20.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Eiszeit bei Italiens Spitzenpaar
Das italienische Eistanz-Paar Barbara Fusar Poli und Maurizio Margaglio ist sprichwörtlich auf dem Boden der harten Tatsachen gelandet. Ein kapitaler Sturz ließ 7000 Zuschauer auf einen Schlag verstummen.
Ein kapitaler Sturz hat die öffentlich zur Schau gestellte Harmonie der aus der «Rente» zurückgekehrten Eistänzer Barbara Fusar-Poli/Maurizio Margaglio wie eine Seifenblase zerplatzen lassen. «Barbara und Maurizio - wenn Blicke töten könnten», titelte die «Gazzetta dello Sport» nach dem denkwürdigen Abend, den acht Millionen Italiener gebannt vor den Fernsehschirmen verfolgten. «Zwischen den beiden herrscht Eiszeit», schrieb das Sportmagazin.
Wütend und frustriert verließen die Weltmeister von 2001 die Palavela-Arena, ohne ein Wort von sich zu geben. Der Schock bei dem Paar, das vorher getönt hatte, die jüngere Konkurrenz locker in die Tasche zu stecken, saß tief. Denn die Führung nach dem Ravensburger Walzer, die Eiskunstlauf-Kenner nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nahmen, hatte beide in ihrer Gewissheit bestätigt, nach vier Jahren Wettkampfpause nur für Gold zurückgekommen zu sein. Mit «Italia, Italia»-Sprechchören verwandelten die 7000 Zuschauer die Palavela- Arena vor dem Originalprogramm zu lateinamerikanischen Rhythmen fast in ein Fußball-Stadion.
Totenstille in der HalleMit Temperament gingen die 34 Jahre alte Mailänderin und ihr drei Jahre jüngerer Partner ihre fetzige Darbietung an. Nach dem Sturz kurz vor Schluss, den der schwächere Margaglio auslöste, wurde es still in der Halle und Barbara fixierte ihren Partner schweigend mit bitterer Miene. «Sie haben nicht miteinander getanzt. Es ist das Schlimmste passiert, was passieren konnte», sagte Trainer Roberto Pellizzola. «Ich lasse sie jetzt in Ruhe», sagte der Italiener, der nach Zwischenrang sieben eine Medaille abgehakt hat.
Es gab einige Stürze, so wie bei den Litauern Margarita Drobiazko/Povilas Vanagas bei ihrer fünften Olympia-Teilnahme. Doch das Ehepaar lachte und nahm es sportlich: «So etwas kann immer passieren.» Die Weltmeister Tatjana Nawka/Roman Kostomarow, die von dem Sturzfestival profitierten und an die Spitze tanzten, kommentierten den Abend so: «Es war fast wie beim Shorttrack.» (nz)