Kehrmann: Wir schlagen sowieso jeden
28. Aug 2004 07:04, ergänzt 29. Aug 2004 10:43
 | Florian Kehrmann im Spiel gegen Russland. | | Foto: ddp |
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Die Silbermedaille ist den deutschen Handballern bereits sicher. Doch damit will sich die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand nicht zufrieden geben.
Florian Kehrmann war angeblich ahnungslos. «Was, gegen wen spielen wir im Finale?». Der Gegner heißt Kroatien, Herr Kehrmann. Die haben gerade vor Ihnen gespielt und sich mit 33:31 gegen Ungarn durchgesetzt. «Ach, der Gegner ist mir egal. Wir schlagen sowieso jeden.»
Hens laboriert an Bandscheibe
Der Rechtsaußen der deutschen Handball-Nationalmannschaft strotzte nach dem 21:15 (9:10) im Halbfinale gegen Russland geradezu vor Selbstvertrauen. Woher er das allerdings nahm, blieb mit Blick auf das Spiel gegen den Olympiasieger von Sydney vor 10.032 Zuschauern in der Helleniko Arena sein Geheimnis. 48 Stunden nach dem Erfolg mussten die Deutschen den Ausfall von Rückraumspieler Pascal Hens verkraften. Der 24-Jährige vom HSV Hamburg laboriert nach wie vor an einer Entzündung der Bandscheibe, teilte Bundestrainer Heiner Brandt am Sonntag mit. Der Europameister bot gegen die Russen ein Spiel der vergebenen Chancen. Mit vier Treffern war Kehrmann hinter Stefan Kretzschmar (5) zwar der erfolgreichste Schütze in der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB), doch der Bundesligaspieler des TBV Lemgo konnte ebenso wie sein Nationalmannschaftskollege aus Magdeburg nur 50 Prozent der sich bietenden Möglichkeiten verwerten. Und diese Wurfschwäche zog sich durch die gesamte Mannschaft. Beispiel gefällig: Christian Schwarzer hatte sieben Torchancen, traf aber nur dreimal. Noch schlimmer sah es bei Daniel Stephan mit 2 Treffern bei acht Möglichkeiten aus. Doch diese schlechte Chancenverwertung resultiert nicht nur aus der Wurfschwäche der deutschen Spieler, sondern ist vor allem auch der überragenden Leistung des russischen Torstehers Andrej Lawrow geschuldet. Er hielt jeden zweiten Wurf der Deutschen. «Bei dem, was Lawrow gehalten hat, kann man eigentlich kein Spieler gewinnen», lobt Henning Fritz seinen Torwartkollegen.
Lob für Immel Doch der Kieler stand seinem russischen Gegenüber in nichts nach. Der Kieler hatte bereits im Viertelfinale-Thriller am Mittwoch seiner Mannschaft mit einer Weltklasseleistung im Siebenmeter-Werfen das Weiterkommen gesichert. Ein Lob hatte Fritz für Jan-Olaf Immel übrig, der die Aufgaben des in der 40. Minute gesperrten Volker Zerbe übernahm, der zuvor schon zwei Zeitstrafen erhalten hatte. «Immel war einer der Garanten unserer Abwehr», sagte Fritz. Auch Routinier Christian Schwarzer sprach dem 28-Jährigen ein Lob aus. «Wir haben in der Abwehr einfach hervorragend gestanden, Immel hat ein tolles Spiel geboten.»Schwarzer (34) wird nach den Spielen ebenso seine Nationalmannschafts-Karriere beenden wie Zerbe (35), Klaus-Dieter Petersen (35) und Kretzschmar (31). Entsprechend motiviert blickt Schwarzer dem Finalspiel am Sonntag (15.45 Uhr/MESZ) entgegen. «Das wir im Finale stehen, ist ein riesiger Gefühl, jetzt wollen wir auch noch den nächsten Schritt machen.» Der Kreisläufer des TBV Lemgo würde seine Laufbahn nur allzu gern mit dem Gewinn der Goldmedaille gewinnen.
Kräfte mobilisieren Der Olympiasieg wäre für eine deutsche Handball-Nationalmannschaft nach Silber 1984 in Los Angeles die beste Platzierung seit 20 Jahren. Und gegen die Kroaten wartet auf das deutsche Team eine sehr schwere Aufgabe, wie Immel sagte. «Für uns heißt es jetzt, dass wir die letzten Kräfte mobilisieren. Jetzt wollen wir natürlich auch noch Gold», sagte Immel.Die DHB-Männer hatten sich erst nach der Halbzeitpause wieder besser präsentiert. Nach zwei Treffern von Stefan Kretzschmar, der im Vergleich zur Viertelfinalpartie gegen Spanien eine ansprechende Leistung bot, waren die deutschen Männer in der 41. Minute erstmals mit 13:12 in Führung gegangen. Zwar konnten die Russen noch einmal auf 13:13 verkürzen, doch danach gab die deutsche Mannschaft die Führung nicht mehr aus der Hand. Mit den Kroaten wartet am Sonntag auf die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand eine ganz starke Mannschaft. «Das sind Handballer durch und durch. Respekt haben wir vor ihnen, Angst nicht», sagte Brand. Eines sei für den Sonntag jedoch entscheidend, auch wenn man in der Abwehr hervorragend aufgestellt ist. «Wir müssen im Angriff stärker auftreten.» Möglicherweise ist gegen die Kroaten dann auch wieder Pascal Hens wieder mit von der Partie, der verletzungsbedingt gegen Spanien fehlte. «Trainiert hat er schon wieder, konnte aber an keine Zweikämpfen teilnehmen. Ich hoffe darauf, dass er bis dahin fit ist», so Brand. Jetzt kann man nur hoffen, dass Florian Kehrmann recht behält mit seiner Aussage. Am Sonntag wird man es wissen.
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