netzeitung.deKanutin Fischer: Kiffen statt trainieren

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Gold und Silber in Athen: Birgit Fischer. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gold und Silber in Athen: Birgit Fischer.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die deutsche Rekord-Olympiasiegerin Birgit Fischer hat die deutsche Sportpolitik scharf kritisiert. Die Förderung sei unzureichend und die wenigsten Athleten konsequent genug.

In Athen hat sie Sportgeschichte geschrieben, zurück in ihrer Heimat lässt Deutschlands erfolgreichste Olympionikin ihrem Unmut über das Sportsystem freien Lauf. Birgit Fischer kritisiert die Verwässerung des Leistungsgedankens an den Sportschulen sowie die schlechte Betreuung in den Vereinen scharf. Solch ein Sportpolitik sind nach Ansicht der achtmaligen Kanu-Olympiasiegerin, die in Athen Gold und Silber gewonnen hat, die Ursachen für unzureichende Leistungen.
Fischer: Lange das Ding in die Tonne getreten
«In der DDR flog der runter, der nichts draufhatte. Das war konsequent. Und heute? Da sind in einer Klasse höchstens zehn Prozent Leistungssportler», sagte die 42 Jahre alte Kanutin der Sport-Bild zum Thema Sportschulen. «Mein Sohn war auf einer solchen Eliteschule des Sports. Die stehen auf dem Schulhof, rauchen und kiffen. Die Nicht-Leistungssportler ziehen die anderen mit runter.» Nach Meinung Fischers werden in den vielen Vereinen hierzulande trotz zahlreicher guter Sportstätten viel zu wenige Kinder an den Sport herangeführt.

«Da fängt es im Prinzip an: Wir haben einen Haufen arbeitsloser Lehrer, aber in den Vereinen fehlt es an Betreuung», so Fischer. Aussicht auf Besserung bis zu den Sommerspielen 2008 sieht die deutsche Rekord-Olympiasiegerin nicht: «Bis Peking wird es nicht mehr reichen. Wir haben das Ding über lange Zeit in die Tonne getreten, nun müssen wir genauso lange wieder aufbauen.»

Künstlicher Wirbel, falsche Berater
Einige Sportler haben sich nach Ansicht von Fischer auch durch Medientermine vom Training abhalten lassen. Man müsse knallhart entscheiden, was wichtiger sei: Leistung oder ein Auftritt in der Zeitung. Den Wirbel um Schwimmerin Franziska van Almsick bezeichnete Fischer als «gemachte Story». Der enttäuschende Radprofi Jan Ullrich mit seinen «tausend Beratern» mache simple Sachen falsch: «Sein ständig schwankendes Gewicht ist leistungsabträglich, dann das Bild von ihm in den Medien. Da frage ich mich: Was sind das für Berater?» (nz)