werden. Wir haben nie von Medaillen gesprochen», sagte er. Für seine zweite Starterin, Monika Bergmann- Schmuderer, ist das Siegerpodest außer Reichweite. Die Slalom- Spezialistin wurde trotz einer Steigerung im zweiten Lauf nur Zehnte.
Für Aufregung im Zielraum hatte ein Interview-Boykott aller Fahrerinnen gesorgt. Gegenüber den TV-Stationen traten alle Athletinnen vorübergehend in einen Streik, da die Pressesprecher der nationalen Skiverbände von den Olympia-Organisatoren nicht in die dafür vorgesehene Zone gelassen wurden.
Wie vor vier JahrenDer Tag hatte für die Skirennfahrerinnen mit einem Geduldsspiel begonnen. Die Abfahrt in San Sicario war wegen Schneefalls zunächst mehrfach verschoben und schließlich wegen zu starker Windböen abgesagt worden. «Die Warterei war fürchterlich», meinte Schild. Auch vor vier Jahren in Salt Lake City war die Reihenfolge von Abfahrt und Slalom getauscht worden. Damals war Martina Ertl-Renz überraschend zu Bronze gefahren und hatte damit die einzige deutsche Alpin-Medaille gewonnen.
«Das war die einzige richtige Entscheidung», kommentierte Damen-Cheftrainer Wolfgang Maier die Absage. Die Kroatin Nika Fleiß war mit Startnummer eins gestürzt, weil sie beim ersten Sprung von einer Windböe erwischt wurde. FIS-Renndirektor Atle Skaardal brach die Konkurrenz daraufhin ab. «Die Sicherheit der Läuferinnen konnte nicht garantiert werden. Auch die Piste war nicht in Ordnung. Da lag noch zu viel Schnee drin», sagte der deutsche Alpinchef Walter Vogel. (nz)