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Lupe Disziplinierte Chinesin läuft unter Schmerzen

Das Wort «aufgeben» kommt im Vokabular der chinesischen Eiskunstläufer nicht vor. Erst nach ihrer Kür ließ Zhang Hao sich in ein Krankenhaus bringen. Bilderschau: Schwerer Sturz auf dem Eis ...

Den 6000 Zuschauern in der Palavela-Arena von Turin stockte der Atem. Der chinesische Eiskunstläufer Zhang Dan wirbelte seine Partnerin Zhang Hao gerade in die Luft - es sollte die Weltpremiere eines vierfachen Wurfsalchos werden. Zhang Hao konnte den Salcho aber nicht zu Ende drehen. Die 20-Jährige schlug erst mit gespreizten Beinen und kurz darauf mit der Stirn auf der Eisfläche auf.
«Wir wollten nicht aufgeben»
Alles sah danach aus, als ob das favorisierte Paar die Kür nicht zu Ende bringen könne. Doch die zierliche 1,62 Meter kleine Chinesin biss die Zähne zusammen. Zhang Dan stützte sie und nach längerer Beratung an der Bande, die die erlaubte Unterbrechungspause von zwei Minuten eigentlich überschritt, liefen sie wieder los. «Wir wollten nicht aufgeben», sagte Zhang Hao, der seine Kollegin allerdings gar nicht fragte.

Tatsächlich gelang ihnen danach jeder Sprung und am Ende hielten sie Silber in den Händen. Der Gesamteindruck stimmte nicht mehr, doch die Preisrichter vergaben einen Tapferkeitsbonus. «Das war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Ich bin so hart gefallen und habe hinterher alles hinbekommen», meinte die zerbrechlich wirkende Zhang Dan, die später in eine Klinik gebracht wurde.

Marinin kennt die Gefahr
Harsche Kritik kam von Olympiasieger Marinin: «So ein Sprung ist extrem gefährlich und gar nicht nötig nach dem neuen Wertungssystem.» Der Russe weiß, wovon er spricht. Vor einem Jahr stürzte Partnerin Tatjana Totmianina mit dem Kopf aufs Eis und kam bewusstlos ins Krankenhaus. Wegen allem, was sie zusammen durchgemacht haben, ging Marinin nach der zauberhaften «Romeo und Julia»-Kür vor Tatjana in die Knie und bedankte sich zum Ende der Karriere mit einem Handkuss.

Aljona Sawtschenko - weiblicher Part des deutschen sechstplatzierten Paares - streckte nach einer gelungenen «Kampfkür» ihre Faust in den Himmel, fiel Partner Robin Szolkowy um den Hals und kündigte große Taten für die Zukunft an: «Ich bin einfach glücklich. Jetzt werden wir uns gut auf die Weltmeisterschaften vorbereiten, wo wir eine Medaille wollen. Wenn man uns endlich in Ruhe lässt», sagte die 22-Jährige kämpferisch.

Vom 20. bis 26. März können die Vize-Europameister in Calgary auftrumpfen, zumal die Olympiasieger und die drittplatzierten Chinesen Shen Xue/Zhao Hongbo dort fehlen werden. «Wir brauchen unseren Trainer, er ist so wichtig wie der Pinsel beim Malen», unterstrich Sawtschenko die Bedeutung von Ingo Steuer. Der Coach war wegen Stasi-Verstrickungen vom NOK aus dem deutschen Team verbannt worden und konnte nur aufgrund einer richterlichen Verfügung in Turin an der Bande stehen.

Witt rät zu Entschuldigung
Für die Deutsche Eislauf-Union (DEU) ist klar, dass Steuer sein Paar in Kanada betreuen wird. «Es wäre nicht sinnvoll, so kurzfristig etwas zu ändern», sagte DEU-Präsident Reinhard Mirmseker. Doppel-Olympiasiegerin Katarina Witt, die Steuer zuletzt in Schutz genommen hatte, legte ihm eine Entschuldigung für seine Spitzeltätigkeiten nahe. «Vielleicht wäre es schöner gewesen, wenn er sich einmal entschuldigt hätte», sagte sie in der ARD.

Steuer versäumte indes, klar Stellung zu seiner Vergangenheit zu beziehen und sagte nur: «Deutschland sollte einsehen, dass wir Drei ein gutes Team sind.» Seine ohnehin im Oktober auslaufende Zugehörigkeit zur Bundeswehr wird Steuer wahrscheinlich eher beenden müssen. Zwar sagte Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) bei seinem Besuch am Dienstag in Turin: «Es sind so fröhliche und herrliche Spiele, da wollen wir zu personellen Dingen keine Stellung nehmen.» Nach Olympia wird der Fall aber genau geprüft. (nz)