Fischer spielt ganze Erfahrung aus
27. Aug 2004 13:02
 | Birgit Fischer | | Foto: AP |
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Birgit Fischer hat es wieder allen gezeigt: Die 42 Jahre alte Kanutin hat sich ihre achte Goldmedaille bei Olympischen Spielen gesichert. Und die Brandenburgerin denkt immer noch nicht an ein Aufhören.
Birgit Fischer riss jubelnd ihr Paddel in die Höhe. Sie hatte sofort registriert, wozu ihre Teamkameradinnen im deutschen Viererkajak noch einige Zeit länger brauchten: Deutschland ist Olympiasieger. Und sie, die 42 Jahre alte Schlagfrau des erfolgreichen Vierer-Kajaks, hat erreicht, was vor ihr zuvor kein anderer deutscher Athlet erreicht hat. Sie hat bei sechs Sommerspielen acht Goldmedaillen erreicht. Das ist Rekord.
Herzschlagfinale gegen Ungarn Hinter dem deutschen Boot mit Birgit Fischer, Maike Nollen, Katrin Wagner und Carolin Leonhardt lag ein Finale, wie es kaum spannender hätte sein können. Nach 250 Meter lag das Boot des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) noch mit 0,30 Sekunden hinter den führenden Ungarinnen. «Dass die Ungarinnen vor uns lagen, war wie in Sydney», erinnerte sich Fischer. «Als wir 150 Meter vor dem Ziel festgestellt haben, dass wir hinten liegen, haben wir uns noch einmal am Riemen gerissen.»Wie knapp es am Ende war, zeigt der Blick auf die Zeit. Das deutsche Boot überquerte nach den 500 Metern in 1:34,340 Minten die Ziellinie auf der Regattastrecke in Schinias, die Ungarinnen kamen einen Wimpernschlag von 0,196 Sekunden später an. Das drittplatzierte Boot der Ukraine hatte ein Rückstand von 1,852 Sekunden auf die Deutschen. «Ich habe im Ziel gar nicht mitbekommen, ob wir Erster oder Zweiter geworden sind. So richtig realisiert habe ich das immer noch nicht», sagte Carolin Leonhardt, die mit einer Erkältung ins Rennen gehen musste.
«Cool bis zum Schluss» Als alles vorbei war und alle mitbekommen hatte, was ihnen gelungen war, stimmten Fischers Teamkameradinnen ein wahres Loblied auf die deutsche Rekord-Olympiasiegerin an. «Das war schon ein beruhigendes Gefühl, dass die Birgit am Schlag saß. Sie bleibt einfach cool bis zum Schluss», sagteNollen. Und Katrin Wagner ging sogar noch weiter. «Ohne sie hätten wir nicht Gold geholt. Sie hat einfach eine ungeheure Erfahrung.»
Fischer will immer gewinnen Wie DKV-Präsident Ulrich Feldhoff später erzählte, habe er 70 bis 80 Meter vor dem Ende des Rennens kaum mehr daran geglaubt, dass das deutsche Boot das noch schaffen könne. «Doch die Fischer hat das Ding noch einmal rausgerissen, unglaublich.» Bereits vor dem Rennen hatte Birgit Fischer wissen lassen, dass sie nicht an diesen Spielen teilnehmen wird, um Zweite so werden. Eine wie sie will schließlich immer gewinnen. Für eine Platzierung im Mittelfeld würde sich ein derart auf Erfolg ambitionierter Mensch wie Fischer nicht noch einmal ins Boot setzen und die Strapazen des Trainings auf sich nehmen.Dann hätte sie ja gleich weiter im Vorruhestand bleiben können. Was sie bislang schon zweimal vor hatte: 1988 und 2000. Doch dann entschloss sie sich immer wieder anders. Im vergangenen Herbst erklärte sie wieder den Rücktritt vom Rücktritt. Nicht wenige dachten, dies sei nichts weiter als ein PR-Gag. Birgit Fischer hat alle Lügen gestraft.
«Ganz wichtige Medaille»
Wohl auch deshalb erachtet Birgit Fischer ihr achtes Gold als eine «ganz wichtige Medaille» in ihrer Karriere. Vielleicht sogar die wichtigste, wie sie zunächst gesagt hatte. Doch dann hatte sie sich selbst korrigiert. Denn für sie hätten auch die Olympiasiege 1980 und 1992 eine besondere Bedeutung: So war Fischer in Moskau im Einerkajak erstmals zu Gold gepaddelt, wurde mit 18 Jahren und 158 Tagen jüngste Kanu-Olympiasiegerin aller Zeiten. Und in Barcelona hatte sie Gold im Einer und Silber im Vierer geholt. Vor diesem Triumph hatte sie erst im Dezember 1991 das Training wieder aufgenommen, nach dem sie im Oktober 1989 ihre Tochter Ulla zur Welt gebracht hatte.Doch zurück in die Gegenwart. Diese Goldmedaille, so ließ Birgit Fischer noch wissen, sei ihr deshalb auch so wichtig, «weil man immer davon ausgehen muss, dass sie die letzte ist.» Und, ist sie das? «Das weiß ich doch nicht», sagte Fischer leicht unwirsch. Möglicherweise holt sie ja bereits am Samstag ihre nächste, dann geht die Brandenburgerin im Zweierkajak mit Leonhardt an den Start.
Rücktritt ist unwahrscheinlich Und, wie geht es nach Athen weiter, hört sie auf? Dazu hat sich Fischer bislang nicht geäußert. Aber ein Rücktritt ist unwahrscheinlich. Möglicherweise ist sie ja auch 2008 in Peking dabei. Dann wäre sie 46. Wer weiß. Josef Capousek sagte schon einmal schmunzelnd. «Für Peking ist diese Leistung ausbaufähig.»
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