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Lupe Chinas Eislaufpaar sorgt für Kür-Drama

Unglaublichen Kampfgeist bewies ein chinesisches Paar nach einem schweren Sturz in der Kür. Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy liefen zum Abschluss des Wettbewerbs couragiert. Bilderschau: Bilderschau: Drama bei Kür der Paare ...

Die Nervenbelastung wegen ihres umstrittenen Trainers Ingo Steuer hat die Chemnitzer Paarläufer Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy die Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen gekostet. Die Vize-Europameister, die in den vergangenen zwei Wochen wegen des Medienrummels um den Stasi-belasteten Coach kaum trainieren konnten, machten mit einem couragierten Vortrag am Montag in Turin immerhin einen Platz gut und wurden Sechste.
Kampfansage
Steuer richtete nach dem Wettkampf eine Kampfansage an das NOK. «Wir sind das beste Team in Deutschland, und Deutschland sollte auch begreifen, dass wir was schaffen können, wenn wir nur dürfen. Wir haben noch viel vor», sagte er. «Ich bin wahnsinnig stolz. Die Leistung von Aljona und Robin ist fast gleichzusetzen mit der der Chinesen, die nach diesem Sturz zurückgekommen sind. Für mich fühlt es sich an, als hätten Robin und Aljona heute Gold geholt.»

Gold ging hoch verdient an die Doppel-Weltmeister Tatjana Totmianina/Maxim Marinin. Mit dem Programm zu Romeo und Julia kamen die Russen mit 204,48 Punkten aber nicht an den alten Weltrekord von 206,54 Zählern der drittplatzierten Chinesen Shen Xue/Zhao Hongbo heran. Zweite wurden die Chinesen Zhang Dan/Zhang Hao. Die Chemnitzer Eva-Maria Fitze/Rico Rex belegten bei ihrer Olympia-Premiere den 15. Platz.

Trauriger Höhepunkt der Konkurrenz war ein Sturz von Zhang Hao bei einem Wurf. Die Chinesin traf mit gespreizten Beinen auf dem Eis auf und konnte sich minutenlang kaum bewegen. Auf Anweisung ihres Trainers lief die junge Frau aber dennoch wieder auf das Eis und beendete die Kür unter großen Schmerzen. Nach ihrem Auftritt wurde Zhang Hao sofort das Knie mit Eisbeuteln gekühlt.

Mit beiden Füßen gelandet
In der mit 6000 Zuschauern nicht ausverkauften Palavela-Arena von Turin zogen die ehemalige Junioren-Weltmeisterin Sawtschenko und ihr sächsischer Partner mit ihrem anmutigen Programm zur Musik des Films 1492 Publikum und Preisrichter in ihren Bann. Bei mehreren Elementen gab es sogar Szenenapplaus. Allerdings landete die 22 Jahre alte gebürtige Ukrainerin in ihrem rückenfreien Glitzerkleid beim dreifachen Wurfflip mit beiden Füßen auf dem Eis. «Ich bin froh, dass alles überstanden ist. Die Kür war mit die beste der Saison», sagte Aljona Sawtschenko, die erst am 13. Januar den deutschen Pass für den Olympia-Start erhalten hatte.

Mit 180,15 Punkten kamen die deutschen Aufsteiger allerdings nicht an ihre Bestleistung von 188,08 Zählern nach dem neuen Wertungssystem heran. «Das war eine Kampfkür heute, aber das Kurzprogramm konnten wir nicht wieder wett machen», sagte Szolkowy. Zudem hatten sie einen Wackler beim Lasso und eine nicht synchron gedrehte Pirouette. Das letzte deutsche Edelmetall bei Olympia (Bronze) holte Trainer Ingo Steuer, der das Paar in zweieinhalb Jahren nach oben brachte, 1998 in Nagano mit Mandy Wötzel. «Ingo hat gesagt, das war Spitze. Und jetzt wollen wir Olympia genießen», sagte Aljona Sawtschenko.

Eva-Maria Fitze war unglücklich über die fehlerhafte Darbietung zur Filmmusik von Braveheart, in der sie beim Doppel-Wurfaxel und beim dreifachen Wurfsalchow stürzte: «Ich war sehr angespannt und bin froh, dass es vorbei ist», sagte die 23 Jahre alte Münchnerin, die sich gehandicapt fühlte wegen einer Knochenabsplitterung an der Hand nach einem Trainingssturz.

Zu vorsichtig gelaufen
«Eiskunstlaufen spielt sich im Kopf ab. Auch ich bin zu vorsichtig gelaufen, weil ich in der Übungseinheit zum wiederholten Mal auf meinen Steiß gefallen bin», räumte ihr sechs Jahre älterer Partner ein. «Heute sind wir traurig, aber morgen werden wir unser Karriere- Ende einfach genießen», sagte der Bundeswehrsoldat. Fitze/Rex hatten kurz vor Olympia gleich zwei Trainerwechsel zu verkraften: Erst trennte sich Steuer im Dezember von ihnen, dann durfte die ebenfalls Stasi-belastete Monika Scheibe nicht mit nach Turin. Der Berliner Knut Schubert sprang kurzfristig ein. (nz)